Die Liebe zu Tieren liegt in der Familie

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Alexander Smietana und sein Hund Mutz behalten stets den Überblick über die Herde.
Alexander Smietana und sein Hund Mutz behalten stets den Überblick über die Herde. (Foto: Lena Jacob)
Lena Jacob

Der 17-Jährige Alexander Smietana macht eine ungewöhnliche Ausbildung: Er will Schäfer werden. Darüber hinaus hat er seine Arbeit zum Hobby gemacht und ist im Leistungshüten aktiv. Gemeinsam mit seinem Deutschen Schäferhund Mutz hat er sich bei den Württembergischen Meisterschaften in Weilheim/Teck mit 86 von 100 zu erreichenden Punkten für den Bundesentscheid im Leistungshüten qualifiziert. Dieser findet in diesem Jahr vom 23. bis 25. September in Kassel statt.

Bei allen Meisterschaften treten die Kandidaten mit ihren eigenen Hunden an, müssen aber eine fremde Herde in einem vorher festgelegten, unbekannten Gebiet hüten. Auf Landesebene besteht diese aus 250, auf Bundesebene sogar aus 300 Schafen. Dabei sind verschiedene Disziplinen zu bewerkstelligen, die alltäglichen Situationen eines Schäfers nachempfunden sind. Dazu gehören das Auspferchen der Schafe, die Überquerung einer Brücke sowie eine Situation im Straßenverkehr. „Um sich für den Bundesentscheid zu qualifizieren, müssen die Teilnehmer mindestens 80 von 100 Punkten erreichen. Viele Schäfer schaffen es leider nicht, neben der täglichen Arbeit Zeit in das aufwändige Training mit dem Hund zu investieren“, erklärt Jürgen Henzler, Beauftragter für Hütewesen des Vereins für Deutsche Schäferhunde. Diese sei nötig, um den anspruchsvollen Parcours bei Meisterschaften zu bewältigen. „Umso schöner, dass ein so junger, talentierter Schäfer Baden-Württemberg beim Bundesleistungshüten vertritt“, ergänzt Henzler stolz.

Der Azubi trainiert fast täglich

Der Auszubildende geht mit guten Voraussetzungen in den Wettbewerb. Seit mehr als einem Jahr trainiert er fast täglich mit seinem fünfjährigen Deutschen Schäferhund Mutz vom Messelhof, der aus der Zucht seines Vaters stammt. Dabei geht es nicht um die Geschwindigkeit. Benotet werden die Genauigkeit der Ausführung, die Selbstständigkeit der Hunde sowie die Führung von Herde und Hund durch den Schäfer. Eine echte Lieblingsdisziplin habe er nicht. „Am besten ist die Übung, die beim Wettkampf klappt“, erklärt Smietana grinsend. Einen kleinen Nachteil hat er jedoch. Im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern tritt Alexander mit nur einem Hund an. Er erklärt: „Momentan muss ich mich noch auf Mutz konzentrieren. Erst wenn wir perfekt eingespielt sind, möchte ich mit einem zweiten Hund trainieren.“

Unterstützung und ausreichend Zeit für das Training erhält er auch von seinen beiden Ausbildern. Die beiden Sigmaringer Stadtschäfer sind seit 1978 jeden Sommer auf dem stillgelegten Truppenübungsgelände nahe der Kaserne mit ihren Schafen unterwegs. Neben der Herde, die 600 Mutterschafe und fast ebenso viele Jungtiere umfasst, haben Willi Mang und sein Sohn auch einen Lämmeraufzuchtbetrieb in Reichenbach bei Bad Schussenried. „Dort verbringen unsere Schafe auch die kalte Jahreszeit“, erzählt Mang.

Schäferei liegt in der Familie

Die Liebe zu Tieren und insbesondere der Schäferei liegt in der Familie des Schäferlehrlings. Schon sein Großvater war an der Schäferschule in Hohenheim tätig. Beide Eltern sind Lehrschäfermeister der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf/Bayern, die auch Alexander besucht. So kommt es auch, dass sein stärkster Konkurrent beim Bundesentscheid kommendes Wochenende der eigene Vater ist, der den deutschen Meistertitel in diesem Jahr verteidigen will. Doch Alexander sieht der Meisterschaft entspannt entgegen: „Bei Wettkämpfen kann man selten einen Gewinner vorhersagen. Das Gelände, die Tagesform des Hundes und ein bisschen Glück sind entscheidend.“

Wer überlegt, selbst eine Ausbildung zum Tierwirt mit Fachrichtung Schäferei zu machen, sollte die Natur und die Tiere lieben und nicht wetterscheu sein. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Im ersten Jahr lernen die Auszubildenden in der Berufsschule alle theoretischen Grundlagen, die für die Arbeit benötigt werden. Dazu gehören Fütterung, Aufzucht, Buchhaltung und Schlachtung. „Die Schäferei ist Hobby und Beruf gleichzeitig. Wochenende und Feiertage kennen wir nicht“, bemerkt Smietana. „Und wortkarg sind die meisten Schäfer“, ergänzt Willi Mang lachend. Abschließend habe er noch eine Bitte an Spaziergänger und Hundebesitzer, nämlich den Schafen möglichst auszuweichen und den eigenen Hund in der Nähe der Herde anzuleinen, sagt er.

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