Drogenabhängiger bekommt „letzte Chance“

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 Symbolfoto zum Thema „Häusliche Gewalt“.
Symbolfoto zum Thema „Häusliche Gewalt“. (Foto: Steffen Schellhorn/epd)
Redaktionsleitung

Ein mehrfach vorbestrafter Mann hat seiner Freundin nach einem Streit mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie gewürgt. Vor Gericht zeigte sich der 28-jährige Mann geständig. Die Frau ging bewusstlos zu Boden und wurde stationär im Krankenhaus behandelt. Amtsrichterin Elisabetta Carbotta musste nun entscheiden, ob der drogenabhängige Mann mit einer Bewährungsstrafe davonkommt oder im Gefängnis landet. Sie setzte die Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. „Sie brauchen nicht noch einmal mit so einer Chance zu rechnen“, sagte die Richterin an den Angeklagten gewandt.

Im Mai vergangenen Jahres trifft der Angeklagte bei der Jet-Tankstelle auf seine frühere Partnerin und die Mutter seiner Tochter. Sie wirft ihm vor, dass er sich finanziell nicht um die gemeinsame Tochter kümmert. Daraufhin kommt es zum Streit, der Angeklagte beschimpft die Frau und schüttet eine Flasche Bier über ihr aus. Vor Gericht zeigt sich der Mann geständig. „Ich habe sie am Hals gepackt, sie gegen ein Haus gedrückt und ihr gesagt, dass sie gehen soll.“ Als sie nicht gegangen sei, habe er zugeschlagen. „Sie haben die Frau ganz schön ordentlich zugerichtet“, sagt die Richterin, als im Gerichtssaal Fotos von den Verletzungen gezeigt werden. Auf ihnen ist die Schwellung des rechten Auges zu sehen. Laut einem Brief des SRH-Krankenhauses wurde eine Gehirnerschütterung festgestellt, weshalb die 30 Jahre alte Frau zwei Tage lang in der Klinik bleiben musste.

Das Paar ist mittlerweile verlobt

Die Geschädigte macht zur Sache keine Angaben. Da sie zwischenzeitlich mit dem Angeklagten verlobt ist, hat sie das Recht, die Aussage zu verweigern. „Ich will nur sagen, dass bei uns wieder alles perfekt ist.“ Eine Zeugin, die mit dem Auto vorbeigekommen ist, bestätigt den Vorfall weitgehend. „Ich habe gesehen, wie der Mann der Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat.“ Sie drehte um, hielt an und leistete erste Hilfe. Laut Anklageschrift seien dem Angeklagten die Verletzungen „egal“ gewesen, zu den Zeugen habe er geschrien: „Nehmt sie doch mit.“

Aktuell bekommt er Ersatzdrogen

Der Mann spritzte sich mehr als zehn Jahre lang Heroin oder nahm Kokain. Aktuell bekommt er unter ärztlicher Aufsicht Ersatzdrogen verabreicht. Wegen einer Hepatitis-Erkrankung geht der Mann aktuell keiner Arbeit nach. Laut einer Bescheinigung geht er regelmäßig zur Drogenberatung und bemüht sich um eine Arbeitsstelle. Die Richterin will den Mann auf diesem Weg unterstützen und sieht deshalb von einer Gefängnisstrafe ab. Die Staatsanwaltschaft hatte diese gefordert und eine Bewährung abgelehnt.

Verteidiger Uwe Böhm plädiert für eine Bewährungsstrafe. „In der Vergangenheit hat sich eindeutig gezeigt, dass eine Gefängnisstrafe nichts bringt.“ Unter anderem wegen räuberischer Erpressung und Drogenhandels saß der Mann im Gefängnis. Insgesamt nennt die Richterin elf Vorstrafen. Darunter einschlägige Körperverletzungen und Gewaltdelikte gegen einen Schwarzen und andere Delikte, die eine rechte Gesinnung des Mannes deutlich machen. In einem Sigmaringer Supermarkt hatte der Mann mit einer Hakenkreuz-Tätowierung für Aufsehen erregt.

Aus diesem Grund und anderer Straftaten war er vom Amtsgericht Sigmaringen erst vor wenigen Monaten verurteilt worden. Diese Strafe zusammengerechnet, muss der Mann nun eine elfmonatige Freiheitsstrafe verbüßen. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. „Ich hoffe, dass Ihre Familie Ihnen Halt gibt. Die Substitution ist außerdem besser geeignet, Sie von Straftaten abzuhalten, als sie ins Gefängnis zu schicken“, sagt die Richterin. Der Angeklagte bekommt von ihr eine „letzte Chance“.

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