Kantorei führt Brahms’ „Deutsches Requiem“ auf

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 Brahms’ Requiem weicht stark von der traditionellen Totenmesse ab. Die Idee dazu habe ihn über mehr als ein Jahrzehnt beschäfti
Brahms’ Requiem weicht stark von der traditionellen Totenmesse ab. Die Idee dazu habe ihn über mehr als ein Jahrzehnt beschäftigt. (Foto: Kirche)
Schwäbische Zeitung

Nähere Informationen zu den Proben und zu allen musikalischen Angeboten gibt Kantor Sukwon Lee unter der Nummer 07571/75 41 11 oder per E-Mail an

sukwonsukwon@gmail.com

Die Kantorei der evangelischen Kirchengemeinde Sigmaringen führt am Sonntag, 25. November, unter der Leitung von Kantor Sukwon Lee in der Kreuzkirche das Deutsche Requiem von Johannes Brahms auf. Der Eintritt zum Konzert, das um 17 Uhr beginnt, ist frei. Die Kantorei freut sich über Spenden.

Warum gerade jetzt das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms aufgeführt wird? „In diesem Jahr jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Die Totenmesse soll an die Schrecken des Weltkrieges erinnern“, sagt Kantor Sukwon Lee, der das Stück dirigiert. „Die Uraufführung des Werkes fand 50 Jahre vorher am Karfreitag 1868 im Dom zu Bremen statt. Das Publikum damals war begeistert. Der Kritiker Eduard Hanslik aus Wien schrieb: „Seit Bachs h-Moll-Messe und Beethovens Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms’ Deutsches Requiem zu stellen vermag.“ Was den Inhalt des Stücks betrifft, habe Brahms mit seinem Requiem die Lebenden trösten wollen. „Dieser Trost kommt zum Beispiel in den Stellen ,Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten’ oder ,Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet’ ganz besonders eindrücklich zum Ausdruck“, erklärt Lee.

Innere Erschütterung

Formal gesehen weiche Brahms’ Requiem stark von der traditionellen Totenmesse ab. „Er setzte sich mit den Bibelstellen auseinander und nahm die Kernstelle, die thematisch um Leben, Tod, Trost und ewige Hoffnung geht, heraus. Die Idee zu dem Requiem habe Brahms über mehr als ein Jahrzehnt beschäftigt. „1856 starb sein verehrter Freund und Förderer Robert Schumann und im Februar 1865 starb seine Mutter. Die innere Erschütterung durch den Verlust der beiden lieben Menschen und seine künstlerische Situation, dass er als Konkurrent zu Wagner und Liszt dargestellt wurde, bewegte ihn stark, dieses große Werk zu präsentieren“, so Lee.

Als Künstler sei durch dieses Werk für ihn eine neue Schaffensphase angebrochen. Auch heute noch sei das Brahms’sche Requiem noch aktuell: „Musikwissenschaftler Malte Korff sagt in seiner Brahms-Biografie: Das ,Deutsche Requiem’ von Brahms entsteht in einer Zeit der religiösen Skepsis. Das heißt, in einer Ära, in der sehr viele Menschen von dem ganz strengen, vorgegebenen Glauben der Kirche sich emanzipierten. Und auch Brahms, der zwar an ein überirdisches Weltprinzip glaubt, ist von dieser Skepsis nicht frei geblieben, er teilt diese Skepsis mit anderen Menschen.’ So ist unsere Gegenwart nicht weit entfernt von damals, es geht uns viel mehr um den eigentlichen Sinn, wofür wir leben und wohin wir gehen. Diese Antwort fand Brahms in der Bibel, die er immer gerne las.“

Kantor Lee lädt zur Mitwirkung dieser Aufführung erfahrene Chorsänger ein. „Auch jetzt kann man noch zum Chor dazustoßen und mitsingen.“ Die Probe zur Vorbereitung für das Brahmsrequiem findet immer montags um 20 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Karlstraße 24, statt.

Nähere Informationen zu den Proben und zu allen musikalischen Angeboten gibt Kantor Sukwon Lee unter der Nummer 07571/75 41 11 oder per E-Mail an

sukwonsukwon@gmail.com

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