Flüchtlinge bleiben anderthalb Jahre lang

Lesedauer: 3 Min
Im Frühjahr waren bereits rund 250 Flüchtlinge in der Sigmaringer Kaserne untergebracht. Im August werden rund 500 weitere erwar
Im Frühjahr waren bereits rund 250 Flüchtlinge in der Sigmaringer Kaserne untergebracht. Im August werden rund 500 weitere erwar (Foto: Warnack)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Am Freitagnachmittag hat das baden-württembergische Integrationsministerium offiziell bestätigt, was in Sigmaringen schon bekannt war: Die Graf-Stauffenberg-Kaserne wird ab August erneut zur Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Mehr als 500 Flüchtlinge werden in die Kreisstadt kommen. Laut einer Pressemitteilung will das Land die Kaserne mindestens bis Ende 2016 zur Unterbringung von Asylbewerbern nutzen.

Ob und wie die Bürger über die Pläne des Landes informiert werden, ging aus der Mitteilung nicht hervor. Nach SZ-Informationen soll der schon in den ersten Monaten des Jahres für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzte Bereich um drei Gebäude erweitert werden. „Um die Flüchtlinge zu schützen, wird erneut ein Zaun errichtet“, sagt Oberstleutnant Stefan Trossen, der Standortälteste der Graf-Stauffenberg-Kaserne, der am Dienstag an der Besprechung mit den Vertretern des Landes, des Kreises und der Stadt teilnahm. Das Ministerium nimmt auf das Landeskinderturnfest Rücksicht, zu dem Ende Juli 5000 Teilnehmer in Sigmaringen erwartet werden. Sie alle werden in der Kaserne übernachten. Mit dieser Forderung hat sich Bürgermeister Thomas Schärer gegenüber dem Ministerium durchsetzen können. Seine Einwände, die erneute Unterbringung von Flüchtlingen wirke sich negativ auf die Konversion aus, berücksichtigten die Verantwortlichen aus Stuttgart nicht.

Das Integrationsministerium begründet die Entscheidung für Sigmaringen und eine Erstaufnahmestelle in Tübingen mit einem Anstieg der Zahl der Flüchtlinge im zweistelligen Prozentbereich. Im Juni sind laut Angaben des Integrationsministeriums knapp 5000 Flüchtlinge in Baden-Württemberg angekommen. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein Plus von knapp 1350 Menschen (plus 38 Prozent). Deshalb werde geprüft, im Land weitere Erstaufnahmestellen einzurichten.

Offenbar hat sich das Integrationsministerium mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über den 31. Dezember hinaus darauf verständigt, die Kaserne teilweise zu nutzen. „Ab Januar sind wir und das Bundeswehrdienstleistungszentrum nicht mehr zuständig“, sagte Oberstleutnant Trossen gegenüber der SZ.

Die Sigmaringer Kaserne diente von Mitte Februar bis Ende April schon einmal als Flüchtlingsunterkunft – die Bundeswehr nutzte das Areal dabei parallel weiter. Im Schnitt lag die Belegungszahl der Kaserne im Februar bei 280, im März bei 188 und im April bei 78 Bewohnern. Die meisten Flüchtlinge kamen aus dem Kosovo.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen