Der Kreis stellt auf die digitale Alarmierung um

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Links das alte Modell, rechts das neue: Über digitale Piepser können auch kurze Nachrichten verschickt werden. (Foto: Claudia Rummel)
Schwäbische Zeitung
Claudia Rummel

Noch werden die Feuerwehrmänner und die Mitarbeiter der Hilfsdienste bei einem Notfall über analoge Technik verständigt. Das soll sich ändern. Der Kreis Sigmaringen baut ein digitales Funknetz auf. Auch die Meldeempfänger, also die Piepser, werden dann erneuert und durch digitale Geräte ausgetauscht. „Wir können dadurch viel gezielter alarmieren“, sagt Kreisbrandmeister Michael Hack.

Die Ehrenamtlichen können in Gruppen eingeteilt werden, beispielsweise Personen, die nur vormittags Zeit haben oder nur Abends, und natürlich nach Funktionen wie Atemschutzträger. Das macht die Alarmierung zwar komplizierter, dafür aber auch genauer. „Wir müssen die drei- bis vierfache Anzahl alarmieren als wir brauchen“, sagt Hack zur momentanen Situation. Denn durch die Arbeit sind viele nicht vor Ort. Noch ein Vorteil der digitalen Geräte: Es können kurze Nachrichten übermittelt werden. Auf dem Display erscheint beispielsweise die Adresse des Unglücksortes oder weitere Angaben zum Unfall.

Für die neue Technik muss zunächst ein digitales Funknetz aufgebaut werden. Das ist Aufgabe des Landkreises. Es soll aus rund 40 Masten bestehen. Das dichte Netz ist nötig, um jeden zu erreichen. „Allerdings wird kein neuer Standort aufgebaut, sagt Hack. Die „digitalen Alarmsetzer“ sollen an Feuerwehrgerätehäusern, Wasserbehältern oder Rathäusern mit Sirene angebracht werden, also überall dort, wo auch jetzt bereits eine Funkanlage angebracht ist. Diese werden dann umgerüstet oder zusätzlich mit dem digitalen Funk ausgestattet. Der Kreis rechnet für das Funknetz mit Kosten von maximal 600 000 Euro, sagt der Erste Landesbeamte Rolf Vögtle.

Die Kosten für die Piepser müssen die Gemeinden tragen. Einer kostet zwischen 250 und 350 Euro, je nach Ausstattung. Um die finanzielle Belastung gering zu halten, haben sich alle Gemeinden und Hilfsorganisationen zusammengeschlossen und kaufen die Piepser gemeinsam. Dadurch können sie einen besseren Preis erzielen.

Nicht jeder Feuerwehrmann und jeder Ehrenamtliche eines Hilfsdienstes erhält einen Piepser. Einige Gemeinden bleiben weiterhin bei der Alarmierung über die Sirene im Dorf. Doch auch diese verringern sich. Aktuell seien noch 70 Sirenen in Betrieb, nach der Umstellung auf das digitale Funknetz seien es noch 36, sagt Hack.

Für die Ausschreibung des Funknetzes hat sich der Kreis Sigmaringen mit Ravensburg zusammengeschlossen, denn auch Ravensburg muss sein Netz erneuern. Zudem wird sichergestellt, dass im Bereich der integrierten Rettungsleitstelle ein einheitliches System herrscht. Die Technik soll zudem an die des Bodenseekreises angepasst werden. Dort wurde das digitale Funknetz vor drei Jahren erneuert. Dadurch steht einem möglichen Zusammenschluss der Rettungsleitstellen in Zukunft nichts im Weg.

Die Ausschreibung soll noch in diesem Jahr erfolgen. Kreisbrandmeister Hack hofft, die neue Technik im Herbst 2014 testen zu können. Bis 2015 soll der gesamte Kreis umgestellt werden. Ist es soweit, bleibt das analoge Netz aber weiter bestehen. Darüber soll der Sprechfunk stattfinden.

„Wir trennen das Alarmierungssystem vom Sprechfunk“, sagt Hack. Im analogen Netz kann der Sprechfunk nicht verwendet werden, wenn die Leitstelle gerade alarmiert und umgekehrt. Das ist ein Problem. Denn der Hilfsdienst funkt nach Alarmierung in die Rettungsleitstelle um weiter Informationen zu dem Unglück zu erhalten. Künftig läuft beides getrennt voneinander in verschiedenen Netzen.

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