General Bentler: „Ulmer Kommando hat eine gute Zukunft“

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Generalleutnant Markus Bentler ist in den Ruhestand verabschiedet worden. Von 2006 bis 2009 wirkte (Foto: Steffi Loos)
Schwäbische Zeitung

Ohne den persönlichen Einsatz von Generalleutnant Markus Bentler (62) gäbe es das Multinationale Kommando Operative Führung in der Ulmer Wilhelmsburg-Kaserne wohl nicht mehr: Während der Bundeswehrreform 2011 stand das Kommando auf der Kippe. Bentler kämpfte für sein Haus und stärkte es. Heute hat sich das Kommando innerhalb der Nato und der Europäischen Union etabliert. Von 2006 bis 2009 führt Bentler die 10. Panzerdivision in Sigmaringen. Am Dienstag verabschiedete sich Bentler aus dem Dienst und trat in den Ruhestand: mit einem großen Zapfenstreich auf der Bonner Hardthöhe. Ludger Möllers hat mit Bentler über seine Erfahrungen in Ulm gesprochen.

Welche Aufgaben hatten Sie seit Ihrer Versetzung von Ulm nach Brüssel?

Als deutscher Militärischer Vertreter in den Militärausschüssen von NATO und Europäischer Union vertrete ich im Auftrag des Generalinspekteurs der Bundeswehr die militärischen und militärpolitischen Interessen Deutschlands in beiden Organisationen.

Wo lagen die Schwerpunkte Ihrer Amtszeit?

Meine Amtszeit in der NATO war wesentlich geprägt von der Antwort des Bündnisses auf die Krisen in Osteuropa. Zu nennen sind die Annexion der Krim, der bewaffnete Konflikt in der Ostukraine sowie die Krisen im Spannungsbogen von Afghanistan bis zum Maghreb. Hier sprechen wir vom „ring of fire“.

Was bedeuten diese Konflikte für die Nato?

Für die Nato ist das ein Paradigmenwechsel. Die „Kollektive Verteidigung“ tritt nun als Kern der Allianz wieder stärker neben die seit langen gewohnten Operationen zur Bewältigung von Krisen. Diese Anpassung wird das Bündnis für die vorhersehbare Zukunft über den Gipfel in Warschau (2016) hinaus prägen. In der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union haben wir uns der Stärkung der militärischen Komponente gewidmet.

Und die Nato führt diverse Einsätze.

In dieser Zeit haben wir neben strukturellen Reformen eine Reihe von sichtbaren Operationen auf den Weg gebracht: die EU-Ausbildungsmission in Mali, die Stabilisierungsoperation in der Zentralafrikanischen Republik sowie jüngst die Operation zur Bekämpfung des Menschenschmuggels im Mittelmeer. Diese vielfältigen, militärischen Aktivitäten der Europäischen Union werden in der Öffentlichkeit noch viel zu wenig wahrgenommen.

Sie gelten als „ Retter des Ulmer Kommandos“ während der Bundeswehrreform 2011. Damals stand Ulm auf der Kippe. Wie ist es Ihnen damals gelungen, den Standort Ulm abzusichern?

„Retter des Kommandos“ ist ein viel zu großes Wort, das ich mir nicht zu eigen mache. In aller Bescheidenheit habe ich meinem Beitrag geleistet. Das war‘s dann aber auch.

Das Kommando war aber schon fast aufgelöst.

In der Tat sah die Zukunft des Kommandos bei meinem Dienstantritt im Herbst 2010 nicht rosig aus. Vorentscheidungen zur Auflösung waren gefallen. Meine Soldaten und ich waren aber immer davon überzeugt, dass das Kommando gebraucht wird und in der Bundeswehr einen festen Platz haben muss. Die Entwicklung der Sicherheitslage gibt uns nachträglich Recht.

Warum ist das Ulmer Kommando wichtig?

Die Bundeswehr benötigt in einer Zeit der Unvorhersagbarkeit von Krisen und Konflikten ein Kommando auf operativer Ebene: streitkräftegemeinsam, multinational aufgestellt, schnell auch jenseits der Grenzen Europas einsetzbar für die Nato und die Europäischen Union. Das Denken in Einsatzkontingenten geht dem Ende entgegen.

Wieso?

An seine Stelle treten hohe Bereitschaft und Reaktionsfähigkeit. Diesem Profil entspricht das Ulmer Kommando passgenau. Diese guten Argumente haben wir unablässig, beharrlich und letztlich dann wohl auch überzeugend an den unterschiedlichen Stellen vortragen. Mit dem positiven Ergebnis, über das wir uns heute alle freuen.

Wo steht das Kommando heute in der Nato-Struktur?

Das Kommando steht auf zwei Beinen, dem der Europäischen Union und dem der Nato. Traditionell ist es in der Europäischen Union sehr fest etabliert mit seinem sehr guten Namen. Es ist stehendes operatives Hauptquartier und taktisches Hauptquartier (Field Headquarter) zugleich. Zudem stellt es Personal zu allen wichtigen Operationen ab und ist Hauptträger von Übungen in der Europäischen Union.

Und die konkrete Positionierung in der Nato?

In der Nato haben wir die Tür aufgestoßen. Ulm ist in den langfristigen Einsatzplan des Bündnisses aufgenommen wurden und wirkt an herausgehobener Stelle an der großen Nato-Übung Trident Juncture 2015 im Herbst dieses Jahres auf der iberischen Halbinsel, im Mittelmeer und Italien mit. Ich freue mich darüber, dass das Kommando weiterhin so große Fortschritte unter der neuen Führung macht. Ich habe keine Zweifel, dass der eingeschlagene Kurs beibehalten wird und das Ulm eine gute Zukunft hat.

Welche Pläne haben Sie für den Ruhestand?

Nach über 43 Dienstjahren als Soldat in 19 unterschiedlichen Verwendungen im In- und im Ausland sowie im Einsatz möchte ich erst einmal Abstand gewinnen und dem „neuen Lebensabschnitt“ eine Chance geben. Ich freue mich auf die vielen schönen Aktivitäten, die bisher zu kurz kamen: das Reisen, der Sport, das Bergsteigen, das Skifahren und das Lesen von Büchern, nicht von Laufmappen. Danach wird man sehen.

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