Kommt aus Berlin und spricht in Sigmaringen: Der Internet-Blogger Sascha Lobo erklärt Unternehmern, was Daten mit ihren Firmen
Kommt aus Berlin und spricht in Sigmaringen: Der Internet-Blogger Sascha Lobo erklärt Unternehmern, was Daten mit ihren Firmen machen können. (Foto: Fotos: Thomas Niedermüller)
Redaktionsleitung

Wo führen Internet und Smartphone die Menschheit hin? Der Blogger und Autor Sascha Lobo hat auf Einladung des Unternehmerverbandes des Landkreises Sigmaringen versucht, seinen Zuhörern in der Stadthalle in Sigmaringen die Augen zu öffnen.

Lobo schreibt auf „Spiegel online“ wöchentlich die Kolumne „Die Mensch-Maschine“. Der 43-Jährige, der seine Frau über Twitter kennenlernte, skizzierte die Internetwelt differenziert. Der Präsident des Unternehmerverbandes Klaus Erkes fasste den Vortrag so zusammen: „Ich habe Sie eher kritisch als euphorisch erlebt.“

Einmal jährlich treffen sich die Mitglieder des Unternehmerverbandes in Sigmaringen zum sogenannten Stelldichein. Nach Schiedsrichter Urs Meier, der über schnelle Entscheidungen referierte, und Rhetorik-Trainer Rolf H. Ruhleder sprach Lobo nun über das Internetzeitalter, das die Welt verändern wird wie keine Technologie zuvor.

Innerhalb von nur zehn Jahren sei das Smartphone der Lebensmittelpunkt einer Generation geworden, so Lobo. „Ich wette mit Ihnen, dass in diesem Raum mehr Smartphones als Menschen sind“, sagte er zu den 200 Zuhörern. Das Smartphone sei die Basis des exponentiellen Wachstums des Internets.

Lobo sprach von einer Produktverschiebung von der Hardware über die Software hin zur vernetzten Software. Beispiel: Das Android-Betriebssystem von Google erreiche weltweit einen Marktanteil von nahezu 80 Prozent. Das Handy sei für die Benutzer nur noch eine Hülle, wichtig sei ihnen die vernetzte Software.

„Daten können Unternehmen auf den Kopf stellen“

An die Unternehmer gerichtet sagte Lobo: „Daten können Unternehmen auf den Kopf stellen.“ Als Beispiel nannte er eine Handy-App, die zur Schwangerschaftsverhütung mithilfe von Temperatursensoren über die Körpertemperatur von Frauen Buch führt und so die Anti-Babypille ersetzen könne. Man kann sich vorstellen, was dies mit der Pharmaindustrie macht, wenn sich die App durchsetzt. Anderes Beispiel: „Es scheint, als habe die Datenbegeisterung der Menschen keine Grenze“, so Lobo. Anders sei es nicht zu erklären, dass auf www.hulahq.com Menschen ihre Geschlechtskrankheiten hochladen und mit Freunden teilen.

Wer Daten besitzt und klug auswertet, der hat im Internetgeschäft die Nase vorn. Auf diese Weise ist Amazon zum größten Batteriehersteller (richtig Hersteller, nicht Händler) und zweitgrößten Windelhersteller in den USA geworden. Lobo berichtete von vernetzter Software, die Drohnenbilder von Baustellen auswerte und so die Produktivität von Arbeitern bestimme. Auf diese Weise könnte festgestellt werden, wer Alkohol getrunken habe.

Unternehmer müssten sich die Frage stellen: „Welche Datenströme wollen wir auswerten und welche nicht.“ Die unternehmerischen Entscheidungen bestimmten, in welcher Welt die Menschen künftig lebten.

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