Gespendete Fahrräder rosten vor sich hin

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Die Fahrräder stehen im Schnee, was ihnen nicht gerade guttut.
Die Fahrräder stehen im Schnee, was ihnen nicht gerade guttut. (Foto: Laura Keiß)
Redakteur Sigmaringen

Jetzt stehen sie unter einer Schneedecke oder im Regen und rosten vor sich hin: die zahlreichen Fahrräder, die in den vergangenen beiden Jahren von der Bevölkerung für die Flüchtlinge gespendet wurden, um deren Mobilität im Stadtgebiet zu erhöhen. Das sorgt nicht nur bei den neuen Eigentümern, sondern auch bei den Spendern für Unmut.

Zu Beginn der großen Flüchtlingswelle 2015 hatte der Sigmaringer Ernst Reichelt die Aktion „Fahrräder für Flüchtlinge“ gestartet. Zusammen mit einem Asylbewerber aus Mazedonien, der sich sehr gut auf die Reparatur von Fahrrädern verstand, setzte er gespendete Räder im Gelben Haus in Laiz instand. Selbst aus einem bloßen Fahrradrahmen setzten die beiden neue Fahrräder aus Einzelteilen zusammen; aber auch ganze, hochwertige Räder wurden gestiftet, wenn die Besitzer beispielsweise auf Elektroräder umgestiegen waren.

 Schlechtes Signal

„Das Problem hat sich schon damals im Gelben Haus gestellt. Es gab keinen Unterstand für die Räder“, erinnert sich Reichelt. Zusammen mit Diakon Werner Knubben hatte man damals geplant, ein Plastikzelt als Unterstand zu errichten. Der Plan wurde aber aus brandschutztechnischen Gründen nicht genehmigt. „Dass da keine Lösung gefunden wurde, ärgert nicht nur die Leute, die sich engagieren, sondern auch die Spender, denn da geht Geld verloren. Das sind ja teilweise noch wertvolle Räder“, sagt Reichelt.

Beim Fürstenhof stellt sich das Problem natürlich auch. Dort nehmen die Bewohner aber die Räder teilweise mit auf die Zimmer oder stellen sie auf ihre kleinen Balkone. Außerdem gibt es eine Garage als weitere Unterstellmöglichkeit. Umso mehr gibt es Unverständnis für die Verhältnisse in der riesigen Kaserne, wo doch eigentlich ausreichend Platz für ein paar Räder sein müsste. Die Caritas teilt auf Anfrage der SZ mit, dass sie mit den Fahrradspenden nicht befasst sei und daher auch keine Auskünfte geben könne. Allerdings sei es natürlich ein schlechtes Signal an künftige Spender, egal um was es sich handelt, wenn mit Spenden schlecht umgegangen werde.

Betreungsgesellschaft hat gewechselt

Der Leiter der Erstaufnahmestelle, Fabian Heilmann, sagt dazu: „Bereits im Herbst wurde in Abstimmung mit dem damaligen Alltagsbetreuer nach einer Möglichkeit gesucht, die dort ,entsorgten’ Fahrräder zu entfernen. Aufgrund des Betreiberwechsels konnte die Maßnahme nicht mehr zum Abschluss gebracht werden. Das Thema wird jedoch schnellstmöglich wieder aufgegriffen.“ An der Hauptpforte befinde sich vor allem kein offizieller Fahrradabstellplatz. Eine Überdachung an dieser Stelle sei nicht geplant.

Die Betreungsgesellschaft EHC (European Homecare) hat kürzlich aufgehört. Nun betreibt die Firma OHS die Flüchtlingsunterkünfte in der Kaserne.

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