„Genie muss nicht immer Wahnsinn sein“

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Schwäbische Zeitung

Josef Henselmann, der bekannte Bildhauer aus Laiz, hat in Sigmaringen viele Spuren hinterlassen, zum Beispiel den Vierjahreszeitenbrunnen in der Fußgängerzone, die Christophorus-Figur an der Donaubrücke in Laiz oder den Ceres-Brunnen vor dem Landratsamt. Jetzt ist eine gewichtige Monografie über Leben und Werk des Laizer Künstlers erschienen.

„Bildhauer Josef Henselmann: 1898 – 1987 – Sein Weg im XX. Jahrhundert“ lautet der Titel des schweren Bandes, der von seinem Neffen Rupert Henselmann herausgegeben wurde. Das Buch ist nach Lebensjahren gegliedert und bietet mit seinen zahlreichen Abbildungen einen breiten Überblick auf das künstlerische Werk von Henselmann. Eingebettet in biografische Daten widmet sich das Buch eingehend den einzelnen Arbeiten, ihrem Entstehungszusammenhang und der Deutung. Für Plastik angemessen, ist es in Schwarz-Weiß gehalten.

In vielen Dokumenten äußern sich auch Zeitgenossen und Wegbegleiter Henselmanns zu dessen Lebens- und Arbeitsumständen. Wichtig für das Verständnis von Henselmanns künstlerischer Auffassung ist die „Rede über den Wert des Unterbewerteten“, die Henselmann am 6. Dezember 1963 als wiedergewählter Präsident der Akademie der Bildenden Künste in München gehalten hat. Diese Rede ist in dem Band im Wortlaut wiedergegeben. „Genie muss nicht Wahnsinn sein! Im Gegenteil, die guten Maler, Bildhauer usw., die ich kennenlernen durfte, , sind im höchsten Sinne gesund und normal und entbehren des Parfüms ‚Genie und Wahnsinn‘“ sagt unter anderem Henselmann markant in dieser Rede.

Wiewohl der gegenständlichen Kunst verpflichtet, hat Henselmann auch immer wieder abstrakte oder ins Abstrakte übergehende Werke geschaffen. Umfänglich dokumentiert sind seine sakralen Werke, die sich wie ein roter Faden durch das Gesamtwerk ziehen und von denen etliche große Anerkennung beim Fachleuten gefunden haben. Sehr gut lässt sich die Entwicklung im Werk von den sehr konventionellen Anfängen zu einer eigenen, konservativen Bildsprache verfolgen.

Überdies enthält das Buch zahlreich Bilder und Episoden aus dem Privatleben Henselmanns, darunter so kuriose Motive wie Josef Henselmann als zauberischer Nikolaus bei seinen Enkeln, aber auch wichtige Lebensabschnitte, wie der Bau des Hauses in Laiz in den 50er Jahren. Schön sind auch Bilder, die Henselmann bei der Arbeit zeigen.

Was der Leser vermisst, ist ein Hinweis auf das Museum, dass in seiner Heimatgemeinde im ehemaligen Siechenhaus liebevoll eingerichtet wurde und das sich für Interessenten als wichtiges Ausflugsziel anbieten würde. Ferner wäre ein Register hilfreich gewesen, denn der chronologischen Aufstellung von Henselmanns Arbeiten fehlt ein Ortsverzeichnis der Standorte zur Orientierung und ein Titelverzeichnis, nach dem man einzelne Werke schnell finden kann.

Info: Kunstverlag Josef Fink, 352 Seiten Kunstdruck mit zahlreichen schwarz-weißen Abbildungen, 29.80 Euro

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