Erwin Teufel über die Probleme der Kirche

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Erwin Teufel schlägt in seinem Buch Lösungen für die Probleme der katholischen Kirche vor.
Erwin Teufel schlägt in seinem Buch Lösungen für die Probleme der katholischen Kirche vor. (Foto: Vera Romeu)
Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Der Saal war voll, rund 100 Leute waren gekommen, um den ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel zu hören: Er sprach über die Reformen, die er in der katholischen Kirche fordert. Den Zuhörern sprach er aus dem Herzen, mit langanhaltendem Applaus dankten sie ihm dafür. Eingeladen hatten die Bildungswerke Laiz und Inzigkofen.

„Ehe alles zu spät ist – Kirchliche Verzagtheit und Christliche Sprengkraft“, heißt das neue Buch, das er im vergangenen April geschrieben hat. Teufel sagt laut, was viele auch sagen und manche leise denken: Die katholische Kirche gehöre reformiert, vom Kopf auf die Füße gestellt. „Die Kirche ist aus der Zeit gefallen“, stellt Teufel fest. Tiefgreifende Reformen stehen an.

In 19 Kapiteln mahnt er an, woran es krankt. In seinem Vortrag sprach er von drei Punkten, die ihm besonders am Herzen liegen.

Der Priestermangel sei das größte Problem. Wenn die Kirche der Ansicht ist, dass die Eucharistie nur von geweihten Priestern gefeiert werden könne, dann muss sie jeder Gemeinde einen geweihten Priester zur Verfügung stellen, sagte Teufel. Und das sei möglich, weil es in jeder Gemeinde hervorragende Gemeindereferenten und Religionslehrer gibt. „Sie könnten heute geweiht werden!“, sagte Teufel. Es sind „Viri probati“ , die sich vorbildlich in der Kirche engagieren, die geweiht werden sollten, sagte Teufel und zitierte den Theologen Karl Rahner, der vor Jahrzehnten schon festgestellt hat: „Wir haben genügend Priester, wir müssen sie nur weihen.“

Das Problem sei der Zölibat, wobei dieser erst seit 1000 Jahren Voraussetzung zum Priestertum geworden ist. Auch gebe es heute in der katholischen Kirche verheiratete Priester: Verheiratete anglikanische Pastoren bleiben verheiratet, wenn sie zum katholischen Glauben konvertieren und als Priester eingesetzt werden. Auch in den orthodoxen Kirchen, die an Rom gebunden sind, gibt es verheiratete Priester, argumentierte Teufel.

Der zweite Vorwurf, den Teufel der Kirche macht, ist, die Frauen den Männern nicht gleichzustellen. Sie sind in den Gemeinden aktiv engagiert: „Ohne Frauen läuft nichts in der Kirchengemeinde!“, sagte Teufel. Christus habe seine Kirche aber nicht auf Männer gebaut, sondern auf Menschen. Die Frauen spielten in seinem Umfeld eine zentrale Rolle. „Warum weiht die Kirche Frauen nicht zu Diakonissinnen?“, fragte Teufel. Eine Zuhörerin dankte ihm für sein Plädoyer. „Wir Frauen arbeiten in den Kirchengemeinden zu sehr ehrenamtlich mit. Wir sollten streiken, das tun wir aber nicht, um den Anstand zu wahren. Aber wenn von unten Druck käme, würde sich vielleicht etwas bewegen“, sagte sie. Teufel gab ihr recht.

Im dritten Punkt erinnerte Teufel, dass jede einzelne Kirchengemeinde Volk Gottes ist. Nach dem Subsidiaritätsprinzip sollte jede Gemeinde für sich entscheiden, weil sie nah an den Menschen ist. Was über ihre Kraft geht, soll vom Dekanat getragen werden, was dort nicht zu tragen ist von der Diözese. „Der Bischof ist kein Filialleiter von Rom, er hat einen eigenen kirchlichen Auftrag“, sagte Teufel und ermahnte die Bischöfe, Entscheidungen für ihr Bistum mutiger und freier zu treffen.

Im Gespräch mit den Zuhörern ging es um die Finanzen der Kirche. Teufel forderte die Kirche auf, ihr Vermögen transparent zu machen und den Haushalt von gewählten Gremien überwachen zu lassen.

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