Bei der Hauptversammlung überreichten Kreisjägermeister Hans-Jürgen Klaiber und Hundeobmann Franz-Peter Froitzheim (von links)
Bei der Hauptversammlung überreichten Kreisjägermeister Hans-Jürgen Klaiber und Hundeobmann Franz-Peter Froitzheim (von links) den Hundeführern die Urkunden für das erfolgreiche Ablegen der erweiterten Gebrauchshundeprüfung. (Foto: Susanne Grimm)
Schwäbische Zeitung
Susanne Grimm

In der mehr als vierstündigen Hauptversammlung der Kreisjägervereinigung ist eine große Bandbreite an Themen bearbeitet worden. Allen voran die Verhinderung der Ausbreitung der in Osteuropa grassierenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf hiesige Schwarzwild- und Hausschweinbestände.

Dabei machte Kreisjägermeister Hans-Jürgen Klaiber sowohl die Standpunkte des Deutschen Jagdverbandes deutlich als auch die des Landesjagdverbandes. Die Verbände sind sich einig, dass eine stärkere Bejagung von Wildschweinen wie vom Landwirtschaftsministerium vorgeschlagen, eine Einschleppung der für den Menschen ungefährlichen Erkrankung nicht verhindert. „Die Bejagung von Schwarzwild und auch die Erhöhung der Intensität hat keinen Einfluss darauf, ob die Seuche bei uns ausbricht oder nicht“, sagte Klaiber. Risikofaktor dafür sei einzig und allein der Mensch, weswegen zur Prävention unter anderem gehöre, alle Parkplätze entlang der Lastwagen-Routen mit genügend Mülleimern und Hinweisschildern in mehreren Sprachen auszustatten, wonach keine Lebensmittel in die Landschaft geworfen werden dürfen.

Zuvor hatte Dr. Klaus Bissinger vom Landratsamt Sigmaringen ein ausführliches Referat zu der Krankheit und deren Verbreitungswegen vorgetragen. Das für den Menschen ungefährliche Virus ist sehr widerstandsfähig und kann beispielsweise im Muskelfleisch bei etwa vier Grad Celsius 150 Tage, im Parmaschinken sogar bis zu 400 Tage überleben und ansteckungsfähig sein. Für Schweine bedeutet die Infektion in 90 Prozent aller Fälle einen qualvollen Tod, eine Behandlung gibt es nicht. Die Übertragung vom Wild- auf das Hausschwein kann durch Jäger, Treiber, Waldarbeiter bei Kontakt mit Landwirten beispielsweise über Kleider, Schuhe, Transportbehälter, Gerätschaften, aber auch über Autos, Transporter und anderes erfolgen. Hygiene sei oberstes Gebot, sowohl im Schweinestall als auch im Wald beim Umgang mit toten Tieren.

Sorgen um den Schweinemarkt

Warum die vorbeugenden Maßnahmen so wichtig sind, verdeutlichte Landrätin Stefanie Bürkle: „Der Schweinemarkt wird landesweit zusammenbrechen.“ Die betroffenen Bestände müssen gekeult werden, in weitreichenden Schutzzonen darf weder etwas ein- noch ausgeführt werden, von der künftig wohl nicht steigenden Lust der Verbraucher auf Schweinefleisch mal ganz abgesehen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger stellte den Zwölf-Punkte-Plan des Ministeriums vor, der unter anderem Regelungen zur Jagdintensivierung vorsieht. Die Jagdstatistik der Jahre 2016/17 zeigte aber eine rückläufige Strecke bei Schwarzwild auf, „obwohl wir hinter jeder Sau her sind“, so Klaiber. Laut Plan sollen die Wildschweinbestände um 70 Prozent reduziert werden, wie die Grünen-Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden sagte. Das halten die Jäger für undurchführbar. Bogner-Unden, die die Jäger als „unverzichtbare Biotopschützer“ bezeichnete, sei durchaus zugänglich für ein würziges Wildschweingulasch oder einen zarten Rehrücken. Klaiber gab ihr Recht und erklärte den Anwesenden augenzwinkernd, dass das Wort „Veganer“ aus dem Indianischen komme und „schlechter Jäger“ bedeute. Um mehr Schwarzkittel zu erlegen, müssten neue Strategien angewandt werden, denn die Tiere lernen schnell und gehen bekannten Gefahren gezielt aus dem Weg. Außerdem sollten, um den Bestand tatsächlich zu minimieren, nicht nur Frischlinge, sondern auch Alttiere geschossen werden. Für die 70 bis 90 Kilogramm wiegenden Tiere gebe es jedoch keinen Absatzmarkt, „deshalb wünschen wir uns bei der Vermarktung Unterstützung von der Politik“.

Im von Burger vorgestellten Zwölf-Punkte-Plan sind auch die Zulassung von künstlichen Lichtquellen und Nachtsichtgeräte bei der Jagd aufgeführt. Zu diesem Thema hatte die Sachgebietsleiterin des Landratsamts, Nina Grimaldi, einiges zu sagen. So sollen nur Nacht-sichtgeräte ohne Verbindung zur Waffe erlaubt sein. Das heißt, zwischen Sichtgerät und Zielfernrohr einen Adapter anzubringen, ist verboten – was die nächtliche Jagd auf Sauen nicht wirklich einfacher macht.

Bezirksjägermeister Peter Lutz und Ehrenkreisjägermeister Heinz Schellhammer gaben den Politikern mit auf den Weg, über die Abschaffung der Hundesteuer für Jagdhunde nachzudenken: „Wir betreiben nicht nur Seuchenschutz im Namen des Staates, wir bergen und entsorgen pro Jahr rund 1000 Stück überfahrenes Wild von der Straße.“ Da dürfe es nur recht und billig sein, Jagdhunde steuerfrei halten zu dürfen.

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