Die Frau hinter der Mauer wartet auf ein besseres Leben

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 Im Gespräch über die Frau hinter der Mauer: Künstler Faisal Adil (links) und Gerald Eisen.
Im Gespräch über die Frau hinter der Mauer: Künstler Faisal Adil (links) und Gerald Eisen. (Foto: Michael Hescheler)
Redaktionsleitung

Die Ausstellung in den Ladenräumen an der Fürst-Wilhelm-Straße 28 ist noch den ganzen Oktober zu sehen. Die Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags und samstags zwischen 10 und 15 Uhr. Sonntags sind die Bilder zwischen 13 und 17 Uhr zu sehen.

Trauer spiegelt sich in ihren Augen wider. Die Frau hinter der Mauer wartet. Auf ein besseres Leben? Oder auf eine bessere Regierung? „Warten“ heißt das Bild von Faisal Adil. Der aus dem Irak stammende Künstler stellt bis zum Monatsende in den früheren Räumen von Optik am Schloss an der Fürst-Wilhelm-Straße aus.

Die leerstehenden Ladenräume haben Beatrix Speker aus Sigmaringendorf und die Integrationsbeauftragte Claudia Lamprecht zusammen mit den Künstlern zu einem Galerie umgemodelt. „So etwas fehlt in Sigmaringen“, bemerkt die Besucher Doris Kurz, die zusammen mit 20 weiteren Gästen die Vernissage am Montagabend verfolgt.

Jahrelang hat Beatrix Speker im Auftrag des Landratsamts in Flüchtlingsunterkünften gearbeitet. Erst im Gelben Haus, später im Fürstenhof. Hier hat sie den Musiker Ahmed Khidhir und den Maler Faisal Adil kennengelernt. Der aus dem Irak stammende Adil lebt seit knapp vier Jahren in Deutschland. Der 40-Jährige ist von der Gemeinschaftsunterkunft zwischenzeitlich in eine Wohnung nach Bingen umgezogen.

„Das Malen ist mein Hobby“, sagt er. Es ist für ihn Katalysator. Es gibt seinem Leben in Deutschland eine Struktur. Beatrix Speker lässt durchblicken, wie schwer es ist, für die anerkannten Flüchtlinge eine Arbeitsstelle zu finden. Ein Jahr war lang war Adil an der Bertha-Benz-Schule im Rahmen eines Jugendleiterprogramms unterstützend als Lehrer tätig. Entlohnt wurde er wie ein Ehrenamtlicher und war deshalb weiter auf die Unterstützung des Jobcenters angewiesen. Seinem Landsmann Ahmad Khidhir, der die Eröffnung musikalisch begleitet, ergeht es ähnlich.

Die ausgestellten Bilder vermitteln einen Eindruck, wie es im Inneren des Irakers aussieht. Manchmal sehnsuchtsvoll, manchmal traurig, manchmal hoffnungsfroh – wie das Bild von der Frau hinter der Mauer, das trotz seiner Traurigkeit eine gewisse Zuversicht ausstrahlt. Sie glaubt an ein besseres Leben, wie auch der Maler selbst. In neueren Bildern kommt seine aktuelle Heimat vor. Das Schloss. Inmitten von Schneegestöber. „Ich liebe Schnee, im Irak gibt es das nicht“, sagt der Künstler.

Die Ausstellung in den Ladenräumen an der Fürst-Wilhelm-Straße 28 ist noch den ganzen Oktober zu sehen. Die Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags und samstags zwischen 10 und 15 Uhr. Sonntags sind die Bilder zwischen 13 und 17 Uhr zu sehen.

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