Das Trio Levantino bietet seinen Zuhörern einen lässigen Stilmix

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 Die Gruppe Levantino spielt mit Humor und etwas Melancholie.
Die Gruppe Levantino spielt mit Humor und etwas Melancholie. (Foto: Vera Romeu)
Vera Romeu

Die Band „Levantino“ ist nach fünf Jahren Pause wieder auf Tour, bestens aufgestellt und in absoluter Hochform. Die früheren Schulkameraden Michl Bloching am Akkordeon und Tom Wörndl an der Gitarre haben sich mit Max Hirning am Kontrabass und Sebastian Vötterl an der Elektronik zusammengefunden. Im Alten Schlachthof haben sie ein unterhaltsames und mitreißendes Konzert gegeben. Sie haben mit ihrer originellen Klangschrift ihr Publikum begeistert. Sie blickten mit Humor und einer Prise Melancholie auf die vielen früheren Konzerten, Tourneen und den Spaß, den sie dabei hatten, zurück und kündigen an, dass es nun recht unverhofft mit „Levantino“ weiter gehe. Sogar neue Aufnahmen wurden in Aussicht gestellt.

Der lässige Stilmix ist es, der Levantino ausmacht. Gypsi-Swing, Klezmer, Jazz, Filmmusik und Rock werden zusammen verwoben, verflochten und zu Neuem gestaltet. Die drei Musiker scheinen einem untrüglichen Instinkt freien Lauf zu lassen, wenn sie Musik gestalten. Sie interagieren, improvisieren, sind über Blickkontakt und gutes Feeling eng verbunden. Das reißt das Publikum mit, zieht es in seinen Bann, sorgt für Überraschungen. Die Klangfarben wechseln durch den Abend: Michl Bloching spielt das Akkordeon, aber auch feine Klarinette, die dunkle Bass-Klarinette und das Saxophon. Flink tauscht er während der Stücke die Instrumente aus. Und er singt. Er singt mit einer poetischen Stimme, voller Eindringlichkeit. Der Kontrabassist Max Hirning greift mal zur Gitarre, mal in die Tasten eines Mini-Klaviers. Gitarrist Tom Wörndl hat eine exzellente Stimme und macht immer wieder sein eigenes Ding, das die anderen untermalen. Und so verläuft der Konzertabend von Highlight zu Highlight; die Zeit verfliegt: Selbst Michl Bloching staunt darüber, dass schon das letzte Lied vor der Pause ansteht.

Die Emotionen schäumen bei der Klezmermusik auf

In der Klezmermusik fühlen sich die drei wohl. Die melancholischen Melodien, die sie in gekonnten Crescendi zu aufschäumenden Emotionen steigern und zu rockigen Klängen mutieren lassen, begeistern. Der Zärtlichkeit, die im Klezmer eingeschrieben ist, geben sie einen intensiven Raum. Das Tänzerische entfaltet seine Kraft und Freude. Mal beginnt der Kontrabass und streicht ein trauriges Lied voller Einsamkeit und Sehnsucht über die Saiten, begleitet von der flirrenden Gitarre. Dann übernimmt die Klarinette die Stimme und singt weiter, weich und jubelnd. Der unkonventionelle Einsatz der Instrumente bringt Farbe und Ausdruck in die Gestaltung.

Dann wechseln sie zu Jacques Brel und erfinden ihn neu. Michl Bloching singt das eindringliche Lied „Ne me quitte pas“ und verändert es mit Sprechgesangspassagen, mit modernem Tonfall und lässt den letzten Satz „où tu seras reine“ in der Schwebe. Blitzschnell greift er zum Saxophon und ersetzt die Pointe mit einer sinnlichen Melodie, die wie eine Hommage klingt.

„Wir wollten früher Filmmusik schreiben. Das wurde keine Erfolgsgeschichte“, berichtet Michl Bloching mit Humor.

Doch haben sie ein Stück geschrieben, das in einen Tarentino-Film passen würde, kündigt Bloching an. Klangvoll und dynamisch rasen die Gitarren von Max Hirning und Tom Wörndl durch eine imaginäre Kulisse. Michl Bloching erweitert den Klang mit seiner Stimme und öffnet den inneren Blick auf eine atemberaubende Landschaft. Effektvoll, emotional und farbenreich erklang dieses Stück.

Weil Klima-Tag war, setzte die Band Levantino darauf den Schlussakkord. „Ward ihr auch auf einer Demo?“, fragten sie in das Publikum hinein. Tom Wörndl hatte dazu ein bayrisches Lied geschrieben und widmete es der jungen Greta. „I glaub, s´isch scho z´spat“, sang er. Die anderen seien Schuld am Klimawandel. Doch am Ende merkt das singende Ich, dass es vielleicht doch auch eine Mitverantwortung trägt. Nach drei Zugaben schloss Levantino den Abend und dankte dem jubelnden Publikum.

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