Die Fidelisverehrung in Sigmaringen hat eine wechselvolle Geschichte

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Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beteiligt sich an der Fidelisprozession 2009.
Erzbischof Dr. Robert Zollitsch beteiligt sich an der Fidelisprozession 2009.
Schwäbische Zeitung

Der 24. April, der Namenstag des heiligen Fidelis, wird seit dessen Seligsprechung 1729 und Heiligsprechung 1746 in Sigmaringen feierlich begangen. Der besonderen Verehrung, die der Erstlingsmärtyrer des Kapuzinerordens und der Propaganda Fide in seiner Vaterstadt zuteil wurde, vermochte dank des Schutzes des angestammten Fürstenhauses selbst die kirchliche Aufklärung keinen Abbruch tun.

Von unserem Mitarbeiter  Dr. Otto Becker

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden am Fidelistag neben feierlichen Gottesdiensten, zu denen zumeist bedeutende Prediger gewonnen werden konnten, auch jeweils große Prozessionen durch die Stadt veranstaltet. An diesen nahmen neben den zahlreichen Gläubigen die Ortsgeistlichen, die Franziskaner von Gorheim, die Zöglinge des Fideliskonvikts, die Kreuzschwestern aus dem Haus Nazareth, die Strohdorfer Schwestern, die Schwestern der christlichen Liebe, die Schüler des Hedinger Gymnasiums und der katholischen Volksschule, die Vertreter der Behörden und die katholischen Vereine der Stadt teil. Mitgeführt wurden dabei Reliquien des Heiligen, darunter das kostbare Armreliquiar und die Wiege des Stadtpatrons, die heute im Fidelisaltar der Pfarrkirche St. Johann aufbewahrt werden.

Der Fidelistag war offizieller Feiertag und vermochte diesen Charakter bis 1937 zu behaupten. Danach fanden bis 1944 am Fidelistag jeweils am Abend Gottesdienste mit Prozessionen im unmittelbaren Umkreis der Pfarrkirche St. Johann statt. In der Nachkriegszeit konnte an die Tradition der Fidelisprozessionen wieder angeknüpft werden. Doch alsbald musste auch dieses religiöse Fest dem Zeitgeist Tribut zollen.

Seit 1954 nicht mehr als kirchlicher Feiertag unter staatlichen Schutz gestellt, behielt der 24. April in den folgenden Jahren mit der Billigung des Landratsamtes und des Bürgermeisteramtes in Sigmaringen wenigstens den Charakter eines lokalen kirchlichen Feiertages mit Feiertagsruhe. Doch auch diese Regelung währte nicht lange. Ab 1968 wurde der Fidelistag jeweils auf den Sonntag nach dem 24. April verlegt.

Neuer Zeitgeist

Der Zeitgeist und nicht zuletzt auch Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) veränderten schließlich auch das überkommene religiöse Brauchtum am Fidelistag selbst. So wurden ab 1966 anstelle der Prozessionen mit den Reliquien Lichterprozessionen veranstaltet. Von 1971 bis 1978 fand das Fidelisfest zwar wieder jeweils am 24. April statt, doch abends ohne Lichterprozession. Der 24. April wurde zum Gedenktag des heiligen Fidelis; die Gestaltung des Fidelisfestes erlebte eine Experimentierphase. So erhielten die Teilnehmer beim Gottesdienst am 24. April 1972 in St. Johann den Segen mit der in Feldkirch verwahrten Haupt-Reliquie des heiligen Fidelis. Der Fidelisgedenktag 1975 stand unter dem Zeichen der Ökumene.

Keinem der vielen Ansätze zur Neugestaltung des Fidelisfestes war ein dauerhafter Erfolg beschieden. Am 24. April 1979 fand nach langer Abstinenz schließlich wieder eine Prozession statt, jedoch in neuer Form. Damals versammelten sich die Gläubigen der drei Sigmaringer Pfarreien abends am Fidelishaus, wo die Feier mit dem Fidelislied begonnen wurde. Es folgte ein Schweigemarsch durch die Fußgängerzone zum Saible-Eck, wo auf der Fideliskanzel das Wort Gottes verkündet wurde. Nach dem Credo bewegte sich der Zug zur Pfarrkirche St. Johann zur Feier der heiligen Eucharistie. In ähnlicher Form fand die Fidelisprozession auch in den folgenden Jahren statt.

Seit 1992 werden am 24. April nach dem Gottesdienst in St. Johann wieder Lichterprozessionen abgehalten. In den vergangenen Jahren hat das Fidelisfest durch die Teilnahme höchster geistlicher Würdenträger – es soll hier nur an Erzbischof Robert Zollitsch von Freiburg und an den in Sigmaringen geborenen Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann, erinnert werden -- eine eindrucksvolle Aufwertung erfahren. Am 24. April dieses Jahres wird Erzbischof Jean Claude Périsset, apostolischer Nuntius in Deutschland, mit den Sigmaringern das Fest des heiligen Fidelis feiern. Zum Pontifikalamt um 19 Uhr in St. Johann und zur Lichterprozession sowie zum Empfang der Kirche in der Portugiesischen Galerie des Schlosses sind die Bürger der Stadt und des Umlandes eingeladen.

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