Die Darmspiegelung als Lachnummer

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 Heinrich del Core berichtet zur Erheiterung des Publikum von der schwarzen Mamba - einer Darmspiegelung.
Heinrich del Core berichtet zur Erheiterung des Publikum von der schwarzen Mamba - einer Darmspiegelung. (Foto: Fotos: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

SWR1 Baden-Württemberg und die „Schwäbische Zeitung“ haben mit ihrem zwölften Comedy- und Kabarettfestival „Baden-Württemberg macht Spaß“ gezeigt, was es in Sachen Humor Neues und Bewährtes gibt. Zwei Bühnen, drei Männer und eine Frau, die die Tücken des Alltags, aber auch die politischen Eskapaden in den Fokus rückten: Heinrich del Core, Anny Hartmann, Michael Mittermeier und Christoph Sonntag.

SWR1-Moderatorin Stefanie Anhalt meinte, sie habe vor drei Jahren Michael Mittermeier verpasst und freue sich deshalb besonders auf ihn. Sie lobte auch das Publikum: „Sie sind immer so nett in Sigmaringen, und die Veranstaltung ist wunderbarer Weise immer ausverkauft.“ Für alle, die das Format noch nicht kannten, gab sie den Tipp, der Herde zu folgen. Der Wechsel der Bühnen in Stadthalle und Zelt gelang den Menschen aus nah und fern ohne Probleme. Zwischen den halbstündigen Programmpunkten blieb jeweils eine halbe Stunde Zeit, die zu Gesprächen oder zum Essen genutzt wurden. So konnte das Festival auch ein gesellschaftliches Ereignis werden.

Jeder Kabarettist blieb zwei Mal auf einer Bühne und präsentierte sein Programm. Wer wollte, konnte auch sitzen bleiben. So bekam man bei Heinrich del Core in der Stadthalle eine Variation zu sehen. Viele kennen bereits das bewährte Programm des Italo-Rottweilers, der mit „du, Schatz“ eheliche Zweisamkeit realistisch und gleichzeitig absurd darstellt. Als begnadeter Erzähler weiß der Schwabe in seinen roten Bühnenschuhen, dass der Mann seinen Rucolasalat nicht mal mit dem Ellenbogen vor seiner Ehefrau schützen kann und rät deshalb zum Kuscheln vor dem Essen. Auch das Thermomix-Drama wurde bei ihm zur bewährten Komödie. Eine Premierenvorschau bekam das Publikum als Zugabe, als er von der „schwarzen Mamba“ anschaulich und zum Bauch-Festhalten von seiner letzten Darmspiegelung berichtete. Die alt-rosa Hose mit dem Schlitz hinten brachte er gleich mit.

Michael Mittermeier trat James-Bond-like im schwarzen Anzug und Turnschuhen auf. Sein Comedykampf „Lucky Punch, die Todes-Wuchtl schlägt zurück“ erzählt nebenbei von den Unzulänglichkeiten des Mannes, der sich noch jung glaubt und nicht mal mehr von seiner elfjährigen Tochter ernst genommen wird. Der bekennende Bayer mischte die Seitenhiebe auf die Weltpolitik oder die Lehrer gekonnt mit komödiantischer Bühnenshow. Der Mikrofonhalter kann dann schon mal zum Nikolausstab werden und prangert den Missbrauchsskandal an: „Wer von euch Kindern möchte mal meinen Stab halten.“

Politik wird zum Kabarett

Noch politischer brachte es im Zelt Anny Hartmann auf den Punkt. Weil „so viele Politiker keine Politik mehr machen“ sei diese im Kabarett gelandet. Tief- wie Widersinniges breitete sie vor den Besuchern aus: „Das Wort Arbeitsplätze ist der beste Lobbytrick.“ Hier kennt sich die Volkswirtschaftlerin als Kabarettistin bestens aus. Irgendetwas müsse nicht stimmen, wenn das Erben nicht mehr als Glücks- sondern nur noch als Steuervorteil gesehen wird oder wenn Schwarzfahrer ins Gefängnis gesteckt werden und die Automobilindustrie für jegliches Tun gehätschelt wird. Ihr Programm regt zum Nachdenken an, das Lachen blieb bei so viel Realität schon mal im Halse stecken und ihr erstmaliger Auftritt war an diesem Abend eine bereichernde Ergänzung.

Christoph Sonntag hingegen kam als gern gesehener Gast nach Sigmaringen zurück. Er war auch schon „unter all den anderen Holländern“ auf dem Campingplatz, suchte den Saarländer im Publikum oder zeigte, wie er mit Männerdutt aussieht. Wenn er aufklärt, dass das Wort Hipster für das schwäbische „Seckel“ steht, bleibt kein Auge trocken, auch nicht, wenn er vom Schicksal seiner Geige erzählt und gleich eine Kostprobe darauf gibt. Als Schwabe in Reinform ist er ein Publikumsliebling und bei aller Bissigkeit, zum Beispiel beim nachbarschaftlichen Grillen, Humanist auf der ganzen Linie. Am Schluss verschenkte er – schließlich war Muttertag – Schokoladentafeln und warb für sein Sozialprojekt „Stiphtung Christoph Sonntag“. Beim Signieren nahm er sich noch Zeit für Fans.

Das Publikum jeglichen Alters war begeistert und überzeugt: Die Mischung macht’s, auch wenn jeder für sich seinen eigenen Favoriten kürte.

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