Flüchtlinge beschäftigen sich mit Physik

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Hochschüler organisieren die Veranstaltung für Flüchtlinge.
Hochschüler organisieren die Veranstaltung für Flüchtlinge. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

„Physik im Advent“ heißt die weihnachtliche Aktion, die in Zusammenarbeit mit dem Schülerforschungszentrum Südwürttemberg (SFZ) im Auftrag der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) aktuell in den Erstaufnahmestellen in Sigmaringen und Meßstetten umgesetzt wird.

Am Anfang sind es nur drei bis vier. Dann füllt sich plötzlich nach und nach der Raum. Am Ende sind es fast 30 Kinder zwischen drei und zwölf Jahren, die im Gebäude 8a der ehemaligen Graf-Stauffenberg-Kaserne die Bänke besetzen.

Gelächter und aufgeregtes Kindergeplapper füllen den Raum. Abgesehen von den vielen unterschiedlichen Sprachen ist die Stimmung fast wie in jedem anderen Klassenzimmer. Dann geht es los. Man startet mit einem Film, bevor die Kinder selbst experimentieren sollen und dürfen. Dabei werden drei Wochen lang täglich (außer am Wochenende) kleine Physik-Experimente für und mit den Flüchtlingskindern umgesetzt. In Sigmaringen erfolgt dies unter Leitung von Dr. Carola Pickhardt, Professorin an der Fakultät Life Sciences und Koordinatorin der Kooperation mit dem Schülerforschungszentrum in Bad Saulgau.

25 Studierende nehmen an der Aktion teil

Insgesamt rund 25 Studierende nehmen an dem Projekt teil. Zwei Studentinnen waren als Kinder selbst in einer Aufnahmeeinrichtung. Julia Wolf aus dem sechsten Semester hat dabei besonders beeindruckt wie offen die Kinder sind. „Die Kommunikation funktioniert auch ohne dass man eine Sprache spricht“, beschreibt sie ihre Eindrücke. „Ich fand zwei Jungs klasse, der eine hat immer übersetzt und der andere z. B. geholfen Stifte einzusammeln“, meint David Holl aus dem sechsten Semester.

„Das Highlight für mich war, als sie etwas erreicht haben. Als sie es geschafft haben, da haben sie sich total gefreut“, sagt Madlen Stehle, die im ersten Semester studiert. „Das Engagement unserer Studierenden hat mich wirklich begeistert und sie agieren dabei unglaublich selbstständig und super organisiert“, freut sich Organisatorin Pickhardt.

Auch in Albstadt meldeten sich Mitarbeiter und Studierende, die helfen wollten. Sie unterstützen das Gymnasium Meßstetten bei der Umsetzung der Aktion in der Erstaufnahmestelle in Meßstetten.

Professor Dr. Andreas Mockenhaupt, Beauftragter für Flüchtlingsangelegenheiten an der Hochschule, sieht an beiden Hochschulstandorten eine große Hilfsbereitschaft: „Ich bekomme täglich neue Anfragen. Aktuell gibt es einen Mathematikkurs für Flüchtlinge in Meßstetten, die Unterstützung des DRK durch Hochschulangehörige bei Deutschkursen, und ein Gasthörerschein für einen syrischen Flüchtling im Studiengang Pharmatechnik ist derzeit in Arbeit. Weitere Maßnahmen, wie beispielsweise IT für Kinder, sind für 2016 in Planung“, so Professor Mockenhaupt.

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