Französisches Flair auf dem Leopoldplatz

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 Die Auswahl an französischen Spezialitäten wie Würsten ist groß.
Die Auswahl an französischen Spezialitäten wie Würsten ist groß. (Foto: Fotos: Vera Romeu)
Vera Romeu

Zum zehnten Mal findet am Wochenende in Sigmaringen das französische Fest mit Spezialitäten-Markt statt. „C´est un petit jubilé“, sagt Organisator Jonathan Schuler, der aus dem Elsass stammt. Es sei ein kleines Jubiläum. Schuler lebt in Ablach und ist in Sigmaringen als bester Flammkuchenbäcker bekannt. Vor zehn Jahre hatte er zum ersten Mal französische Markthändler nach Sigmaringen eingeladen, um französisches Flair in die Stadt zu bringen. „Ich hab im Winter auf der Eisbahn Flammkuchen gebacken. Dann sagten die Leute, dass es schade sei, dass es nur ein Mal im Jahr die Flammkuchen gibt.“ So habe er gedacht, dass es schön wäre, im Sommer einen französischen Markt am selben Ort anzubieten. Und es war ein Erfolg.

Beim ersten Markt wurden die französischen Händler von der Begeisterung und Kauffreude der Sigmaringer überrascht. Dem Brothändler ging schon am zweiten Tag die Ware aus. Der Stand war komplett leer gekauft. Die Wurst und der Käse kamen so gut an, dass es auch da zu Engpässen kam. „Alles was gemeinhin über die Schwaben gesagt wird, stimmt für Sigmaringen nicht“, stellt Schuler fest. In Sigmaringen seien die Leute sehr frankophil. Sie lieben die französische Lebensart und sind bereit, den Preis für die französischen Spezialitäten zu bezahlen.

Vor zehn Jahren waren auch die Händler überrascht, dass die französische Geschichte so tief in die Stadtgeschichte eingeschrieben ist. Sie entdeckten das Schloss und die Biografie der Prinzessin Amalie Zephyrine, der Freundin von Joséfine de Bonaparte. Ihnen wurde bewusst, dass von hier aus Maréchal Pétain mit der Vichy-Regierung das besetzte Frankreich verwaltet hat und dass der Roman „D´un château l´autre“ des berühmten französischen Schriftstellers Ferdinand Céline im Schloss Sigmaringen spielt. Das hatte Eindruck gemacht. Seitdem sind die Händler jedes Jahr wieder gekommen und haben die Stadt genossen und französische Urlaubsstimmung auf dem Rathausplatz verbreitet.

Neue Location ist der Leopoldplatz

In diesem Jahr gibt es eine Neuerung: Der französische Markt und das Fest finden auf dem Leopoldsplatz statt. Die Stadtverwaltung wolle künftig die Feste dort ansiedeln, berichtet Schuler. Die Bedingungen sind ein wenig anders: weniger Platz, Treppchen und Bäume. Aber es werde gehen, meint Schuler, und es sei vielleicht sogar gut: „Die Leute sehen am Vorbeifahren, dass hier ein Fest stattfindet“, sagt er.

Dieses Wochenende werden also die Händler eine Vielfalt an französischen Käsesorten anbieten, aus dem französischen Baskenland und aus der Auvergne Wurst, Pastete und Terrinen sowie eine große Auswahl an eingelegten Oliven. Es gibt Brot aus dem Elsass, Kekse aus der Bretagne und Maccarons. Natürlich gibt es wieder duftende Seifen in großer Auswahl. Sommerlicher Schmuck und schöne Tücher werden die Besucherinnen erfreuen. Argan-Öl als Seife und zum kulinarischen Genuss wird angeboten. Auch kommt der Stand mit dem süßen Nougat aus Montélimar. Zudem wird es Weine aus der Bourgogne, aus dem Elsass und die Champagner geben. Die Bewirtung mit süßen und deftigen Crêpes, mit Flammkuchen, gegrillten Merguez und anderen Würsten wird die Besucher wieder begeistern.

Französische Musik und Feuerkunst

Es gibt ein französisches unterhaltsames Programm. Die Stimme von Marketa wird wieder täglich erklingen. Sie war 2018 spontan aufgetreten und hatte viel Applaus bekommen. Auch Thibault, der Herzensbrecher, wird jeden Tag singen. Die Französin Sabine und ihre Jazzband spielen am Freitagnachmittag. Jacques der Feuerkünstler macht seine spektakuläre Schau Freitag und Samstagnacht. Benjamin kommt Samstagabend mit französischem Rock. Also dürfte sich auf dem Leopoldsplatz über drei Tage französisches Flair entfalten und für die Daheimgebliebenen eine gute Gelegenheit für den Genuss eines gefühlten Kurzurlaubs sein.

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