Fürst von Hohenzollern stirbt im Alter von 86 Jahren

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Redaktionsleitung

Ein einflussreicher Unternehmer und angesehener Mensch ist tot: Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern ist in der Nacht zum Donnerstag nach schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben. Mehr als 45 Jahre lang stand er an der Spitze der Sigmaringer Linie der Hohenzollern. Sein ältester Sohn, Karl Friedrich Erbprinz von Hohenzollern, folgt seinem Vater automatisch nach.

Von unserem Redakteur Michael Hescheler 

Auf Schloss Sigmaringen wehen die weiß-schwarzen Fahnen schon am Morgen auf Halbmast. Auf dem Wochenmarkt verbreitet sich die Nachricht schnell: Der Fürst ist tot.

Die Menschen reagieren mit Betroffenheit, sie begegnen dem Fürstenhaus mit Respekt und Anerkennung. Als bedeutender Arbeitgeber und gesellschaftlicherer Förderer bekleidet der Fürst eine herausragende Rolle im örtlichen Leben in und um Sigmaringen. Öffentliche Auftritte scheute er jedoch aus Noblesse.

Seine Kindheit und Jugendzeit erlebte der Adelige in Freiburg. Er umschreibt diese Zeit in seinen Annalen mit dem Attribut „sorglos“. Von den wirren politischen Verhältnissen im Land habe er keinerlei Kenntnis genommen. Das änderte sich im Verlauf des Krieges. 1944 wurden die Hohenzollern von Schloss Sigmaringen vertrieben, sie mussten der französischen Vichy-Regierung Platz machen. Nach ihrer Verhaftung traten Teile der Familie der Gestapo durchaus selbstbewusst gegenüber. Verbal ging sie sogar auf Konfrontation, vielleicht darum blieb ihnen die Anklage erspart.

Im Gegensatz zu seinen Erlebnissen aus der Kriegszeit schildert er die Gegenwart weniger ausführlich. Mit dem Tod seines Vaters wurde er 1965 Chef des Hauses. Die Rettung des vom Konkurs bedrohten Hüttenwerks Laucherthal war wohl sein wichtigstes Verdienst – der Fürst trennte sich von Besitz, um den mit 100 Millionen Mark überschuldeten Betrieb zu sanieren. Heute ist Zollern das Flaggschiff der Unternehmensgruppe. Mit 3000 Mitarbeitern und 600 Millionen Euro Jahresumsatz haben die fürstlichen Unternehmen eine stattliche Größe angenommen. Am Großen Arber im bayerischen Wald sind die Hohenzollern Besitzer eines Skigebiets.

Seine starke Verbundenheit mit der katholischen Kirche drückte sich nicht nur in regelmäßigen Kirchgängen aus. Nihil sine Deo (Nichts ohne Gott) lautet der Wahlspruch der Adelsfamilie, es sei ihm wichtig gewesen, danach zu leben und zu handeln. Beim diesjährigen Jahrestag des Hohenzollernheiligen Fidelis im April trat Friedrich Wilhelm letztmals in der Öffentlichkeit auf. Der Fürst feierte den Gottesdienst mit. Selbst seine Frau Prinzessin Margarita zu Leiningen lernte er bei einer Wallfahrt kennen. Das Fürstenpaar heiratete 1951 und bekam drei Söhne.

Nach mehreren Schlaganfällen und einer fast vollkommenen Erblindung lebte er zurückgezogen auf einem Landsitz bei Sigmaringen. Mit dem Tod des Familienoberhaupts wird der älteste Sohn Karl Friedrich automatisch Fürst, seine zweite Frau Katharina Fürstin. Als Bevollmächtigter hatte der 58-Jährige bereits jahrelang die Unternehmensgruppe geleitet. Neuer Erbprinz ist Prinz Alexander (23), der älteste Spross des neuen Fürsten.

Die Beisetzung erfolgt am Donnerstag, 23. September, um 11 Uhr in der Familiengruft der Hedinger Kirche.

Weiterlesen: Kein Hohenzollern-Fürst war länger im Amt als er

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