Die ersten Mariphil-Kinder machen ihren Abschluss

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 Jinky Grace Fernandez (Mitte) hat als eine der ersten den Uniabschluss mit Hilfe von Mariphil geschafft.
Jinky Grace Fernandez (Mitte) hat als eine der ersten den Uniabschluss mit Hilfe von Mariphil geschafft. (Foto: Mariphil)
Redakteurin Sigmaringen/Rund um Sigmaringen
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Vor 18 Jahren hat sich das Hilfsprojekt Mariphil gegründet und trägt seitdem auf den Philippinen unter anderem dafür Sorge, dass Kinder aus bedürftigen Familien Zugang zu Bildung bekommen. In der Zwischenzeit haben die ersten von ihnen ihren College-Abschluss gemacht. Eine von ihnen ist die 21-jährige Jinky Grace Fernandez.

Sie sei von Anfang an durch Mariphil betreut worden, erläutert der Vorsitzende Martin Riester. Durch die finanzielle Unterstützung habe sie ihre schulische Laufbahn abschließen können. Die Philippinen bilden ihre Kinder nach dem amerikanischen System aus. Das heißt, dass nach der Elementary School, die sechs Jahre dauert, die Highschool und im Anschluss das College folgen. Zum Vergleich: Der Highschool-Abschluss entspricht laut Riester etwa der mittleren Reife. Der Aufbau sei mit dem deutschen Bildungssystem nicht vergleichbar, so Riester: „Es ist sehr theorielastig, deshalb ist die Effizienz fragwürdig.“

Bildung ist Ausweg aus der Armut

Doch dieses Schulsystem bietet dennoch einen Ausweg aus der Armut. Aber weil das Studium umgerechnet 150 Euro monatlich kosten, sei das für viele Eltern unleistbar. Manche, sagt Riester, haben lediglich 50 bis 100 Euro im Monat zur Verfügung, teils um eine achtköpfige Familie zu ernähren. Manche verkauften deshalb sogar ihr Land, um dem Nachwuchs diese Bildung zu ermöglichen, häufig mit fatalen Konsequenzen, wie Riester erläutert: „Die Jugendlichen fangen dann ihr Studium an, dann geht das Geld der Eltern aus und die Schüler müssen ihr Studium wieder abbrechen. Aber das Land ist weg.“ Eine ausweglose Situation für die Philippiner. 

Jinky Grace Fernandez’ Schulausbildung wurde daher von Mariphil unterstützt – ein Kind pro jeweiliger Familie bekomme diese Chance. Damit die Angehörigen auch etwas davon haben, sei die ganze Familie zusätzlich krankenversichert, sagt Riester. Fernandez’ Traum sei es von Anfang an gewesen, Lehrerin zu werden. „Das ist sinnvoll, es ist Bedarf da“, fügt Riester an. 

Abwanderung ist ein Problem

Viele, und das sei ein Problem, wollten Fächer wie Hotel- und Restaurantmanagement studieren, womit die jungen Menschen aber oft nicht, wie erträumt, in luxuriösen Hotelanlagen arbeiten, sondern in Absteigen. Genauso skeptisch ist Riester, wenn junge Frauen Krankenschwestern werden wollen, um nach ihrem Abschluss in Deutschland zu arbeiten. Das sei zwar für die Frauen eine gute Option, aber „es ist sinnvoller, wenn die Absolventen ihr eigenes Land von unten aufbauen“, so Riester. 

Jinky Grace Fernandez hat ihren Traum nun erreicht, genauso wie eine handvoll anderer junger Menschen, die von Mariphil bis zu ihrem Collegeabschluss begleitet wurden. Die 21-Jährige arbeitet nun als Lehrerin dort, wo sie früher selbst Schülerin war. „Sie ist dankbar und die Familie sehr stolz“, sagt Riester, der Fernandez erst vor Kurzem besucht hat. Die junge Frau wisse, woher sie komme und kenne die Probleme der Menschen. „Jetzt kann sie mit diesem Bewusstsein Schülern Bildung vermitteln“, sagt der Mariphil-Vorsitzende.

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