Deswegen pflanzt Mariphil 17 000 Bäume für ein Kinderdorf

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Falcata-Bäume, deren Holz Mariphil verkauft, sind die am schnellsten wachsenden Bäume der Welt: Diese Exemplare, die Martin Ries
Falcata-Bäume, deren Holz Mariphil verkauft, sind die am schnellsten wachsenden Bäume der Welt: Diese Exemplare, die Martin Riester umarmt, sind erst etwa vier Jahre alt. (Foto: Mariphil)
Redakteurin Sigmaringen/Rund um Sigmaringen

Manchmal muss eine Idee scheitern, um sich zu verbessern. Genauso erlebt haben es die Mitglieder des Hilfsprojekts Mariphil, das 2001 in Gutenstein gegründet wurde und armen Menschen auf den Philippinen helfen möchte. War das Mariphil-Projekt „Bäume für Bildung“ ursprünglich ökonomisch gedacht und sollte kurzfristig Ertrag für das Mariphil-Kinderdorf erwirtschaften, hat es inzwischen als „100 000 Bäume für den Klimawandel“ auch den Umweltschutz vorgenommen. Martin Riester, Vorsitzender von Mariphil, fasst das Motto zusammen: „Wir können zwar nicht die Welt retten, aber einer muss ja damit anfangen.“

Falcata-Bäume wachsen rasant

Doch ursprünglich ging es nicht darum, sondern um Bananen und Kaffee. Beides pflanzten die Mariphil-Mitarbeiter, Praktikanten und Menschen vor Ort, um kurz- und mittelfristig Ertrag für das Kinderdorf (siehe Infokasten) zu generieren. Hinzu kamen Falcata-Bäume, die schnellst wachsenden der Welt, die nach wenigen Jahren bereits über 20 Meter hoch sein können. Das Holz sollte laut Riester veräußert werden.

Während der Verkauf der Bananen und des Holzes funktionierte, scheiterte es am Kaffee. „Wir hatten keinen Experten und es war zu viel Schatten dort, es hat einfach nicht hingehauen“, erinnert sich Riester. Und auch die Monokulturen könnten ein Problem darstellen, denn sie laugten langfristig den Boden aus.

Klimawandel setzt den Philippinen zu

Also, sagt Riester, seien junge Aktive von Mariphil auf die Idee gekommen, Mischkulturen zu pflanzen. Neben den Falcata-Bäumen kamen unter anderem auch Mahagoni und Nara dazu, sodass sich der Wald zu einem Mischwald entwickelt und sich der Boden erholt. Ein weiterer Vorteil ist, dass Mischwälder bei Winden stabiler seien, sagt Riester. Der Klimawandel mache sich auf den Philippinen stärker bemerkbar als in anderen Ländern, die Regenperioden seien willkürlicher und die Taifune stärker. Ein Mischwald könne dem besser standhalten. 

17 000 Bäume stehen inzwischen auf 18 Hektar Land. Dieses Land stamme häufig von Menschen, die es aufgrund der wirtschaftlichen Lage verkaufen. „Es ist oft ungenutzte Fläche, auf denen früher alles Regenwald war“, erläutert Riester. Doch durch die Kolonisation sei riesiges Areal zerstört worden. Lange habe dort nur Elefantengras, das so groß ist, dass es andere Pflanzenarten komplett verdränge, so der Vorsitzende. Die aufgekauften Flächen mussten also zuerst vom Gras befreit werden, um Baumsetzlinge zu pflanzen – ein Erfolg.

Wald soll langfristig Geld für Kinderdorf erwirtschaften

Und auch die Philippiner werden eingebunden, betont Riester. Diese können weiter auf ihrem Land wohnen, es bewirtschaften und ihre Kleintierzucht weiterbetreiben. Sie passen im Gegenzug auf, dass niemand illegal Holz in den Wäldern von Mariphil schlägt. 

Kurzfristigen Ertrag gibt es so zwar nicht, aber einen langfristigen: Mariphil habe vor, auf CO2-Zertifikate zu setzen und so einerseits Geld für das Kinderdorf zu gewinnen, andererseits aber auch einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Doch bis tatsächlich finanziell etwas herausspringt, dauert es laut Riester noch mindestens fünf, eher zehn Jahre. Erst muss der Wald noch etwas mehr wachsen. Nur die Falcatas lassen sich regelmäßig fällen und verkaufen, sagt Riester – ein erster Schritt.

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