Matthias Dannegger ist ehrenamtlicher Richter und Schöffe an zwei Gerichten und hat dabei schon allerhand erlebt.
Matthias Dannegger ist ehrenamtlicher Richter und Schöffe an zwei Gerichten und hat dabei schon allerhand erlebt. (Foto: Anna-Lena Buchmaier)
Schwäbische Zeitung

Matthias Dannegger ist im Ehrenamt zu Hause: Neben seinen Tätigkeiten als Gemeinderat und Mitglied der Feuerwehr ist er auch als Schöffe am Landgericht Hechingen und ehrenamtlicher Richter am Sigmaringer Verwaltungsgericht tätig. Gelernter Jurist ist Dannegger nicht – das ist sogar gut so. Denn das Ziel des Schöffenamtes, also der Beteiligung des Volkes an der Strafjustiz, ist es, die Rechtsprechung insgesamt zu verbessern. „Wir bringen unseren gesunden Menschenverstand ein, ohne mit den Paragraphen vertraut zu sein“, fasst Dannegger seine Arbeit zusammen. Am Montag, 16. April, endet die Bewerbungsfrist, bis zu der sich interessierte Bürger für die neue, fünfjährige Periode im Schöffenamt bewerben können. Matthias Dannegger hat seine Bewerbung bereits abgeschickt.

Seit 2009 ist Dannegger Schöffe, er hat sich nun für seine dritte Legislaturperiode beworben. Damals wurde er von seiner Gemeinderatsfraktion, den Freien Wählern, als ehrenamtlicher Richter für das Verwaltungsgericht vorgeschlagen, denn Bedarf an Ehrenamtlichen gab und gibt es immer. So keimte in dem Sigmaringer das Interesse am Schöffenamt am Landgericht auf. „Ich hatte mich beworben – und wurde genommen.“ Am Verwaltungsgericht hat er etwa zwei bis drei Einsätze pro Jahr, am Landgericht sind es durchschnittlich zwölf – nicht immer ist es mit einem Verhandlungstag getan. Die Liste mit den Verhandlungstagen erhält er am Anfang jeden Jahres. Manchmal wird er als „Notfallschöffe“ auch kurzfristig vom Verwaltungsgericht einberufen. So habe es im vergangenen Jahr einen Anruf gegeben, nachdem die eingeteilten Schöffen im Schneesturm auf dem Hinweg stecken geblieben waren. „Da bin ich dann sofort losgefahren“, berichtet das Sigmaringer Gemeinderatsmitglied. Das Ehrenamt bringe auch Pflichten mit sich: „Wenn ich unentschuldigt fehle, muss ich mit einer Geldstrafe rechnen“, sagt Dannegger. Sich innerhalb der laufenden Periode aus dem Amt zurückzuziehen, sei nur unter gewissen Umständen möglich, nicht aber, weil man etwa keine Lust mehr hätte. „Das ist verbindlich und man muss sich schon überlegen, ob man das will, bevor man zusagt.“

Dafür erhält man als Schöffe auch Einblicke in die Rechtsordnung, die anderen Bürgern verborgen bleiben, und wirkt an der Festlegung des Strafmaßes eines zu Verurteilenden mit. Meist seien sich die Schöffen und der oder die hauptamtlichen Richter schnell einig, was die Strafbemessung angehe. „Ich bin mir bewusst, dass ich dadurch einen Menschen verurteile“, sagt Dannegger, der seine Aufgabe mit Bedacht und Respekt ausführt. Seine Gefühle darf er sich bei der Verhandlung nicht anmerken lassen. „Wir sollen uns neutral verhalten.“

Menschliche Abgründe

„Im Vorfeld erhalte ich nur eine Sitzungsvorlage mit dem Namen des Angeklagten – um Befangenheit auszuschließen“, so Dannegger. Ein Stichwort zum Tatvorwurf steht auch dabei. „Darunter kann man sich aber meist nicht viel vorstellen, außer, es handelt sich etwa um Mord.“ Manche Fälle seien schwer zu verdauen – Familiendramen, gescheiterte Existenzen, menschliche Abgründe – rohe Gewalt. „Man muss wissen, dass es so etwas auch gibt.“ Manchmal gebe es Fotos zu den Taten, die den Richtern vorgelegt würden, um den Tathergang beurteilen zu können. Zart besaitet dürfe man da nicht sein. „Ich bin froh, dass das Landgericht in Hechingen angesiedelt ist und ich die Heimfahrt nach Sigmaringen über Zeit habe, um abschalten zu können“, sagt der 47-Jährige.

„Am Anfang war es sehr aufregend, mit den Jahren erhält man eine gewisse Routine“, sagt Dannegger, der Schöffe ist, „nicht um Richter zu spielen“, sondern weil es eben jemand machen müsse. Der 47-Jährige ist mit dem deutschen Rechtssystem zufrieden, „auch wenn es nach außen hin vielleicht schwerfällig wirkt“.

An seinen ersten Fall erinnert sich Matthias Dannegger noch genau, der Angeklagte stammte aus dem Rockermillieu und drohte zum Abschluss der Verhandlung: „Wir kennen die Adressen der ganzen Richterbank.“ Bei der Heimfahrt sei ihm die Gang sogar kurze Zeit gefolgt, um ihn einzuschüchtern. Der Fall sei ihm eine Weile nachgegangen. „Meine Kinder waren damals noch klein“, sagte Dannegger. Vorgefallen sei nie etwas.

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