Fritz Kleinmanns Geheimnis: „Man muss eine Aufgabe haben“

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Mit Tochter Melanie Schneider (links) und Enkelin Miriam Wittner: Fritz Kleinmann feiert seinen 102. Geburtstag.
Mit Tochter Melanie Schneider (links) und Enkelin Miriam Wittner: Fritz Kleinmann feiert seinen 102. Geburtstag. (Foto: Michael Hescheler)
Redaktionsleitung

Seinem Besuch geht er zur Tür entgegen und auf jeden neuen Gast erhebt er das (Sekt-)glas: Fritz Kleinmann hat am Montag seinen 102. Geburtstag gefeiert. Der rüstige Senior versorgt sich in seinem Haus auf der Wilhelmshöhe selbst. Ihm geht es gesundheitlich dem Alter entsprechend gut. Sein Rezept fürs Altwerden: „Man muss gefordert sein und eine Aufgabe haben.“

Die Geschichte von Fritz Kleinmanns Baum in der Allee der 100-Jährigen erzählt man sich in Sigmaringen gerne. Vor zwei Jahren rauschte Kleinmann mit dem Auto an, pflanzte sich seinen Baum selbst und brauste wieder davon. So agil hantierte mit dem Spaten noch kein 100-Jähriger vor ihm.

Zwei Jahre später hat Kleinmann zwar seinen Führerschein abgegeben Deshalb kann er die Einkäufe nicht mehr selbst erledigen. Doch kochen, putzen und bügeln – das macht der 102-Jährige nach wie vor selbst. „Ich bin ein richtiger Hausmann“, sagt der Jubilar und erwähnt in diesem Zusammenhang, dass seine Frau vor 20 Jahren gestorben ist.

Da er unter einem Schwindelgefühl leidet, kann Kleinmann nicht mehr ohne Begleitung in die Stadt gehen. „Doch wenn jemand mit mir geht – kein Problem.“

Kleinmann ist Doktor der Philosophie. Seine Promotion verfasste er, als er bereits 82 Jahr alt war. Der Doktorand befasste sich mit der Frage, ob es übergeordnete Kräfte gibt oder der Lauf der Zeit auf naturwissenschaftliche Kräfte zurückzuführen ist. „Meine Professoren hätten meine Kinder sein können und meine Kommilitonen meine Enkel“, sagt Kleinmann – seine Stimme klingt dabei noch gütiger als sonst.

Mit dem Philosophie-Studium in Tübingen erfüllte er sich einen Lebenstraum. Schon nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg wollte in diese Richtung studieren, doch damals erschien ihm die Philosophie zu brotlos, weshalb seine Wahl auf das Bauingenieurwesen fiel.

Als stellvertretender Leiter des örtlichen Straßenbauamts wurde der in Hechingen geborene Kleinmann 1956 nach Sigmaringen versetzt. Elf Jahre später wechselte er nach Tübingen und stieg dort erst zum Planungsreferenten und später zum Leiter der Straßenbauverwaltung auf. Sein Freund von der Mittwochsgesellschaft Fritz Kovacic bezeichnet ihn als den Vater der Sigmaringer Umgehung. Dutzende Straßen hat Kleinmann im Regierungsbezirk gebaut.

„Ich bin dauert noch im Dienst“, sagt der Pensionär, der vor 37 Jahren in den Ruhestand eintrat, „immer wenn ich durch die Gegend fahre, kommen die Erinnerungen an meine berufliche Zeit hoch.“

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