Immer mehr Kunden greifen zur Papiertüte

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Mandy Streich

In Sigmaringen gibt es in immer mehr Geschäften zunehmend Papier- oder Stofftaschen und keine herkömmlichen Plastiktüten mehr, um den Einkauf zu verpacken. Nicht nur die Denkweise der Einzelhändler hat sich verändert, sondern auch die Verbraucher achten bewusster auf dieses Thema.

Plastiktüten brauchen um vollständig zu verfallen bis zu 500 Jahre. Sie vermüllen zusammen mit anderen Plastikabfällen die Meere und schaden daraufhin auch den Meerestieren. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Bundesregierung hervor. Nach einer EU-Richtlinie soll der Verbrauch von Plastiktüten in einem ersten Schritt bis zum 31. Dezember 2019 auf 90 und in einem zweiten Schritt bis Ende 2025 auf 40 Tüten pro Einwohner und Jahr reduziert werden. Ein vollständiges Verbot von Plastiktüten steht in Deutschland im Gegensatz zu beispielsweise Kenia nicht bevor, wie die Verbraucherzentrale auf ihrer Internetseite mitteilt.

Yvonne Schäfer vom Schuhaus Schäfer in Sigmaringen hat bereits von sich aus auf Stoff- und Papiertaschen umgestellt. Den Restbestand der bisherigen Plastiktüten gebe es immer noch. „Tüten ist aktuell jedoch nur sehr schwer an den Mann zu bringen“, sagt sie. Inzwischen würden rund 70 Prozent ihrer Kunden eine Stoff- oder Papiertasche mitnehmen. „Trotzdem gibt es in vielen Läden immer noch zu viele Plastiktüten und das viel zu billig“, sagte sie.

Beim Papier- und Spielwaren Ziegler direkt neben dem C&A bekommen die Kunden nur noch Papiertüten bei ihrem Einkauf. Auch hier gibt es noch Plastiktüten, die aber nur zu bestimmten Situationen herausgegeben werden. „Wenn das Wetter, wie bei dem Schneesturm letztens, echt schlecht ist, waren die Kunden dann mit einer Plastiktüte doch froh, wenn die Tüte nicht sofort durchnässt und das gerade gekaufte Stofftier deshalb nass wird“, sagt Inhaberin Judith Bräsicke. „Ich finde es einfach nur wichtig, dass die Kunden mit einer Gebühr für die Taschen überhaupt dazu aufgefordert werden, ihre eigenen Taschen mitzubringen. Bei uns haben die Kunden eigentlich meist selbst eine Tasche dabei – also 50 Prozent auf jeden Fall.“

Ein Geschäft gibt noch komplett Plastiktüten aus

Als einziges Geschäft der von der „Schwäbischen Zeitung“ befragten Einzelhändler verpackt Trendy seine Ware noch komplett in Plastiktüten, jedoch auch nur gegen eine Gebühr. Große Plastiktüten kosten 20 Cent, mittlere 15 Cent und kleine 10 Cent. Seit die Tüten eine bestimmte Gebühr kosten, wurden laut Mitarbeiterin Sibille Binder weniger Tüten mitgenomnmen. „Viele Kunden haben dann plötzlich doch eine Tasche oder Tüte dabei, wenn sie erfahren, dass die Tüte etwas kostet“, sagt sie.

Im Modehaus Hofmann gibt es beides: sowohl Plastik- als auch Papiertüten. „Wir haben noch 1000 Plastiktüten, die geben wir raus, wenn das Wetter schlecht ist“, sagt Inhaber Wolfgang Hofmann. Die Mehrzahl der Kunden lehne die Plastiktüte jedoch ab. Deshalb warten im Keller des Modehauses bereits 30 000 Papiertüten auf ihre Verwendung. Hofmann weist drauf hin, dass die Plastiktüte umweltfreundlicher sei: Erstens könne sie mit weniger Energieaufwand hergestellt werden, zweitens würde sie je nach Material bereits nach zwei Jahren verrotten.

In der Boutique Liebelei in Sigmaringen gibt es laut Mitarbeiterin Iris Stüber schon ewig keine Plastiktüten für die Kunden mehr. Lediglich die Kleidungsstücke seien noch immer in Plastikfolie eingewickelt. „Unsere Kunden schätzen das hochwertige Material der Kleidung und kommen auch oft mit eigenen Taschen. Sonst gibt es bei uns Papiertaschen mit Partnerfirmenlogos oder mit unseren eigenen“, sagt Iris Stüber. „Ich hoffe wirklich noch, dass ein genaueres Nachdenken über unsere Umwelt noch passieren wird.“

Bei den Kunden des Haus Nummer 29 geht es sogar soweit, dass Kunden ihre Taschen teilweise sogar wieder zurück bringen, obwohl sie für die Papiertaschen sowie auch für die Filztaschen bei höheren Beträgen nichts bezahlen müssen. „Mich freut es auf jeden Fall immer, wenn die Kunden der Umwelt zuliebe ihre eigene Tasche dabei haben“, sagt Klaus Engel, Inhaber des Haus 29. „Ich finde es jedoch wirklich schlimm, wenn jedes Teil, das bei mir im Laden liegt, in einer extra Plastiktüte angeliefert wird. Aber das ist leider so und da müsste sich dann der Hersteller darum kümmern“, sagt er.

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