Die Arbeit treibt Hermann Schwörer an

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Die Arbeit treibt Hermann Schwörer an
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Eine halbe Stunde hat Hermann Schwörer für das Gespräch eingeplant. Auf dem Kaffeetisch in seiner Villa am Rande des Prinzengartens liegen zwei Broschüren auf den Besucher, die zu seinem 85. Geburtstag erschienen sind. Hier hat der langjährige Bundestagsabgeordnete und Gesellschafter der Schwörer-Haus-Gruppe sein Leben abgebildet. Zum Nachlesen.

Ehefrau Sophie schenkt Kaffee ein und der Beinahe-Jubilar beginnt zu erzählen. Zumindest an diesem Nachmittag beginnt das Leben in den 50er-Jahren, als Schwörer nach Sigmaringen kam. Eigentlich hätte der Jurist Diplomat werden sollen bis sein Bruder schwer beschädigt aus dem Krieg heimkehrte und die Familie nach Sohn Hermann rief, um in der Firma mit anzupacken. Die Brüder harmonierten prächtig: Hans war der Kaufmann mit technischem Hintergrund, Hermann der Verkäufer. „Mit den Leuten schwätzen konnte ich schon immer.“

Auch als die in Oberstetten auf der Alb (Landkreis Reutlingen) ansässige Firma in Sigmaringen einen Baustoffhandel eröffnete, war es die Aufgabe von Hermann Schwörer, neue Kunden zu gewinnen. Über die holperige Anfangszeit in der Kreisstadt sagt der Senior: „Zuerst hat man uns belächelt und dann habe ich gekämpft.“ Wegen der bescheidenen Zahlungsmoral der Kunden gab der Vater die Losung aus, selbst zu bauen – aus dem Baustoffhändler wurde ein Unternehmen, das Häuser baute und sich zu einem bedeutenden Fertighausunternehmen entwickelte. Zusammen mit seinem Neffen führt Hermann Schwörer bis heute die Unternehmensgruppe, die an acht Standorten in Deutschland 1850 Mitarbeiter beschäftigt. Geschäftsführerender Gesellschafter steht auf seiner Visitenkarte.

Schwörer hat jeden Tag Termine

Sophie Schwörer schenkt Kaffee nach und sagt einen wichtigen Satz: „Er macht total durch, bis an sein Lebensende.“ Mit seinem morgigen 90. Geburtstag wird sich an dieser Haltung nichts ändern. Die Arbeit motiviert Schwörer, jeden Tag aufzustehen. „Das Unternehmen profitiert von meinen Kontakten.“ Erst vor wenigen Tagen hatte Schwörer Termine in Berlin. In Ahrensfelde unterhält die Firma eine Niederlassung, die Badezellen als fertig eingerichtete Bäder unter anderem für Hotels und Pflegeheime herstellt. Beim Tropical Island, einem Freizeitpark in Brandenburg, wollen Investoren aus Malaysia ein Hotel errichten. Schwörer möchte ihnen Bäder verkaufen und versucht über seinen Bekannten, den dortigen Abgeordneten, das Geschäft einzufädeln.

Die Politik ist ihm nicht mehr so wichtig

Die Politik streift Schwörer in dem Gespräch nicht ohne Grund nur kurz. Sein Abschied aus dem Bundestag liegt mehr als 20 Jahre zurück. Schwörer beschäftigt sich seither überwiegend mit dem Unternehmen, weshalb er anders als so mancher Altersgenosse weniger in der Vergangenheit schwelgt. Schwörer lebt vielmehr in der Gegenwart und noch mehr in der Zukunft.

Die Ehefrau schlägt den Terminkalender auf, um den Alltag zu demonstrieren. Am Rande der Berliner Geschäftsreise hatte das Paar einen Termin beim Sekretär des Botschafters von Papst Benedikt, dem Nuntius. Mit ihm sprachen sie über ihre Rom-Reise, die am gestrigen Sonntag begonnen hat. Über einen ehemaligen Pfarrer der Heimatstadt Sophie Schwörers, der mittlerweile in Rom arbeitet, ist es dem Paar gelungen, eine Einladung für die Generalaudienz des Papstes an diesem Mittwoch zu erhalten. Und zwar in der prima fila, der ersten Reihe, von der aus eine persönliche Begegnung mit Benedikt möglich ist. Die Schwörers sagten die in der Stadthalle geplante Geburtstagsfeier ab und wollen sie im September nachholen. Überhaupt schmiedet das Paar Zukunftspläne. „Den 95. Geburtstag schafft mein Mann hundertprozentig und den Baum für den 100. habe ich bereits ausgesucht“, sagt die Ehefrau.

Hermann Schwörer blickt auf die Uhr. „Ich muss noch was schaffen.“ Aus dem geplanten halbstündigen Interview sind nahezu zwei Stunden geworden.

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