In rund 100 Jahren verschwindet ein Großteil der Bauernhöfe

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Mechthilde, Alfons und Leokadia Holdenried (v.l.) bei der Heuernte um 1935.
Mechthilde, Alfons und Leokadia Holdenried (v.l.) bei der Heuernte um 1935.
Schwäbische Zeitung

Mit der Wirtschaft in Laiz befasst sich der dritte Teil der Serie zum Laizer Heimatbuch. Wie stark sich die Verhältnisse in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben, belegen zwei Zahlen: Gab es 1910 noch 102 Bauernhöfe, so waren es im Jahr 2009 gerade noch zehn.

Von unserem Redakteur  Christoph Wartenberg

Durch die in der Region praktizierte Realteilung im Erbschaftsfall ist über Generationen hinweg die zu bewirtschaftende Fläche der einzelnen Höfe immer kleiner geworden. Der Prozess kehrt sich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch den Rückgang der Landwirtschaft und die zunehmende Mechanisierung um. Heute wird die gleiche Fläche wie 1910 von nur noch zehn Prozent der Betriebe bearbeitet. Die Laizer Bevölkerung arbeitet heute mehrheitlich in Industrie, Gewerbe und Dienstleistung. Schon in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts sorgen immer mehr Landwirte für ein zweites Standbein für ihr Einkommen.

Neben dem Getreideanbau – an erster Stelle Dinkel – werden auch Hülsenfüchte, Kartoffeln und viel Flachs angebaut, der zu Textilien, Viehfutter und Öl verarbeitet wird. Rudolf Stehle erregt 1912 Aufsehen, als er eine Mähmaschine anschafft, ansonsten wird von Hand gearbeitet. Erst in den 50er-Jahren beginnt das Zeitalter der Traktoren und Maschinen. Die Milchviehhaltung spielt neben dem Getreideanbau eine wichtige Rolle. Über Jahrzehnte versorgen die Laizer Sigmaringen mit Frischmilch.

Von Bedeutung für das Laizer Wirtschaftsleben sind über Jahrhunderte hinweg auch verschiedene Mühlen. So gibt es neben der Getreidemühle auch eine Öl- und eine Sägemühle. Außer den üblichen Handwerken entstehen in Laiz als erste Industriebetriebe eine Seidenspinnerei und später andere Werke der Textilindustrie. 1887 gründet Franz Eisele die gleichnamige Pumpenfabrik. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entstehen die Firmen Schaefer, Gühring und Kaut.

Laiz verfügt während langer Jahre über eine vielfältige Gastronomie. Nachdem der Adler-Wirt sein Brauwesen an die Löwenbrauerei übergeben hat, gibt es immer noch drei Brauereien im Ort: Löwen, Hasen und Lamm. Außerdem gibt es diverse Wirtschaften, von denen einige noch heute bestehen, so zum Beispiel der Hasen.

Ein besonderes Augenmerk verdient die Geschichte der Garnison Laiz. Nachdem es bereits einen Militärübungsplatz gegeben hatte, entsteht 1939 bis 41 die Kaserne Nonnenhof. Aus Gründen der Geheimhaltung wird vom Bau eines Hühnerhofs gesprochen. Hier ist eine Außenstelle des Militärgeheimdienstes unter Admiral Wilhelm Canaris, von der aus der Funkverkehr mit den Agenten im Ausland aufrechterhalten wird. 1948 zieht hier die französische Garnison ein und 1958 kommen die ersten Rekruten der Bundeswehr. Inzwischen ist hier das „Grüne Zentrum“ des Landkreises untergebracht.

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