Der Kreis Sigmaringen soll einen Partybus bekommen

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Startschuss für den Infrastrukturatlas, der nun online ist. Auf dem Bild: Der Erste Landesbeamte Rolf Vögtle (links) und Bernd R
Startschuss für den Infrastrukturatlas, der nun online ist. Auf dem Bild: Der Erste Landesbeamte Rolf Vögtle (links) und Bernd Rittmeier, Projektinitiator vom Bundesverkehrsministerium. (Foto: Anna-Lena Buchmaier)

Eine Abschlussveranstaltung steht meist am Ende eines Projekts – nicht so bei Modavo (Modellvorhaben Mobilität und Daseinsvorsorge), dessen Förderperiode vom Bund zwar Ende Juli endet, aber dann erst so richtig in der Praxis erprobt werden kann. In Sachen Daseinsvorsorge und Erreichbarkeit von Versorgungszentren wurden etliche Strategien angedacht und teilweise bereits umgesetzt – so soll es bald einen Partybus für den Landkreis geben. Ziel des Projekts ist es, die Infrastruktur und Lebensqualität im Kreis zu verbessern.

Der Landkreis Sigmaringen wurde als einer von 17 Landkreisen und der einzige in Süddeutschland ausgewählt, um in einer zweijährigen Pilotphase Ideen zu entwickeln, dem demografischen Wandel im ländlichen Raum gerecht zu werden und entgegen zu wirken. Vom Bund gab es dafür 350 000 Euro. Verantwortliche von Bund, Landratsamt und Frauenhoferinstitut – als wissenschaftliche Begleiter des Projekts – haben am Donnerstag im Landratsamt Bilanz gezogen und erläuert, worin investiert wurde, und welche Folgeprojekte sich ergeben könnten.

Was wurde gemacht?

Anhand von Workshops, Bürgerbefragungen, Treffen mit Bürgermeistern und unter Berücksichtigung von Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung wurden nicht nur einzelne kleinere Projekte angeregt, sondern auch ein Infrastrukturatlas für den Landkreis erstellt. Je nach eingestelltem Filter kann man beispielsweise selektieren, wo Bildungseinrichtungen angesiedelt sind, aber auch wie sich das Verhältnis zwischen junger und älterer Kreisbevölkerung entwickelt, wo die größten Arbeitgeber im Kreis niedergelassen sind oder wo die Pkw-Dichte am Höchsten ist. Auch die Infrastrukturschwerpunkte im Kreis können sichtbar gemacht werden. Fazit: Der Kreis Sigmaringen schrumpft und altert. Und die Kreisbewohner sind stark auf ein eigenes Auto angewiesen. Das soll sich ändern, so der Wunsch der Verantwortlichen, sinnvoll wäre ein Mix aus verschiedenen Mobilitätsangeboten.

Mit dem Atlas, in den 3000 Datensätze eingepflegt wurden, können Gemeinden beispielsweise Versorgungslücken oder Potenzial für Kooperationen erkennen. Der Datenpool soll weiter gepflegt werden. Dafür bedarf es auch künftig der Miteinbeziehung von Bürgern in Form von beispielsweise Bürgerdialogen.

Welches Projekt ist vielversprechend?

Eine Partybus-App für den Kreis soll bald in die Entwicklung gehen. Damit sollen Jugendliche und Erwachsene auf Abruf vom Feiern abgeholt werden können, Begleitperson und Security inklusive – etwa fünf Euro könnte eine Fahrt kosten. Es wäre denkbar, mit Veranstaltern von Partys zu kooperieren.

Welche Projekte wurden mit Zuschüssen unterstützt?

Zuschüsse gab es für Projekte der Alternativbeförderung, darunter den Bürgerbus Pfullendorf, den Rufbus Linzgau zur Anbindung der Herdwanger Bürger an die Regiobushaltestelle, ein Elektroauto für Car-Sharing in Ostrach und erweiterte Fahrzeiten für den Stadtbus Sigmaringen. Zudem werden „Regiomaten“ in der Region unterstützt, Automaten, mit denen Direktvermarkter wie Landwirte ihre Produkte, als Alternative zum Dorfladen, anbieten können.

Was lief anders, als erhofft?

Eine Kooperation mit der Mitfahrgelegenheits-App Flinc als Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs scheiterte bislang – ist aber noch nicht vom Tisch. Kurz bevor extra für die Betreuung der App eine Fachkraft eingestellt wurde, habe man laut Andreas Birkle vom Landratsamt bemerkt, dass die Deutsche Bahn als Kooperationpartner der App „Know-How“ aus der App „rausgekauft“ habe, was zu einer temporären „Schieflage“ der App führte. Mittlerweile stehe Flinc wieder gut da, Mercedes Benz wolle in die App investieren, weshalb den Verantwortlichender Plan, mit der App zusammen zu arbeiten, weiterhin attraktiv erscheint.

Was wären weitere Projekte für die Zukunft? Konkrete Vorschläge gab es weniger, eher vage Ratschläge wie die Einrichtung einer Mobilitätszentrale, die zielgruppengerecht Angebote bündelt und unter einer Nummer erreichbar ist. Damit Projekte zum Selbstläufer werden, brauche es aber einen „Kümmerer“, sei es gegen Bezahlung oder von öffentlicher Hand, um Aquise zu betreiben sowie stetige Mitarbeit aller Akteure, um Themen zu vernetzen und die Einbindung der Öffentlichkeit.

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