Kardinal Lehmann füllte den Raum aus

Lesedauer: 3 Min
Kurz vor seinem 75. Geburtstag unterhält sich Kardinal Lehmann im Jahr 2011 mit SZ-Redaktionsleiter Michael Hescheler. Am Sonnta
Kurz vor seinem 75. Geburtstag unterhält sich Kardinal Lehmann im Jahr 2011 mit SZ-Redaktionsleiter Michael Hescheler. Am Sonntag ist der Kardinal im Alter von 81 Jahren gestorben. (Foto: Privat)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Ein paar Tage vor seinem 75. Geburtstag im Mai 2011 schart Kardinal Lehmann unweit des Mainzer Doms einige Dutzend Journalisten um sich. Der Autor dieser Zeilen ist nach Mainz gefahren, um den Kardinal zu treffen. Lehmann füllt den Raum des bischöflichen Bildungshauses in dem Moment, als er ihn betritt. Selten habe ich so so eine Präsenz, so eine Herzlichkeit und so eine Nähe erlebt. Die Tische, an denen die Journalisten sitzen, sind in einem U aufgebaut. Lehmann macht die Runde, obwohl er kaum noch gehen kann. Seine Knie sind lädiert. Jeden Journalisten begrüßt er mit Handschlag, findet persönliche Worte. Sein Lachen ist ansteckend.

Als ich mich als Vertreter aus seiner alten Heimat vorstelle, stellt plötzlich er die Fragen. „Bleiben Sie nach der Pressekonferenz noch da“, sagt er. Der Kardinal sitzt während ihm die Journalisten Fragen stellen mit verschränkten Armen da und lehnt sich auf dem Stuhl zurück. Doch er ist alles andere als verschlossen. Lehmann macht in dem Gespräch keinen Hehl daraus, dass ihm die Entscheidung Roms missfällt, nach dem 75. Geburtstag Bischof von Mainz bleiben zu müssen. Er scheint zu spüren, dass ihm nicht mehr allzu viel Zeit bleiben wird. Erst vor zwei Jahren darf er das Amt an seinen Nachfolger weiter geben.

Obwohl Lehmanns Mitarbeiter auf die Frage nach einem persönlichen Interview auf die Pressekonferenz verwiesen haben, nimmt sich der Kardinal spontan eine knappe halbe Stunde Zeit, nachdem die anderen Journalisten das Bildungshaus verlassen haben. Er erinnert sich an seine Kindheit und drückt die extreme Dankbarkeit seinen Eltern gegenüber aus, die ihn und seinen Bruder aufs Gymnasium gelassen haben, obwohl das Schulgeld nahezu die Hälfte ihres Einkommens aufbrauchte.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen