Ernst Behringer erhält die Ehrenbürgerwürde

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Am 11. Oktober wird Ernst Behringer die Ehrenbürgerwürde verliehen.
Am 11. Oktober wird Ernst Behringer die Ehrenbürgerwürde verliehen. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Nach mehr als 20 Jahren hat die Kreisstadt wieder einen ihrer Stadtväter zum Ehrenbürger ernannt: Der frühere CDU-Landtagsabgeordnete und langjährige Stadtrat Ernst Behringer ist vom Gemeinderat einstimmig zum Ehrenbürger gewählt worden. Die Entscheidung fiel im Juli in nichtöffentlicher Sitzung. Der Bürgermeister bestätigte sie nun auf SZ-Anfrage.

Dem 72-Jährigen wird die Ehrenbürgerwürde bei einer Feier am Samstag, 11. Oktober, in der Alten Schule verliehen. Der frühere Regierungspräsident und Freund Behringers, Hubert Wicker, wird die Laudatio halten.

„Ernst Behringer hat für Sigmaringen viel geleistet. Mit der höchsten Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat, wollen wir seine Leistung würdigen“, sagte Bürgermeister Thomas Schärer über die Verdienste Behringers.

Behringer setzt sich im ersten Wahlgang durch

Geboren im südbadischen Schönenberg (Landkreis Lörrach) kam Behringer als Soldat der 10. Panzerdivision im Jahr 1962 nach Sigmaringen. Mit dem Ausscheiden aus der Bundeswehr im Jahre 1993 nahm seine politische Laufbahn Fahrt auf. „Ich habe nicht am entferntesten damit gerechnet, dass ich irgendwann Abgeordneter werde.“ Innenminister Dietmar Schlee hatte sein Amt verloren, weil die CDU eine Große Koalition eingehen musste. Deshalb orientierte er sich neu und kandidierte für den Bundestag. Behringer rückte 1994 in den Landtag nach und wurde später in einer denkwürdigen Nominierung in Pfullendorf als CDU-Kandidat bestätigt. Gleich im ersten Wahlgang setzte er sich gegen seine Parteikollegen Siegfried Abt und Toni Teufel durch. „Dieser Tag war für Ernst Behringer eine Sternstunde“, sagte seine Mitarbeiterin und Nachfolgerin als CDU-Fraktionsvorsitzende, Alexandra Hell-stern-Missel. An diesem Tag sei ihm alles gelungen.

17 Jahre lang gehörte Behringer dem Landtag an. In dieser Zeit setzte er sich für die Interessen des Landkreises, aber vor allem für die seiner Heimatstadt Sigmaringen ein. Der Bau des Nollhof-Kreisels, der Erhalt des Staatsarchivs – Behringer verstand es, Minister und Ministerpräsidenten von seinen Argumenten zu überzeugen. „Peter, wer hat hier das Sagen – du oder deine Beamten?“, reizte er den damaligen Wissenschaftsminister Frankenberg, als es um die Existenzsicherung des Staatsarchivs ging. Behringer erkannte brisante Themen und zog raffiniert im Hintergrund die Fäden.

Trotz seiner politischen Arbeit in Stuttgart war der Mittwochabend in seinem Kalender für den Stadtrat reserviert. Nach 34 Jahren endete seine Zeit im Gemeinderat vor wenigen Wochen. Behringer war so etwas wie die graue Eminenz im Gemeinderat. Ein Blatt vor den Mund nahm er noch nie, aber vor allem nicht in den vergangenen Jahren. Wenn ihm etwas nicht passte, dann konnten Beobachter dies erst sehen und später hören. Dass die Zuschüsse für den Umbau der Stadthalle flossen, wird unter anderem dem Politikfuchs Behringer zugeschrieben. Den Neubau des Chemischen Veterinär- und Untersuchungsamts (CVUA) fädelte er in seinem Wohnzimmer ein. Landrat und andere Verantwortliche versammelte er dort zum Gespräch.

Behringer ist der einzig lebende Ehrenbürger Sigmaringens. Mit Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern und Altbürgermeister Rudolf Kuhn sind zwei Ehrenbürger vor wenigen Jahren gestorben. Mit Alfred Niklas (1989 zum Ehrenbürger ernannt) und Luise Leininger (1974) tragen wie Behringer zwei ehemalige Stadträte die Ehrenbürgerwürde.

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