Gedenken: Stolperstein soll an Franks erinnern

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Günter Demant verlegt die Steine selbst am vorgesehen Ort.
Günter Demant verlegt die Steine selbst am vorgesehen Ort. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Sigmaringen

Ende vergangenen Jahres hat Kreisarchivar Edwin Weber in einem Vortrag über das Schicksal der jüdischen Familie Frank aus Sigmaringen berichtet, die von den Nazis vertrieben wurde. Nun hat die SPD-Fraktion im Stadtrat beantragt, in Erinnerung an die Franks in Sigmaringen einen so genannten Stolperstein zu verlegen.

Der Antrag wurde zur Kenntnis genommen und soll nun im Bauausschuss weiter beraten werden. Bürgermeister Thomas Schärer regte in diesem Zusammenhang an, bei den Franks, die in die USA emigriert waren, nachzufragen, ob ein solcher Stein von ihnen überhaupt gewünscht wird.

Die Aktion Stolpersteine wurde Mitte der 90-er-Jahre konzipiert und wird seit dem Jahr 2000 offiziell betrieben. In zahlreichen Städten in ganz Deutschland wurden schon Stolpersteine verlegt. Aber auch im ehemals von deutschen Truppen besetzten Europa finden sich inzwischen Stolpersteine, so zum Beispiel in den Niederlanden, in Budapest oder als jüngstes Beispiel in Rom. Sie sollen an all jene Menschen erinnern, die Opfer der Verfolgung durch die Nationalsozialisten wurden. Auch in der Region gibt es bereits Stoplersteine, so zum Beispiel in Pfullendorf und Ravensburg.

Die Stolpersteine mit einer Kantenlänge von knapp zehn Zentimetern sind messingfarben und erinnern an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner und anderer Verfolgte wie Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Zeugen Jehovas und Euthanasieopfer. Die Steine werden vom Künstler selbst verlegt.

Angesehene Bürger

In Sigmaringen gab es vor dem Krieg keine jüdische Gemeinde, wie in anderen baden-württembergischen Städten. Die Familie Frank gehörte zu den angesehenen, wohlhabenden Bürgern der Stadt, die zunächst die Löwenbrauerei in Laiz und später das Hofbräuhaus in der der Karlstraße betrieben. Später verdienten sie mit dem Handel ihr Geld. Sie zählten zu den assimilierten Juden, die sich auch selbst als kerndeutsch definierten. 1933 begannen die Schikanen durch Behörden und Mitbürger. Nach der Pogromnacht 1938 wanderte die Familie zunächst nach Amsterdam und dann später in die USA aus. Ihren Wohlstand hatten sie komplett verloren. Lisa Frank lebt heute noch dort.

Die SPD schreibt in ihrer Begründung für den Anrtrag: „Die Stolperstein-Aktion des Künstlers Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem vor deren letztem selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln in der Größe eines Pflastersteins in den Bürgersteig eingelassen werden. Die einstmals wohlhabende und angesehene Familie Frank verlor ihre gesamte materielle Existenz. Sämtliche Überlebenden litten und leiden Zeit ihres Lebens unter dem ihnen in ihrer Heimatstadt zugefügten Leid.“

Der Stein soll in der Karlstraße beim heutigen Finanzamt verlegt werden, wo die Familie zuletzt ihr Geschäft betrieb.

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