Jeder dritte Tatverdächtige ist ein Flüchtling

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Der gelegte Brand Mitte Februar in einem Unterkunftsgebäude der LEA ist nur eine von vielen Straftaten.
Der gelegte Brand Mitte Februar in einem Unterkunftsgebäude der LEA ist nur eine von vielen Straftaten. (Foto: Thomas Warnack/dpa)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

In der Stadt Sigmaringen hat die Zahl der Delikte im vergangenen Jahr um ein Drittel zugenommen. Zudem ist jeder dritte Tatverdächtige in der Stadt ein Flüchtling. Diese und andere Zahlen hat Polizeipräsident Ekkehard Falk am Mittwochabend vor dem Gemeinderat bekanntgegeben.

Die wichtigste statistische Zahl für die Polizei ist die so genannte Häufigkeitszahl: Um den Vergleich der Gemeinden untereinander zu ermöglichen, rechnet die Polizei die Zahl der Straftaten auf 100000 Einwohner hoch. Die Stadt Sigmaringen kommt auf eine Häufigkeitszahl von 9825 während der gesamte Landkreis mit einer Häufigkeitszahl von 4457 statistisch weniger als halb so viele Straftaten aufweist. Ähnlich eklatant wirkt dieser Vergleich: Bad Saulgau liegt mit einer Häufigkeitszahl von 5421 weit hinter der von Sigmaringen.

Die 1780 tatsächlich gezählten Delikte nahmen um 457 zu (plus ein Drittel). Die größte Gruppe sind Straftaten, bei denen andere Menschen körperlich geschädigt wurden: Die Polizei zählte im vergangenen Jahr 367 Körperverletzungen und andere Rohheitsdelikte (Vorjahr 233). Polizeichef Falk nennt diesen Zuwachs „besorgniserregend“. Eine Verdopplung weisen die Ladendiebstähle auf – von 147 auf 319 Fälle. Die Zahlen von räuberischer Erpressung und Raub liegen mit 21 Fällen sieben Mal so hoch als 2015.

Diese Zunahmen sind, so der Polizeipräsident, eindeutig auf die Erstaufnahmestelle zurückzuführen. Die Polizei ermittelte im vergangenen Jahr knapp 950 Tatverdächtige. 426 von ihnen sind Ausländer, 292 Flüchtlinge. Die Statistik schreibt 31 Prozent der Delikte Flüchtlingen zu. Etwa die Hälfte der in Zusammenhang mit Flüchtlingen stehenden Straftaten werde innerhalb der Erstaufnahmestelle verübt.

Der Polizeipräsident machte deutlich, dass es nicht „die straffälligen Flüchtlinge gibt“. Das Gros der Fälle gehe auf das Konto von 30 aus Marokko, Gambia und Eritrea stammenden Männern. Polizeichef Falk erteilte der Forderung nach mehr Präventionsarbeit durch die Polizei eine Absage: „Wertevermittlung ist nicht unser Geschäft.“ Hierfür seien Sozialarbeiter da.

Streetworker ist wieder da

Die für Ausländerrecht zuständige Referatsleiterin im Regierungspräsidium, Sandra Brendler, sagte, dass die Zahl der Sozialberater in der LEA auf 10,5 Stellen aufgestockt worden sei. Auch die Stelle des Streetworker sei seit einer Woche wieder besetzt.

Um die Sicherheit auf dem ehemaligen Kasernengelände zu erhöhen, habe das Regierungspräsidium verschiedene Maßnahmen ergriffen: So sind zusätzlich pro Schicht fünf Sicherheitsleute im Einsatz (tags 29, nachts 25 Kräfte). Das Verbot von Glasbehältern werde konsequent kontrolliert. Für 450000 Euro werde eine Videoüberwachung installiert. Seit der Verlegung von drei Rädelsführern der Marokkaner-Gruppe sei es deutlich ruhiger geworden. „Wir reden Tacheles mit auffälligen Flüchtlingen und versuchen sie sinnvoll zu beschäftigen“, sagte Brendler.

Weitere Zahlen zur Kriminalitätsstatistik und eine Schilderung der Debatte im Gemeinderat lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe.

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