Der Tablet-PC setzt zusätzliche Kräfte frei

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Dominik (vorne) und sein Nebensitzer sind ganz in die Arbeit am I-Pad vertieft. (Foto: Christoph Wartenberg)
Christoph Wartenberg

Dominik ist begeistert: So macht der Matheuntericht viel mehr Spaß. Konzentriert beugt sich der Zehnjährige über sein iPad und löst Rechenaufgaben. An der Lassbergschule für Kinder mit Behinderung wird getestet, wie sich die praktischen Tablet-Computer im Unterricht einsetzen lassen. Der Fachmann bei diesem deutschlandweit einzigartigen Projekt ist der Sonderschullehrer Igor Krstoski, der auch an mehreren Pädagogischen Hochschulen Lehraufträge für diesen Bereich hat.

Es gibt inzwischen zahlreiche sogenannte Apps (kleine Computerprogramme für Smartphones und Tablet-PCs), die für Schüler mit Behinderung als Lernhilfe einsetzbar sind. „Viele der Kinder leiden unter motorischen Einschränkungen, da ist die leichte Bedienbarkeit der iPads eine große Hilfe“, sagt Krstoski. Die Geräte haben eine Schutzhülle gegen Schmutz und Beschädigung, die auch das US-Militär verwendet. Wenn also eines der teuren Geräte hinfällt, passiert in der Regel nichts.

Die PCs funktionieren drahtlos, der Lehrer kann über einen Projektor das Bild der Aufgabe an die Wand werfen. Die Schüler können das Gerät durch seine hohe Mobilität auch an verschiedenen Stellen des Raums nutzen. „Manchmal legen wir das iPad mit einem Keil auf den Boden, da die Schüler eine andere Körperhaltung einnehmen sollen“, erklärt Krstoski. Für jeden Schüler lässt sich der Schwierigkeitsgrad individuell einstellen. Durch die leichte Bedienbarkeit spart der Schüler überdies geistig-körperliche Kräfte, die er in den Lernfortschritt investieren kann.

Begleitet wird Krstoski von Raphael Wangler, der an der PH Reutlingen seine Examensarbeit über den Einsatz von iPads im Sonderschulunterricht schreibt. „In den USA ist diese Art von Unterricht bereits etabliert, die Herstellerfirma unterstützt das auch massiv“, weiß Wangler. Da die Geräte relativ teuer sind, wird das Projekt an der Lassbergschule von den Radio-7-Drachenkindern und das PH-Projekt von der Heidehoch-Stiftung unterstützt. „Sollten diese Geräte flächendeckend angeschafft werden, müssten sich die Eltern wohl an der Finanzierung beteiligen“, meint Wangler.

„Der Tablet-PC spricht viele Sinne an, das hilft beim Lernen“, erläutert Krstoski, „die Kinder erfahren die Aufgaben und ihre Lösungen visuell, akustisch und durch Berührung.“ Es gibt auch diverse Zusatzartikel, die den Einsatz der Geräte bei verschiedenen Behinderungen möglich machen. So gibt es für Kinder mit verkrampften Händen eine Art künstlichen Finger, mit dem die berührungsempfindliche Bildschirmoberfläche bedient werden kann, oder einen größeren Taster, den man zum Umblättern und Ansteuern benutzen kann. „Das iPad kompensiert verschiedene Behinderungen, Schüler die nicht sprechen können, bekommen ein Programm, mit dem sie sich über Symbole artikulieren können. Wir werden bei der Imta am Donnerstag einen Verkaufsstand haben, an dem ein Schüler das nutzt und Dinge über das iPad verkauft.“

Der Unterricht mit dem I-Pad ist ein Ergänzungsunterricht, der in Fächern wie Deutsch oder Mathematik neben dem konventionellen Unterricht erteilt wird. Dabei gewinnen die Lehrer Erkenntnisse, die in künftige Unterrichtskonzepte einfließen können.

Die Schule benutzt die relativ teuren iPads, weil diese eine umfangreiche Infrastruktur mit zahlreichen ausgereiften Apps bieten und eine ständig aktualisierte Software haben. Es gibt zwar wesentlich billigere Geräte, die aber nicht auf dem aktuellen Stand sind.

Igor Krstoski stellt auf seinem Blog eine Vielzahl von ihm getesteter Apps vor und gibt Hinweise und Links unter der Adresse

uk-app-blog.blogspot.de

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