Gutenstein bekommt ein Milchhäusle

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Die Kuh heißt Isabella und ist der Blickfang: In Gutensteins Ortsmitte eröffnet nächste Woche das Milchhäusle von Urban Strobel.
Die Kuh heißt Isabella und ist der Blickfang: In Gutensteins Ortsmitte eröffnet nächste Woche das Milchhäusle von Urban Strobel. (Foto: Fotos: Michael Hescheler)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Gutenstein bekommt ein Lädele, das rund um die Uhr geöffnet hat. Mitten in der Ortschaft an der Kreuzung Hohenberg-/Burgfeldenstraße eröffnet die Familie Strobel ihren Dorfladen. Bedient wird der Kunde an Automaten, wo es Milch und Kartoffeln aus eigener Erzeugung sowie Eier, Wurstwaren und Apfelsaft gibt. Eröffnung mit einem Fest ist am Dienstag, 3. Oktober, zwischen 11 und 16 Uhr.

Eigentlich gehört der landwirtschaftliche Betrieb der Familie ins Museum, denn er ist eine Rarität, die es in Zeiten von Industrialisierung in der Landwirtschaft eigentlich gar nicht mehr gibt. Der Senior Egon Strobel bringt es auf den Punkt: „Wir sind von der Vielfalt geprägt.“ Ackerbau, Grünland, eigener Wald und dazu 20 Milchkühe und ebenso viele Schweine in der Aufzucht.

Doch das ist längst noch nicht alles: Neben einem Kartoffelacker bewirtschaften die Strobels ein Blumenfeld zum Selberpflücken und – dafür sind sie weit über Gutenstein hinaus bekannt – backen Bauernbrot und brennen Schnaps. „Mein Vater hat immer gerne ein bisschen übertrieben“, sagt der 39-jährige Urban Strobel über den Seniorchef, der heute schon an übermorgen denkt. Wenn er investierte, dann richtig. Als Strobels Mutter Irma sich einen neuen Backofen wünschte, weil sie beim alten Modell in ihrer Küche zum Einschießen der Brote immer auf den Boden liegen musste, kaufte Egon Strobel mehrere Nummern größer ein. Auf einmal konnten darin 30 Kilo Brot gebacken werden. „Wir wollten gar nicht für andere backen“, sagt Urban Strobel. Aber eines abends kam ihm nach der Musikprobe zusammen mit seinem Cousin die Idee.

Seither verkaufen die Strobels immer freitags ihr Bauernbrot – und zwar um die 100 Kilo. Ein zweiter Ofen wurde gebaut und auf Wunsch des Wirtschaftskontrolldiensts ein Verkaufsraum. Noch vor 20 Jahren, als die Strobels mit dem Brotbacken anfingen, wurden mit den Gewinnen aus der Landwirtschaft diese Investitionen finanziert. Heute ist es anders herum. „Der Hof könnte ohne den Hofladen nicht mehr existieren.“

Man kann es sich kaum vorstellen: Nicht nur in Gutenstein ist die Familie Strobel als Erzeuger allein, im gesamten Donautal zwischen Beuron und Laiz gibt es keinen weiteren Milchviehbetrieb. „Das Wort Nachhaltigkeit trifft auf uns zu“, sagt Urban Strobel. Er will nicht größer werden, sondern bei seinen Wurzeln bleiben. Die Felder werden nicht überdüngt und er achtet darauf, dass die Fruchtfolge eingehalten wird.

Andrea Strobel war „der Treiber“

Warum eröffnet er nun das Milchhäusle? „Treiber ist meine Frau Andrea“, sagt er. Den Strobels geht es neben dem Verkauf ihrer Produkte auch darum, dass die Verbraucher nicht den Bezug zur Landwirtschaft verlieren. „Meine Kühe haben Hörner und sind nicht lila“, sagt Urban Strobel. Die Kunden können sich selbst davon überzeugen.

Ursprünglich war lediglich ein Milchautomat geplant. Ein Liter Rohmilch kostet dort ein Euro. Mit der Regio-Box, die Eier, Wurstwaren, Teigwaren, Honig, Apfelsaft und andere Lebensmittel enthält, ist ein weiterer Automat hinzugekommen. Dazu gibt es selbst erzeugte Kartoffeln, am Freitag war die gesamte Familie damit beschäftigt, die neue Ernte zu sortieren und einzulagern. Ins Milchhäusle wurden rund 50 000 Euro investiert. Der Strobelhof ist ein reiner Familienbetrieb. „Mein bester Mitarbeiter ist mein Vater“, sagt Urban über den immerhin schon 78-jährigen Egon. Seine Jungs Maximilian und Marius werden auch eingespannt. Ob der Nachwuchs Interesse hat? „Sie hilft zumindest mit“, sagt Urban Strobel.

Eröffnet wird das Milchhäusle am Tag der deutschen Einheit zwischen 11 und 16 Uhr. Die Feuerwehr bewirtet. Es gibt Dennete und Infostände vom Landwirtschaftsamt und verschiedenen Lieferanten.

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