Kapelle ist Blickfang auf dem Josefsberg

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 Das prachtvolle Kuppelfresko beeindruckt die Besucher der Josefskapelle.
Das prachtvolle Kuppelfresko beeindruckt die Besucher der Josefskapelle. (Foto: Susanne Grimm)
Susanne Grimm

Im Rahmen der Barockwoche haben interessierte Besucher die ansonsten geschlossene Josefskapelle oberhalb Sigmaringens besuchen dürfen. Dabei erfuhren sie von Ingrid Glückler viel Wissenswertes über die im Jahr 1629 erbaute Kapelle und deren Ausgestaltung.

Die Josefskapelle ist eine von Fürst Johann auf der Anhöhe südlich des Stadtkerns von dem bekannten Renaissancebaumeister Hans Alberthal aus Dillingen erbaute Kapelle mit dem besonderen achteckigen Grundriss, erzählte die Themenführerin. Das kleine Gotteshaus, das ursprünglich einen Vorbau mit einem Eremitenhaus besaß, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. So wurde es 1633 im Dreißigjährigen Krieg zerstört, doch Michael Beer, ein Barockbaumeister aus Au im Bregenzerwald, baute die Kapelle 1660 wieder auf, beziehungsweise um.

22 Jahre später wurden die Kapelle und der Altar dem heiligen Josef geweiht. Seit diesem Zeitpunkt wird der Standort des kleinen Sakralbaus „Josefsberg“ genannt. Die barocke Innenausstattung des oktogonalen Kuppelbaus, wie sie heute zu sehen ist, sei im Wesentlichen 1739 unter Fürst Josef Friedrich geschaffen worden. Die Stuckarbeiten soll, so wird vermutet, Nikolaus Schütz aus Landsberg/Lech ausgeführt haben, so Glückler.

Kuppelfresko ist ein Werk von Josef Ignatz Wegscheider

Sicher ist, dass das imposante Kuppelfresko das Werk des Malers und damaligen Stadtschultheißen Josef Ignaz Wegscheider aus Riedlingen ist, der übrigens auch die Klosterkirche in Beuron ausgemalt hat. Glückler wies die Gäste auf die Signatur des Malers hin, die am unteren Rand des dreidimensional erscheinenden Freskos versteckt und nur aus bestimmten Blickwinkeln zu sehen war.

Das beeindruckende Deckengemälde zeigt eine in dieser Form sehr seltene Darstellung der Verklärung des Heiligen Josef, nimmt aber auch die Geschichte seines alttestamentarischen Namensvetters auf, der von seinen Brüdern verkauft, in Ägypten durch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten Karriere gemacht hat.

Auch das Altarbild, das die Vermählung Mariens zeigt, wird Wegscheider zugeschrieben. Der Altar selber stammt aus der Hand des Bildhauers, Stuckateurs und Holzschnitzers, Johann Joseph Christian, ebenfalls ein Riedlinger. Das 1741 geschaffene Werk zeigt figürlich den Heiligen Meinrad und Sigmaringens Stadtpatron Fidelis, die links und rechts das Altarbild flankieren.

Neben der Historie wusste die Themenführerin auch über die beiden Heiligen anschaulich zu berichten. Heute ist das barocke Kleinod als Baudenkmal klassifiziert und ist aufgrund seines Standorts ein nicht zu übersehender Blickfang in Sigmaringen. Die Kapelle spielte im religiösen Leben Sigmaringens eine bedeutende Rolle, sagte Glückler. Bis ins 20. Jahrhundert hinein pilgerten die Gläubigen alljährlich am Josefstag, dem 19. März, zur Kapelle, wo dann die Handwerkermesse gelesen wurde.

In den Jahren 1975 bis 1979 ist die geschichtsträchtige Stätte mithilfe eines Fördervereins rundum renoviert worden. Seither finden dort im Sommer auch wieder Andachten statt. 2008 und 2009 ließ das Fürstenhaus einen Teil der Bäume auf dem Josefsberg fällen, um von der Stadt aus einen freien Blick auf die Kapelle zu gewähren. „Wir sind eigens zu dieser Führung hierhergekommen“, sagte Alfred Leger aus Gammertingen. „Bisher konnten wir die Kapelle nur von außen bewundern, da sie ja sonst nicht zugänglich ist“.

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