Eulengruben-Weiblein führt Wanderer in die Irre

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Willi Rößler sucht auf der regionalen Wanderkarte nach wenig bekannten Zielen.
Willi Rößler sucht auf der regionalen Wanderkarte nach wenig bekannten Zielen. (Foto: Ignaz Stösser)
Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

In den Wäldern rund um Sigmaringen gibt es etliche geheimnisvolle Orte, die selbst manch langjährige Wanderer noch nie gesehen haben. Auf Wanderkarten sind diese Orte teilweise eingezeichnet, aber in der Landschaft gibt es kaum eine Wegbeschreibung, und die Stellen sind ohne Ortskenntnis nur schwer zu finden. Der langjährige Gauobmann des Schwäbischen Albvereins Willi Rößler hat ein paar solcher Beispiele zusammengetragen.

So gibt es an der Straße zwischen Unterschmeien und Nusplingen eine Doline, in der das Eulengruben-Weiblein leben soll. „Davon wusste ich bis vor wenigen Jahren selbst auch nichts“, gibt der erfahrene Wanderführer zu. Das Eulengruben-Weiblein sieht angeblich nicht etwa furchterregend aus wie eine Hexe, sondern es ist klein wie ein Zwerg und fein geputzt. Trotzdem soll ein böser Zauber von ihm ausgehen. Das Weiblein erscheint Leuten, die sich in der Gegend nicht auskennen. Es versucht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, und schickt vor allem jene, die ins Donautal gelangen wollen, auf den falschen Weg. „Da gibt es beispielsweise die Geschichte von einem Kutscher, der mit seinem Gespann von Unterschmeien nach Gutenstein wollte“, erzählt Willi Rößler. Das Eulengruben-Weiblein hat ihn angeblich aufgehalten, sodass er erst ganz spät in der Nacht nach Hause gelangte.

Die Doline ist folgendermaßen zu finden: Wenn die Straße von Unterschmeien in Richtung Nusplingen in den Wald reinführt, macht sie bald einen deutlichen Linksknick. Etwa 300 Meter danach führt links ein geschotterter Weg leicht schräg in den Wald rein. Nach etwa 50 Metern ist die Doline auf der rechten Seite zu sehen. „Wer da hin will, muss es auf eigene Verantwortung tun“, warnt Willi Rößler lachend.

Mysteriös wirkt ein anderer Platz im Wald zwischen Sigmaringen und Sigmaringendorf. Es ist der Rastplatz Sieben-Sitze. Ihn kann der Wanderer erreichen, wenn er auf der Straße vom Sigmaringer Friedhof her kommend auf der Anhöhe am Beginn des geraden Stückes, das in Richtung B 313 führt, links abbiegt. Der Rastplatz besteht aus einem siebenzackigen Betonstern und sieben Sitzsteinen. Etwas mystisch wirkt das Ganze, weil die Zahl 7 sowohl im Juden- als auch im Christentum eine besondere Bedeutung hat. Den genauen Grund für die 7 kennen die Heimatkundler nicht.

Es ist jedoch überliefert, dass die Anlage von einem Sigmaringer Amtsboten erbaut wurde, der aus Sigmaringendorf stammte. Er wohnte bei der Hedinger Kirche und besuchte seine Eltern in Sig’dorf, indem er durch den Wald lief. Er soll den Rastplatz um das Jahr 1948 für sich und seine Begleiter an der Gemarkungsgrenze im Gewann Bachtal gebaut haben.

Siedlung Hoppental wird 1920 aufgegeben

Gleich drei im Wald versteckte Sehenswürdigkeiten gibt es zwischen dem Bahnhof Hanfertal, Jungnau und Hochberg. Zum einen ist es die Siedlung Hoppental, von der es nur noch überwucherte Mauerreste und einen ausgemauerten Brunnen gibt. Die Siedlung, die aus wenigen Höfen bestand, wurde bereits 1138 urkundlich erwähnt, wurde dann aber 1920 wegen Wassermangel aufgegeben. Der letzte Bewohner verließ die Siedlung im Jahr 1927.

Willi Rößler ist der Ansicht, mit kleinen Eingriffen könnte der Sigmaringer Ortsteil Jungnau die Siedlungsreste für Besucher attraktiver machen. „Man müsste ein paar Bäume fällen und einige Mauern wieder freilegen“, empfiehlt er. Hoppental kann man erreichen, wenn man vom Wanderweg zwischen Sigmaringen und Jungnau vor dem Steinbruch nach rechts in den Wald reinwandert.

Als zweite Sehenswürdigkeit gibt es etwas abseits der Hoppental-Gehöfte das wohl älteste Feldkreuz, das in der Region gefunden wurde. In seinem Schaft befindet sich ein Schnitzwerk mit den Symbolen Fisch, Monstranz, Marterwerkzeug und Krug.

Und drittens: Wer von hier entlang des Zauns des ehemaligen Munitionslagers wandert, im Gewann Stuhl die Hochspannungsleitung unterquert und in Richtung Hochberg läuft, kann kurz bevor er das freie Feld erreicht, auf der linken Seite einen interessanten Erdfall beobachten. Er ist etwa zehn Meter tief, und es sind steil abfallende Felsgebilde zu sehen. Von irgendwelchen geheimnisvollen Bewohnern wie dem Eulengruben-Weiblein ist hier allerdings nichts bekannt.

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