Fotojournalist hält Eindrücke von Krieg und Flucht fest

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Daniel Kempf-Seifried hat Wurzeln in Sigmaringen. Er arbeitet als Fotograf und Bildjournalist.
Daniel Kempf-Seifried hat Wurzeln in Sigmaringen. Er arbeitet als Fotograf und Bildjournalist. (Foto: Elisabeth Weiger)
Elisabeth Weiger

Daniel Kempf-Seifried hat bodenständige Wurzeln, stammt er doch aus dem Lochbauernhof, einem stattlichen, 1662 gebauten Anwesen in Göggingen – dem Geburtshaus von Martin Heideggers Mutter Johanna, einer geborenen Kempf. Während sich das Leben und Wirken des Philosophen in seiner badischen Heimat in Meßkirch, Freiburg und Todtnauberg abspielte, drängte es Daniel Kempf-Seifried schon in jungen Jahren aus den engen räumlichen Grenzen seines Heimatdorfes. Bei einem Auslandssemester in Namibia entdeckte er neben der Liebe zur Fotografie seine besondere Hinwendung zum afrikanischen Kontinent. Mit einer zweiundzwanzig Monate andauernden Reise durch 23 afrikanische Länder begann sein bis heute anhaltendes Interesse, seine Neugier auf Länder, Kulturen und Menschen auf der ganzen Welt. Nun stellt er seine Fotografien mit politischem Mehrwert in Sigmaringen aus.

Seit fünf Jahren ist der gelernte Vermessungsingenieur freiberuflicher Fotograf und Bildjournalist. Immer wieder drängt es ihn an die Brennpunkte menschlicher Ausnahmezustände, Brennpunkte, die er auch ohne Auftrags- und Geldgeber bereist und fotografisch festhält. Ob am Grenzzaun in Idomeni und Ceuta oder in der kalabrischen Kleinstadt Riace, bekannt geworden als „little Africa“, Kempf-Seifried dokumentiert vor Ort mit seinen Fotografien die Auswirkungen von Krieg, Flucht und Unterdrückung.

Er gründet Online-Reise-Magazin

Um seine Aufnahmen einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können und neue Auftraggeber zu erreichen, hat Daniel Kempf-Seifried das Online-Reise-Magazin geschichtenvonunterwegs.de mitbegründet. So begleitete er anfangs des Jahres im Auftrag der Rotary Action Group Deutschland und dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Ärzte und Krankenschwestern in Nigeria bei ihrer Kampagne zur Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit. Im April 2017 war Kempf-Seifried zusammen mit dem Meßkircher Unternehmer Thomas Nuding und weiteren sieben ehrenamtlichen Helfern im Auftrag der gemeinnützigen Organisation Sea-Eye von Malta aus in Richtung lybische Küste unterwegs, um Schiffbrüchige mit Schwimmwesten auszustatten. Zumindest war dies der Plan, aber die Aktion des gleichnamigen Rettungsbootes spitzte sich nach drei Seenotrufen von Stunde zu Stunde zu. Überfüllte und sinkende Schlauchboote mit Hunderten seekranker und verängstigter Menschen, überlastete Frachtschiffe, die Hilfe verweigerten, ein italienisches Küstenwachschiff, das erst nach einem Mayday-Call der Sea-Eye beidrehte und zweihundert Flüchtlinge an Bord nahm – dazu noch Schlechtwetterverhältnisse mit Sturm und hohem Wellengang – brachten die Crewmitglieder an ihre physischen und psychischen Grenzen. Kempf-Seifried notierte in seinem Tagebuch: „Der gesamte Einsatz dauerte etwa 86 Stunden bei zirka sieben Stunden Schlaf pro Crewmitglied. Wir haben dabei insgesamt 1388 Menschen aus Seenot gerettet.“

Den unterschiedlichen Interessen der Mitgliedsstaaten geschuldet, die sich außerstande sehen, eine gemeinsame europäische Lösung in der Flüchtlingskrise zu finden, fielen mittlerweile die Sea-Eye und ihr Schwesterschiff Seefuchs zum Opfer. Während die Sea-Eye mangels Spendengelder in Tunesien vor Anker liegt, wurde die Seefuchs von der italienischen Regierung beschlagnahmt. In einer Bildserie von 36 Schwarz-Weiß-Aufnahmen dokumentierte Daniel Kempf-Seifried die Fahrt auf der Sea-Eye. Die Fotografien zeigen die Menschen in überfüllten Holz- und Schlauchbooten, Details von Rettungsaktionen sowie improvisierte Sitz- und Liegeplätze der Geretteten an Bord der Sea-Eye. Der Blick in ihre Gesichter spiegelt Emotionen wider, die von Panik über Erschöpfung bis hin zu aufkeimender Hoffnung reichen.

Belastende Situationen

Ungeschönt stellen die Bildserie sowie die schriftlichen Aufzeichnungen des Autors die extrem belastende Situation auf dem Rettungsschiff dar. Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg, dem Wohnort des Bildjournalisten, wurde die „Mission im Mittelmeer“ zum ersten Mal ausgestellt, daran anschließend folgte im Frühjahr 2018 eine Präsentation der Arbeiten im Künstlerhaus in Nürnberg. Ein weiteres berufliches Standbein, das Fotografieren von Hochzeiten, führt Daniel Kempf-Seifried immer mal wieder in seine schwäbische Heimat. Bei einem dieser Aufenthalte nahm er Kontakt mit Kreisarchivar Edwin Ernst Weber auf, mit der Intention, die Ausstellung auch in Meßkirch zu zeigen. Die beiden erhielten jedoch von Bürgermeister Zwick eine abschlägige Rückmeldung, da die Stadtverwaltung Bedenken habe, das in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierte Thema zum Gegenstand einer Ausstellung zu machen. Umso mehr freue es ihn, dass die „Mission im Mittelmeer“ ab dem 23. September im ökumenischen Pfarrhaus „Mittendrin“ in Sigmaringen ausgestellt wird.

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