Hospiz-Förderverein nimmt Arbeit auf

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 Der Vorstand des neuen Vereins (hinten von links): Landrätin Stefanie Bürkle, Landrat Günther-Martin Pauli, Beisitzer Helmut St
Der Vorstand des neuen Vereins (hinten von links): Landrätin Stefanie Bürkle, Landrat Günther-Martin Pauli, Beisitzer Helmut Stiegler, Meßstettens Bürgermeister, Beisitzer Frank Schroft und Schriftführer Daniel Weiß. Untere Reihe (von links): Vizevorsitzender Klaus Burger, Beisitzerin Karin Fischer, Sophie Schwörer, Vorsitzender Georg Link, Sozialdezernent Landratsamt Balingen, Schatzmeister Willi Römpp aus Heudorf-Scheer, Beisitzerin Ulrike Erath und Beisitzer Eduard Maass. (Foto: Susanne Grimm)
sgr

Der Förderverein „Hospiz Johannes“ ist am Montagabend im Landratsamt Sigmaringen gegründet worden. Rund 60 Personen aus kirchlichen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereichen haben die Gründungsversammlung begleitet und aus ihren Reihen einen Vorstand gewählt. Wie berichtet, wird das Hospiz mit zehn Plätzen in Sigmaringen bei der Kirche St. Fidelis errichtet. Der Bau soll im kommenden Jahr beginnen. Er wird aus dem Nachlass des verstorbenen Politikers Hermann Schwörer finanziert.

An der Vereinsspitze steht Georg Link, Sozial- und Rechtsdezernent des Zollernalbkreises. Der 46-jährige Familienvater aus Balingen-Ostdorf wurde, wie auch alle anderen Mitglieder des Vorstands, einstimmig gewählt. Als stellvertretender Vorsitzender fungiert der Sigmaringer Landtagsabgeordnete Klaus Burger, der, wie er sagte, zwei Jahre lang mit der Vermögensstifterin Sophie Schwörer unterwegs war, um ein geeignetes Grundstück für den Bau des Hospizes zu finden. Für die Finanzen in dem neuen Verein ist Willi Römpp, der frühere Geschäftsführer des Krankenhauses, zuständig.

Daniel Weiß, 36 Jahre, Diplom-Verwaltungswirt des Landratsamts Balingen, komplettierte die Vorstandschaft mit der Übernahme des Schriftführerpostens. Mit Frank Schroft, Bürgermeister aus Meßstetten, Helmut Stiegler, Arzt aus Sigmaringen, Ulrike Erath, Vertreterin des katholischen Dekanats Balingen, Eduard Maass aus Balingen, seit 24 Jahren in der Hospizarbeit tätig, sowie Karin Fischer, evangelische Prädikantin aus Meßkirch und Leiterin der dortigen Hospizgruppe, bekam das Führungsquartett fünf weitere Vorstandsmitglieder an die Seite gestellt.

Hospizarbeit brauche ein großes, dicht gewebtes Netzwerk, sagte Eduard Maass und befand, dass die nun gewählte neunköpfige Leitungsequipe des Fördervereins „Hospiz Johannes“ über genügend Schlagkraft und Kontakte verfüge, um die für den Betrieb des Hospizes fehlenden rund 180 000 Euro zusammenzubekommen. Diese Summe hatte Annette Köpfler, Altenhilfeleiterin der St.-Elisabeth-Stiftung, zuvor in ihrer Präsentation deutlich gemacht. In dieser hatte sie die Prinzipien der Hospizarbeit der St. Elisabeth-Stiftung, die künftig auch die Leitung des Hospiz‘ Johannes übernehmen wird, vorgestellt. Danach würden die Krankenkassen nur 95 Prozent des Bedarfssatzes für die Betreuung eines „Hospizgastes“ – „wir nennen sie nicht Patienten, sie sind Gäste“ – übernehmen. Der Bedarfssatz liege derzeit bei 441 Euro, finanziert würden aber nur 418,95 Euro. Der Rest müsse durch Spenden aufgebracht werden. In ihren auf Erfahrung der Stiftung fußenden Berechnungen ging Köpfler von etwa 100 Gästen pro Jahr für das neue Sigmaringer Hospiz aus, was zu einem jährlichen Abmangel von den schon genannten 180 000 Euro führen wird. „Wir sind zwingend auf viele Partner zur Abmangelsicherung angewiesen“, sagte die Fachfrau.

Um möglichst viele Einzelpersonen als Mitglieder zu gewinnen, setzte die Versammlung einen Jahresmitgliedsbeitrag von 36 Euro fest, für juristische Personen liegt der Satz bei 120 Euro. Da die Mitgliedsbeiträge nicht reichen werden, die finanzielle Lücke zu füllen, lautete der erste Auftrag an den neuen Verein, möglichst viele Sponsoren zu akquirieren.

Kriterien und Standards im künftigen Hospiz Johannes sind unter anderem: Bei Aufnahme muss eine fortschreitende Erkrankung ohne Aussicht auf Heilung vorliegen. Den Gästen soll ein würdiges und möglichst selbstbestimmtes Leben mit zum Tod ermöglicht werden. Das Hospiz stehe allen Menschen, unabhängig von Glaube, Hautfarbe, Sprache und Geschlecht, offen. Auch die Begleitung der Angehörigen steht auf der Agenda und eine Ethikkommission bietet Unterstützung für Mitarbeiter, Angehörige und Hospizgäste.

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