Jugendzentren sollen öffnen

Die offene Jugendarbeit fördert unter anderem den Bildungsaspekt.
Die offene Jugendarbeit fördert unter anderem den Bildungsaspekt. (Foto: Haus Nazareth)
Schwäbische Zeitung

Die zwei freien Träger der Jugendhilfe des Landkreises Sigmaringen rufen die Städte und Gemeinden dazu auf, die Jugendarbeit gerade in Zeiten der Pandemie nicht zu vernachlässigen. Das geht aus einer Pressemeldung hervor. „Sie wird nach dieser Zeit sogar wichtiger sein denn je“, so Daniel Hahn, stellvertretender Direktor des Hauses Nazareth.

Das Sigmaringer Kinderheim und die Mariaberger Ausbildung & Service organisieren mit ihrem Personal den größten Teil der Angebote in der Jugend- und Jugendsozialarbeit im Landkreis Sigmaringen. Im Rahmen eines intensiven Austauschs auf den Leitungsebenen beider Einrichtungen sowie unter Mitwirkung des Instituts für Soziale Berufe (ifsb) in Ravensburg wurde nun deutlich, dass ein Teil der Angebote durch die Pandemie existenzbedroht ist. Weniger Sorgen bereitet den Trägern die Schulsozialarbeit. Deren Tätigkeitsfeld ist sichtbar und es wird inzwischen weder einem Schulleiter noch einem Bürgermeister in den Sinn kommen, deren Notwendigkeit in Frage zu stellen.

Anders sieht es bezüglich der „Offenen Kinder und Jugendarbeit“ (OKJA) aus. Sie ist ein Teil der „außerschulischen Jugendbildung“, die im Gesetz der schulischen Bildung gleichgestellt ist. Auch wenn sich der Bildungsaspekt nicht immer erschließt, leistet Offene Jugendarbeit einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung. Sie bietet einen Frei- und Erprobungsraum, den die Schule, das Elternhaus und auch die Vereins- oder Verbandsarbeit nicht bieten können. Es finden Aushandlungsprozesse statt, werden Ideen entwickelt und umgesetzt, Veranstaltungen geplant und Räume gestaltet. Es gibt kaum einen Bereich in der Sozialen Arbeit, der sich so eng an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen orientiert.

Aus diesem Grund wurden die Schließungen von Jugendeinrichtungen auch während hoher Inzidenz-Zahlen sehr lange hinausgezögert. „Es gibt Jugendliche, für die das Jugendhaus oder das Kinder- und Jugendbüro als Anlaufstelle substanziell ist. Das Jugendhaus ist eine Art zweite Heimat“, erklärt Cord Dette, Fachbereichsleiter Jugendarbeit in Mariaberg. Deswegen sei es auch während der Corona-Zeit immer möglich, Einzelgespräche coronakonform und mit den entsprechenden Hygienekonzepten in diesen Treffs zu führen. Und wenn die Schulen wieder öffnen, müssten auch die Einrichtungen der außerschulischen Jugendbildung wieder für Gruppenangebote geöffnet werden, heißt es weiter.

Für die Verantwortlichen ist klar: Es wird eine „Krise nach der Krise“ geben. Die soziale Isolation, die fehlende Kommunikation und Interaktion würden sich dann in Form eines hohen sozialpädagogischen Bedarfes zeigen. Es sei existentiell wichtig, niederschwellige soziale Strukturen aufrecht zu erhalten und zu stärken. „Die Offene Kinder- und Jugendarbeit ist kein „nice-to-have“, sondern soziale Infrastruktur“ so Daniel Hahn. „Was im Landkreis in Jahrzehnten an Infrastruktur für Jugendliche aufgebaut wurde, muss gerade auch in Zeiten einer Pandemie erhalten bleiben.“ Und er bedauert weiter, dass gerade in schwierigen Zeiten wie der Pandemie deutlich wird, wie es um die Sichtbarkeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis steht: „Wir freien Träger stellen fest, dass es in der Vergangenheit offensichtlich nicht ausreichend gelungen ist, die Wirksamkeit des Arbeitsfeldes Sozialer Arbeit nach außen sichtbar machen zu können“, sagt Hahn.

In dieser Erkenntnis stellen sich die Träger der Aufgabe, ihr Handeln im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auf den Prüfstand zu stellen, weiter zu entwickeln und transparent zu machen. Dies geschieht in einem Zusammenschluss der freien Träger im Landkreis, gemeinsam mit dem Ausbildungsträger IFSB (Institut für soziale Berufe in Ravensburg) im Rahmen eines Qualitätszirkels. „Das Ziel ist, die Angebote den veränderten Rahmenbedingungen des Aufwachsens in einer digitalisierten Welt anzupassen“, so Jörg Singer, Lehrkraft am IFSB und langjähriger Mitarbeiter in der Offenen Jugendarbeit im Landkreis. Dabei den entwicklungspsychologischen Bedarfen junger Menschen sowie den Herausforderungen der Kommunen im ländlichen Raum gerecht zu werden sei die zentrale Aufgabe. Ihr wollen sich die Träger nun gemeinsam stellen, um die Wirksamkeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis zu stärken, zu schützen und sichtbar zu machen.

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