Experte rät: Social Media kritisch nutzen

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 Mathieu Coquelin erklärt, wie Fake-News wirken.
Mathieu Coquelin erklärt, wie Fake-News wirken. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Mathieu Coquelin, der Leiter der Fachstelle Extremismusdistanzierung im Demokratiezentrum Baden-Württemberg, ist in die Liebfrauenschule gekommen, um mit Schülern einer zehnten Klasse des Gymnasiums über „Fake News“ und „Hate Speech“ im Internet zu sprechen. Mit konkreten Beispielen und Übungen wurden die Schüler für ein Thema sensibilisiert, das eine immer größere gesellschaftspolitische Rolle spielt.

„Was ist eigentlich Hate Speech?“, fragte Mathieu Coquelin in die Gruppe. Von „Hass“ und „Rede“ kamen die Schüler schnell zu Gefühlen und Ausgrenzung. Am Beispiel eines alten NPD-Plakats ließ Coquelin die Schüler herausfinden, dass Begriffe, die emotional besetzt sind, von Meinungsmachern beeinflussend kombiniert werden, um gezielt Inhalte zu transportieren. Schnell könne dabei im Internet eine Aussage, die mit dem Paragraf 130 „Volksverhetzung“ des Strafgesetzbuchs in Konflikt gerate, zur Straftat werden. Auch wer Hetze lediglich weiterleite, mache sich strafbar. Viele Jahre sei das Internet nicht kontrolliert worden, sagt Coquelin. So habe sich der strafrelevante Inhalt gefahrlos etabliert. „Stellt euch das Internet wie eine Autobahn vor, auf der früher nie geblitzt wurde“, erklärt Coquelin. Mittlerweile gebe es Meldestellen, die wie Blitzer eingesetzt werden.

Mit einem Gesellschaftsspiel, bei dem die Schüler Maxi und Marie Zugehörigkeiten erraten mussten, demonstrierte der Experte anschaulich, wie Menschen sich zu immer neuen Gruppen zusammenschließen. Mit einem TV-Spot aus Dänemark zeigte Coquelin, wie unterschiedliche Gruppen sich zu funktionierenden politische Gemeinschaft verbinden. Verschiedene Gruppen können jedoch leicht gegeinander ausgespielt werden, sagt Coquelin. Mit den Schlagworten „Filterblase“ und „Echoräume“ haben die Schüler und der Experte diskutiert, wie einzelne Gruppen entstehen und diese im Extremfall nicht mehr miteinander kommunizieren. Spannend fanden die Schüler ein Experiment mit schnell wechselnden Nachrichtenbildern: Welche Infos kommen als Schlagworte im Gedächtnis an und welche werden „überblättert“?

Eines dieser Beispiele betrachteten die Schüler mit Coquelin genauer: In der Nachricht wird behauptet, dass Muslime in Schweden eine Christusstatue zerstört hätten. Durch die „Rückwärtssuche“ der Suchmaschine „Google“ oder auf der Internetseite „Mimikama“ vom österreichischen Verein für Internetmissbrauch konnten die Schüler jedoch schnell nachschauen, was es mit den Bildern auf sich hat.

Tatsächliche waren die Fotos und die angebliche „Nachricht“ falsch und betrafen einen Fall in Chile, der nichts mit religiösen Konflikten zu tun hatte. Solche „Fake News“ können auch unter Faktenfinder Tagesschau oder anderen öffentlich-rechtlichen Sendern ermittelt werden.

Seine Message an die Schüler zum Ende des Vortrags: Nutzt soziale Medien kritisch. Es sei wichtig zu wissen, warum „Fake News“ verbreitet werden. „Mit Fake News verdienen die einen ihr Geld, bei den anderen stehen Strukturen dahinter, um politisch zu agieren“, sagt Coquelin.

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