Initiative pachtet einen Hektar Land

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Kinder wieder an die Landwirtschaft heranführen, auch das ist das Ziel der solidarischen Landwirtschaft. Die Initiative hat sich vor dem zukünftigen Acker am Böhler-Hof versammelt (von links): Albrecht Böhler, Gregor Grabowski (die Kinder Wanda und Felix) und Silvie Marks freuen sich auf den Start. (Foto: Rüdiger Sinn)
Schwäbische Zeitung

Nun ist es klar: Es wird ab dem nächsten Jahr eine solidarische Landwirtschaft in Sigmaringen geben. Nachdem sich eine Interessengruppe in den vergangenen sechs Monaten regelmäßig traf, um sich über die Philosophie und die Möglichkeiten dieser solidarischen Wirtschaftsweise auseinanderzusetzen, konnte im Herbst mit dem Böhler-Hof an der Alten Jungnauer Straße ein landwirtschaftlicher Betrieb gefunden werden, der der Initiative rund ein Hektar Land verpachtet. Der von Albrecht und Silke Böhler im Nebenerwerb geführte Hof wird neben dem Acker auch einen Abholraum zur Verfügung stellen. Hier soll das geerntete Gemüse zum einen gelagert, zum anderen zur Abholung bereitgestellt werden.

Bei der solidarischen Landwirtschaft heißen die Beteiligten Prosumenten, ein Kunstwort aus Produzent und Konsument, denn „schließlich gibt es auch Ernteeinsätze“, erläutert Silvie Marks von der Solawi-Interessengruppe. Einen detaillierten Anbauplan 2020 gibt es für den Acker noch nicht, allerdings werden laut Marks auf jeden Fall im nächsten Jahr – nachdem der Acker umgebrochen, also das Grünland umgepflügt wurde – Kartoffeln angebaut. „Uns war es wichtig im Jahr 2020 zu starten, auch um die Idee in die Welt zu bringen“, sagt Silvie Marks. Zu den Kartoffeln sollen noch weitere Kulturen kommen: Karotten, Rote Bete, Zwiebeln und Salat sind im Gespräch, Zucchini und Kürbis ebenfalls. Kulturen also, die nicht so arbeitsintensiv sind. Noch offen ist, ob ein Gärtner gefunden wird. „Wir haben eine Ausschreibung laufen auf verschiedenen Portalen, zum Beispiel beim Demeter- und Biolandverband“, sagt Silvie Marks.

Derzeit gibt es rund 250 Initiativen in Deutschland, die nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft arbeiten und Lebensmittel aus biologischem Anbau produzieren. Dabei wird von einer gewissen Anzahl Menschen ein monatlich fixer Betrag bezahlt. Damit werden unter anderem Maschinen, Pacht, Saatgut und die Arbeitskräfte bezahlt. Das solidarische Prinzip kommt dadurch zum Tragen, dass Gärtner mit einem fixen Monatslohn rechnen können, unabhängig von der Menge der Ernte. „Wir teilen uns die Ernte, das ist das einfache Prinzip der Idee“, sagt Gregor Grabowski, einer der Initiatoren. „Wenn es im Sommer eine Salatschwemme gibt, bleibt der Bauer nicht auf den Überschüssen sitzen, wenn der Kartoffelkäfer als Schädling Ernteeinbußen zur Folge hat, dann wird auch die Missernte solidarisiert“, erklärt Grabowski, der sich auch auf die Ernteeinsätze mit seinen Kindern freut.

Inzwischen gibt es auch in der Region drei Initiativen. Nachbar-Solawis sind in Rosenfeld, in Bad Waldsee und in Ravensburg. Hier konnte sich die Gruppe im Sommer einen Eindruck verschaffen. „Wir waren fasziniert, zum einen von der Professionalität und zum anderen aber von der Leidenschaft mit der hier gearbeitet wird“, sagt Albrecht Böhler, der von der alternativen Anbau- und Wirtschaftsweise überzeugt ist. „Die konventionelle Landwirtschaft führt uns in eine Sackgasse“, sagt Böhler, der seine Äcker auf biologische Bewirtschaftung umgestellt hat und bei der Solawi Sigmaringen unterstützend tätig wird.

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