Kleine Gesten statt großer Romantik

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  Carla Bühler berät Menschen in der Krise.
Carla Bühler berät Menschen in der Krise. (Foto: Christoph Bastert Photographie)
Carla Bühler

Valentinstag: Tag der Liebe, Tag der großen Gesten. Die Schlangen im Blumengeschäft sind lang, die Zweiertische im Restaurant ausgebucht. Je größer die Geste, desto größer die Liebe. Oder? Viele Paare verbringen diesen Tag schwankend der Hoffnung, dass das große Versprechen der Romantik doch noch eintreten wird und der Enttäuschung, dass eben jene ausbleiben und sich Ernüchterung breitmacht. Ganz zu schweigen von vielen Singles, die an diesem Tag ihr Solo-Dasein als besonders schmerzlich erleben. Doch warum wird dieser Tag trotzdem mit Inbrunst vollzogen? Wie kommt es, dass sich Millionen Menschen einen Tag zur Romantik verschreiben lassen?

Es scheint ein Bedürfnis nach großen Gefühlen zu geben. Die Frage ist, ob die großen Romantikgesten dies tatsächlich erfüllen? Oder ist es nicht vielmehr so, dass sich Romantik unverhofft einstellt, kurzweilig da ist und genauso schnell wieder geht, ähnlich wie eine Sternschnuppe? Dass sich Romantik nicht gänzlich im Voraus planen lässt, sich einer Vermessung entzieht und immer mit etwas Unerwartetem und Überraschendem zu tun hat? Womöglich verhält es sich sogar umgekehrt: Je mehr man sich anstrengt, den perfekten romantischen Abend zu organisieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung.

Was also tun? Es müssen nicht die großen Gesten sein. Wie viel wirkungsvoller sind die kleinen, alltäglichen Aufmerksamkeiten. Die Betonung liegt dabei auf alltäglich, denn es reicht nicht, einmal im Jahr seinem oder seiner Liebsten ein Geschenk zu überreichen und sich fortan keine Gedanken mehr darüber zu machen. Eine Tasse Tee, wenn der Partner im Stress ist, ein interessiertes „Wie hast du geschlafen?“ oder ein unvermittelter Kuss auf die Wange sind viel geeigneter, seine Liebe zu bezeugen. Dadurch stellt sich womöglich ganz unbeabsichtigt und nebenbei für ein paar Sekunden ein Gefühl der Romantik ein. Natürlich hat jedes Paar seine ganz eigene Art, sich diese kleinen Gesten entgegenzubringen.

Nun ist es gar nicht so leicht, im Alltag den Blick auf das Positive am Partner zu lenken. Und es kostet Mühe, sich immer wieder in den Partner hineinzuversetzen und ihm Wertschätzung entgegenzubringen. Auch sind oft Verletzungen und Misstrauen so groß, dass das Gute nicht mehr gesehen wird. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, sich paartherapeutische Unterstützung zu suchen, zum Beispiel in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Sigmaringen.

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