Die Malerei spendet dem Künstler Trost

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Im Alter von 27 Jahren starb die Tochter von Peter Lippert eines gewaltsamen Todes: In der Malerei findet der 95-Jährige Trost
Im Alter von 27 Jahren starb die Tochter von Peter Lippert eines gewaltsamen Todes: In der Malerei findet der 95-Jährige Trost und Halt. (Foto: Peggy Meyer)
Peggy Meyer

Erst vor Kurzem hat das Ehepaar Lippert seine diamantene Hochzeit gefeiert. Heute nun steht ein weiteres Jubiläum an: Peter Lippert begeht seinen 95. Geburtstag.

Als Sohn eines Studienrats und einer Goldschmiedin kam er am 10. Juli 1923 in Bielefeld zur Welt. Nach erfolgreichem Abitur meldete er sich 1942 freiwillig zur Marine. Seine Seekrankheit brachte ihn jedoch schnell wieder an Land, genauer gesagt nach Helgoland. „Der Küstendienst war meine Lebensrettung“, blickt Peter Lippert zurück. Nach seiner Entlassung nahm er eine Tischlerlehre auf und bekam, wie er es selbst formuliert, „Kontakt mit dem liebenswerten Material Holz“.

Sein Studium an der Technischen Hochschule Hannover schloss er 1953 als Diplom-Ingenieur-Architekt ab. Bei Professor Dustmann in Düsseldorf fand Peter Lippert eine erste Anstellung, kurze Zeit später gewann er mit seinem Entwurf des Victoria-Areals in Berlin bereits einen ersten Preis. Ein Dutzend weitere sollten folgen, unter anderem für den Entwurf des Kaufhauses Bilka oder des Café Kranzler am Kudamm. Seine beruflichen Erfolge assoziiert der Jubilar mit „der Addition von Ideenreichtum, perfekten Plänen und richtiger Darstellung“. Die Modelle fertigte er aus Balsa, einem besonders leichten und biegefesten Bastelholz.

Während eines Berlin-Aufenthalts lernte der ehrgeizige Architekt seine Frau Ilse kennen. Nach Hochzeit und Geburt der ersten Tochter siedelte die Familie 1960 nach Basel über, dort kam die zweite Tochter zur Welt. 1965 ging es zurück nach Deutschland, „in das idyllische Sigmaringen“. Beim Architekturbüro Gäßler & Böhmer war Peter Lippert weiterhin erfolgreich als Entwurfsarchitekt unterwegs, seine Handschrift tragen viele bekannte Gebäude in der Stadt wie das AOK-Verwaltungsgebäude, die Kreissporthalle und das Freibad in Sigmaringen. Seine Karriere endete abrupt mit dem gewaltsamen Tod seiner ältesten Tochter im Jahr 1986, „da konnte ich nicht mehr“. Als Taxifahrerin wurde die 27-Jährige in Stuttgart ermordet.

Als Autodidakt nicht interessant genug

Sein kleines Atelier wurde sein Rückzugsort. Als Liebhaber der bildenden Kunst versuchte er sich autodidaktisch im Malen, experimentierte mit verschiedenen Techniken. Zahlreiche Werke spiegeln beeindruckend skurrile Begebenheiten aus Gesellschaft und Politik, gewürzt mit Emotionen, Fantasie und Humor wider. Einige seiner Bilder wurden im Rathaus in Stuttgart gezeigt. Gern würde er mehr ausstellen, „aber wahrscheinlich bin ich als Autodidakt nicht interessant“, so seine Vermutung. Erfüllung findet Peter Lippert auch in klassischer Musik, ein großer Flügel ziert das Wohnzimmer. Bereits als Kind lernte er Klavier und Querflöte spielen. Und er genießt lange, einsame Spaziergänge. Früher wanderte er viel mit seiner Familie, aber meist vorweg oder hintenan, damit er in Ruhe überlegen konnte. Überhaupt scheut der Jubilar Menschenansammlungen oder den Lärm einer Großstadt.

Sensibel und gesundheitlich nicht ganz stabil

„Ich bin von Hause aus sensibel gestrickt und gesundheitlich nicht sehr stabil“ – ein Bekenntnis des 95-Jährigen, das man ihm schwer glauben kann, wirkt er doch erstaunlich fit. Aber das ist vielleicht auch seiner Disziplin zu verdanken. „Morgens Milch und Käsebrot, zum Mittagessen ein Viertele Wein, nichts Süßes und keine Rohkost, und vor allem gut und lange kauen“, lautet beim Essen seine Devise. Sicher eine von vielen.

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