Im Gutensteiner Schloss soll es spuken

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Vom Schloss Gutenstein aus gibt es einen tollen Ausblick Richtung Donautal.
Vom Schloss Gutenstein aus gibt es einen tollen Ausblick Richtung Donautal. (Foto: Anna-Lena Buchmaier)

Ein Video von der Veranstaltung und eine Bildergalerie gibt es online auf

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Einheimische kennen das Schloss Gutenstein, das mutmaßlich Anfang des 17. Jahrhunderts in majestätischer Lage auf dem Felsen über der Donau gebaut wurde, doch nur wenige haben das Kleinod von innen gesehen. Für die Aktion „Schwäbische Türöffner“ haben sich nun für 18 Leute exklusiv die Türen des Schlosses Gutenstein geöffnet.

Annette und Oliver Zinn haben das Schlösschen 2005 gekauft und vieles in Eigeninitiative saniert. Auch die angrenzende Remise, ein Verwaltungsgebäude in dem früher Kutschen und später eine Schreinerei untergebracht waren, hat das Paar mit Liebe zum Detail und unter Berücksichtigung der originalen Bausubstanz aufwendig saniert – das Gebäude kann für private Feiern wie Geburtstage oder Hochzeiten gemietet werden, auch das als kleine Ferienwohnung umgebaute Nebengebäude kann man buchen. Umgeben sind die Gebäude von einem tadellos gepflegten, opulenten Schlossgarten mit Obstbäumen, Hortensien und viel Wiese und verschlungenen Wegen. Von der Mauer des Grundstücks kann man zig Meter in die Tiefe ins Donautal blicken. „Wir kommen aus dem Raum Reutlingen und haben nach einem alten Gebäude mit viel Platz gesucht“, berichtet Annette Zinn. Gefunden haben sie das Traumobjekt im Sigmaringer Teilort. Mit dem Anwesen sind die Zinns gut ausgelastet. „Weitere Hobbys brauche ich nicht“, sagt die Schlossherrin lachend. „War es schwierig, das Haus zu bekommen?“, fragt ein Besucher. „Nein, im Gegenteil. Der Vorbesitzer hat die Immobilie kaum verkauft bekommen“, sagt Oliver Zinn.

Über die Geschichte des Anwesens ist im Internet wenig zu erfahren. Umso besser, dass das Ehepaar Zinn gewissermaßen einen Zeitzeugen für die Führung gewinnen konnte. Otto Rieger ist 1948 im Schloss Gutenstein geboren. „Damals wurde es als Mehrfamilienhaus vermietet, wir haben im Erdgeschoss gewohnt“, erklärt er den Besuchern. Er sei von Mitschülern früher deswegen „Schloss-Otto“ genannt worden.

Ein Balken aus dem Haus stammt aus dem Jahr 1603. Ob dies auch das Baujahr des Gebäudes ist, ist unklar. 150 Jahre lang war das Schloss im Besitz der Meßkircher Grafen von Zimmern, dann sei das Schloss zurück an die Habsburger gefallen. Das Schloss wechselte einige Male den Besitzer, so war laut Rieger ein Vogt in Besitz des Schlosses, der die Herrschaft Gutenstein mit Engelswies, Altheim, Ablach und Gutenstein verwaltete, es dann aber dem Reichsgraf Franz Ludwig von Castell schenkte (zwischen 1655 und 1834), der ein Gefängnis in Oberdischingen betrieb und deshalb „Malefizschenk“ genannt wurde. In dieser Zeit wurde das Schloss wohl auch aus- oder neugebaut. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Schloss Gutenstein an das Reichsstift Salem verpfändet. 1834 verkaufte Ludwig Anton Graf Schenk von Castell zu Gutenstein den Besitz an Graf Ludwig von Langenstein, Großherzog von Baden. „Er wollte seine bürgerliche Frau, Katharina Werner, adelig machen und kaufte deshalb die Herrschaft“, sagt Rieger. Später erbte die gemeinsame Tochter das Anwesen, die dann den Grafen von Douglas heiratete. 1872 ging das Erbe in den Besitz des Grafen über.

Im Schloss wurde schließlich eine Wohnung für den Förster etabliert. „Wir konnten dort als Mieter machen, was wir wollten“, berichtet Rieger. Einmal im Jahr ließ sich der Graf zur Treibjagd im Schloss blicken. Bei einer dieser Treffen habe er Riegers Großmutter beim Schnupfnudeln-Kochen angetroffen und dabei völlig die Zeit vergessen. „In der Zwischenzeit hat ihn die ganze Jagdgesellschaft im Wald gesucht“, sagt Otto Rieger lachend. 1978 wurde das Schloss an Manfred Klietmann verkauft, der als Schreiner, Berufsschullehrer und Architekt arbeitete. Er hielt Pferde, Pfauen, Katzen und Hunde auf dem Gelände.

Für die Besucher ging es zunächst in die große Wohnküche, in der auch früher gekocht, aber auch geschlafen wurde. Vieles im Schloss, wie ein alter Kachelofen, manche Bodenbeläge oder Einrichtungsgegenstände stammen noch von früher. Die angrenze Wohnstube mit Blick auf die steilen Felsen des Donautals nutzen die Zinns nur für Familienfeste. „Hier hat früher mein Bett gestanden“, sagt Otto Rieger in der Stube. „Im Winter haben wir es von der Wand weggezogen, wegen des Raureifs.“ Heute gibt es natürlich Heizungen im Schloss. Und zum Glück auch kein Plumpsklo mehr.

Auf dem Anwesen steht, versteckt hinterm Haus, ein Türmchen. „Das diente ganz früher als Gefängnis“, sagt Rieger. Angeblich mussten sich Gefangene auf einen Balken setzen. Der Boden des Türmchens war durchlässig und führte wohl bis zur Donau in die Tiefe. „Irgendwann waren sie so ausgehungert, dass sie hinuntergefallen sind“, sagt Rieger. „Das nimmt dem Türmchen natürlich etwas den Charme“, ergänzt Annette Zinn. Belegt sei diese Geschichte aber nicht. Der Legende nach soll es auch noch einen Schlossschatz geben. Doch den haben die Zinns noch nicht aufgespürt.

Auch unter der Kategorie geheimnisvoll zu verbuchen: „Im Schloss soll es spuken“, sagt Rieger verheißungsvoll. Beim Gespenst handelt es sich um eine außergewöhnliche Erscheinung: Ein weißes Schaf mit langen, spitzen Zähnen. „Manche Leute haben das geglaubt“, erinnert sich Rieger. So habe sich eine Nachbarin niemals in den Keller getraut, aus Angst vor dem Schaf. Er selbst habe in den 24 Jahren, die seine Familie im Schloss wohnte, die mysteriöse Erscheinung nie zu Gesicht bekommen. Aber Annette Zinn ergänzt schmunzelnd: „Unsere Töchter behaupten, sie hätten es schon mal gesehen.“

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