Ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer lassen sich nicht entmutigen

Lesedauer: 6 Min
Sprachpatin Edeltraud von Kunhardt skypt per Handy mit einem Geflüchteten.
Sprachpatin Edeltraud von Kunhardt skypt per Handy mit einem Geflüchteten. (Foto: Caritasverband)
Schwäbische Zeitung

Seit dem Jahr 2016 ist Manuela Friedrich Ehrenamtskoordinatorin in der Flüchtlingshilfe beim Caritasverband im Dekanat Sigmaringen-Meßkirch. In dieser Zeit hat sie sehr viele Erfahrungen gesammelt und viele Menschen begleitet, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren wollten, heißt es in einer Pressemitteilung. Eine ganz wesentliche Grundlage seien die persönlichen Kontakte, die sie zwischen Ehrenamtlichen und zu Betreuenden aufgebaut habe. Solche Kontakte sind in Corona-Zeiten nicht möglich. „Die Ehrenamtlichen geben aber nicht auf und nutzen die moderne Technik, um weiterhin Kontakt zu halten“, sagt Friedrich, die derzeit rund 40 Ehrenamtliche begleitet. Es handelt sich überwiegend um Frauen im Alter zwischen 20 und 81 Jahren.

Dazu gehört auch Edeltraud von Kunhardt aus Sigmaringen. „Ich betreue seit einigen Monaten einen liebenswerten Türken im Fürstenhof, der voll motiviert ist, möglichst schnell Deutsch zu lernen“, erzählt sie. Da er leider noch keinen Deutschkurs besuchen konnte, wurde sie vom Caritasverband gebeten, mit ihm Deutsch zu lernen. Also besorgte sich die 81-Jährige Material aus der Bücherei und ging zwei- bis dreimal in der Woche in die Gemeinschaftsunterkunft „Fürstenhof“, um mit dem 35-Jährigen jeweils für eine Stunde die deutsche Sprache zu trainieren. Doch dann kam die Corona-Pandemie und damit auch ein Besuchsverbot. „Notgedrungen mussten wir uns was einfallen lassen“, schmunzelt von Kunhardt. Ihre Tochter machte dann den Vorschlag, es doch mit dem Handy und Skype zu probieren. „Davon hatte ich noch nie gehört und war schon skeptisch, ob das funktioniert. Aber es hat wunderbar geklappt“, lautet die positive Erfahrung. Und so skypten sie nun täglich eine halbe Stunde mit dem Handy. Als sehr schön habe sie es empfunden, dass man sich dabei auch sehen konnte. Mittlerweile hat der Türke noch einen Online-Computerkurs belegt und so konnte das Skypen auf zweimal in der Woche reduziert werden. „Er ist nach wie vor mit viel Freude dabei und immer wieder dankbar und hat mir auch per Video seine Familie in Istanbul vorgestellt“, erzählt Edeltraud von Kunardt.

Die 48-jährige Mirjam Zeiher trainiert mit ihrem Sprachpaten für die Führerscheinprüfung. Auch das geht über Handy. Die Fragen kommen per Bildschirmfoto und sie versucht dann, diese zu erklären. „Die Erklärungen gehen oft über eine sehr vereinfachte, grammatikalisch oft nicht ganz korrekte Sprache“, berichtet die Helferin. Auch über diese praktische Lernhilfe hinaus empfindet sie die Telefonate als sehr wichtig. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass bei Geflüchteten oft große Unsicherheiten herrscht, wenn es um sich ständig ändernden Corona-Vorschriften geht. „So sprechen wir jede Woche über die Neuerungen und ich kann Missverständnisse ausräumen. So zum Beispiel, dass man nicht schon bei Verlassen des Hauses auf der Straße die Gesichtsmaske aufsetzen muss, sondern erst, wenn man einen Laden betritt“ lautet die Erfahrung.

So manche Helferin hatte es mit Hausaufgaben zu tun, denn die Schulen verschickten diese online. Problem: In den Flüchtlingsfamilien gibt es meistens keinen PC und auch keinen Drucker. So muss alles übers Handy gehen und Arbeitsblätter wurden am heimischen Helfer-Computer ausgedruckt und dann in den Briefkasten geworfen.

Kontakte über WhatsApp, an Ostern kurz vorbeikommen und ein kleines Osternest vor die Tür stellen, Behelfsmasken selbst nähen, einer jungen Frau, die eine Ausbildung als Erzieherin macht, bei den Online-Aufgaben helfen – Anforderungen gibt es viele. „Die Motivation der Ehrenamtlichen ist nach wie vor sehr groß“, macht Manuela Friedrich anerkennend deutlich. Die 35-jährige Sozialpädagogin würde sich auch über neue Helfer freuen. „Corona bedeutet nicht, dass alles brach liegt“, macht sie deutlich und hofft, dass sich auch jüngere Leute als Sprachpaten melden. „Denn für die dürfte moderne Kommunikationstechnik kein Problem sein“, ist sie überzeugt.

Trotz der praktikablen Lösungen wird für die Ehrenamtlich deutlich, dass der persönliche Kontakt vermisst wird. Zwar funktionierten die virtuellen Treffen dank der Technik ganz ordentlich, aber das persönliche Treffen würden sie nicht ersetzen: Denn dabei sei auch eine nonverbale Kommunikation besser möglich. So sind sich alle einig: „Hoffentlich können wir uns bald wieder ganz normal treffen.“

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade