Das sind die Bürgermeisterkandidaten und ihre Ideen

Lesedauer: 9 Min
Redakteur Krauchenwies und Inzigkofen

Ein Video von der Talkrunde sehen Sie unter www.schwaebische.de/

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Rund 700 Gäste haben sich bei einer Talkrunde der „Schwäbischen Zeitung“ am Dienstagabend ein Bild von Amtsinhaber Thomas Schärer und seinen beiden Herausforderern Marcus Ehm und Sevim Günaydin gemacht. Die drei Kandidaten für das Amt des Sigmaringer Bürgermeisters hatten rund zwei Stunden lang Gelegenheit, die Bürger von sich und ihren Vorstellungen für die Stadt Sigmaringen zu überzeugen. Wir geben einen Überblick über wesentliche Ideen und Differenzen.

Kultur in der Stadt: Bürgermeister Thomas Schärer kündigte an, die Gespräche mit dem Fürstenhaus bezüglich einer Nutzung des seit einiger Zeit geschlossenen Hoftheaters wieder aufnehmen zu wollen. „Ich spüre, dass der Wunsch in der Bevölkerung groß ist“, sagte er. Er hoffe auf fruchtbare Gespräche mit dem Fürstenhaus. Auch Marcus Ehm betonte, wie wichtig es für die Stadt sei, wieder ein Kino zu haben. Er sehe aber auch die Möglichkeit, dass ein privater Investor komme, der an einem anderen Ort ein Kino errichte. Von einem solchen Gebäude könnten aus seiner Sicht auch andere Kulturschaffende profitieren: „Ob beispielsweise der Alte Schlachthof noch zeitgemäß ist, müssen wir sehen“, sagte er. Sevim Günaydin sagte, sie höre seit 20 Jahren nur Beschwerden von Jugendlichen. „Nichts lebt hier in Sigmaringen. Es ist beschämend, dass es kein Kino gibt“, sagte sie. Eine konkrete Idee, wo und wie ein Kino entstehen könne, hatte sie aber nicht: „Dazu möchte ich heute nichts sagen.“

Nachmittagsbetreuung an Kindergärten und Schulen: Aus Sicht von Sevim Günaydin müssten die Kindergärten generell kostenfrei sein. Wie sie das bezahlen wolle, könne sie allerdings nicht sagen, nur soviel: „Es geht alles, wenn man will.“ Marcus Ehm warnte vor „blindem Aktionismus“ – er glaube aber, dass eine verstärkte Zusammenarbeit mit externen Kompetenzzentren wie etwa dem Haus Nazareth eine Möglichkeit sei, etwaigen Versorgungsengpässen Herr zu werden. Thomas Schärer betonte, dass die Stadt gut aufgestellt sei. Für jedes Kind von einem Jahr bis zur vierten Klasse könne eine Nachmittagsbetreuung gewährleistet werden. Dennoch frage die Verwaltung in regelmäßigen Abständen bei Eltern nach, wie der Bedarf aussehe.

Hotel: Thomas Schärer gab zu, das gewünschte Hotel mit mehr als 50 Betten in acht Jahren nicht erreicht zu haben. Das ärgere ihn selbst. Er setze seine Hoffnung aber nach wie vor in das ehemalige Schulungszentrum der Bundeswehr in der Vorstadt, das der GSW gehöre. „Ich will in den Gesprächen mit der GSW erreichen, dass das Hotel dort entsteht“, sagte er. Er höre auch von Seiten der Schlossverwaltung, dass sie bereit sei, „mehr in den asiatischen Markt zu gehen“. Aber auch dafür brauche es als Voraussetzung das große Hotel. Marcus Ehm sagte im Scherz, er habe die Vision eines Fünf-Sterne-Hotels für Sigmaringen, sei aber auch mit einem Drei-Sterne-Hotel zufrieden: „Klar ist: Wir brauchen einen großen Beherbergungsbetrieb.“

Innenstadtentwicklung: In seinem Wahlkampf-Flyer wirbt Marcus Ehm damit, die Parkplatzsituation und einheitliche Öffnungszeiten des Einzelhandels in den Blick nehmen zu wollen. Auf Nachfrage von SZ-Redaktionsleiter Michael Hescheler blieb er hier aber zurückhaltend. Die Parkplatzsituation sei gut, es gehe nur darum, Nuancen zu verbessern. So fehle es an Motorradparkplätzen und an behindertengerechten Parkplätzen. Ein zweites Parkhaus sei aber nicht sinnvoll. Einheitliche Öffnungszeiten im Einzelhandel könne die Stadt nun einmal nicht anweisen. Sevim Günaydin fragte ins Publikum, weshalb sich bei dem Thema „Einzelhandel in der Innenstadt“ eigentlich niemand wehre. Sie könne Läden wie Robben nicht mehr sehen: „Alles Asbach uralt“, schimpfte sie. Es sei kein Problem, beispielsweise das Modeunternehmen H & M von Sigmaringen zu überzeugen. Eine Antwort auf die Frage, wie sie das als Bürgermeisterin schaffen wolle, blieb sie allerdings schuldig. Thomas Schärer setzt seine Hoffnungen in das Fidelisquartier, den Bereich also an der Antonstraße zwischen dem Müller-Markt und dem Café Schön. „Ich habe die Hoffnung, dass die dortigen Immobilienbesitzer bereit sind, zu verkaufen“, sagte er. Sein Ziel sei es, dort großflächig neuen Einzelhandel anzusiedeln.

Hallenbad: Ungewöhnlich deutlich positionierte sich Thomas Schärer für den Bau eines neuen Hallenbads; und er hatte auch gleich einen Standort parat. So müsse das Bad aus seiner Sicht bei der Geschwister-Scholl-Schule entstehen. Für denjenigen Bürger, der das Hallenbad auch wolle, sei er die richtige Wahl. Schärer profitierte in diesem Punkt von Marcus Ehm, der zuvor keine klare Haltung zum Hallenbad eingenommen hatte. Ehm sagte, einerseits begrüße er ein neues Bad, machte aber auch deutlich, dass „die Folgekosten wirklich extrem sind“. Man müsse sich das schon sehr gut überlegen – und ein etwaiges Hallenbad womöglich auch eher von einem privaten Investor betreiben lassen, wie in Albstadt oder Bad Saulgau. Auf Nachfrage, ob er nun für ein neues Hallenbad sei oder nicht, sagte er: „Wenn es tragbar ist, dann ja – wenn es Quatsch ist, dann nein.“ Sevim Günaydin gab ein Bekenntnis zum Hallenbad ab. Ihrer Ansicht nach müsse es auf dem Kasernenareal gebaut werden.

Haus am Riedbaum: Die Wiederbelebung des ehemaligen Soldatenheims ist vielen Sigmaringern ein Anliegen. Thomas Schärer skizzierte die aktuelle Situation. So habe die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben der Stadt signalisiert, dass sie das Gebäude kaufen und dann weiterverkaufen könne. „Wir stehen in Verhandlungen mit dem Investor Cristian Lucaciu“, sagte Schärer. Doch ihm sei wichtig, dass das Haus am Riedbaum definitiv wieder der Bevölkerung zur Verfügung stehe – „mit Gastronomie und Veranstaltungssaal“. Das sei unabdingbare Voraussetzung, um mit Lucaciu zu einem Vertrag zu kommen. „Wenn mir das zugesagt wird, kann es sehr schnell gehen“, sagte der Bürgermeister. Während Günaydin keine Meinung zum Haus am Riedbaum hatte, schilderte Ehm seine Vision, dass es „möglicherweise auch als Haus der Vereine“ eine gute Verwendung finden könnte – sollten die Verhandlungen mit Lucaciu scheitern.

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