Das Ophelia-Ensemble präsentiert Dimitri Schostakowitsch

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 Vera Beikricher, Hans-Hinrich Renner, Chiaki Nagata und Lisa Livingston (von links) setzen Dimitri Schostakowitsch musikalisch
Vera Beikricher, Hans-Hinrich Renner, Chiaki Nagata und Lisa Livingston (von links) setzen Dimitri Schostakowitsch musikalisch und erzählerisch in Szene. (Foto: Gabriele Loges)

Das Ophelia-Ensemble hat im Rahmen des Kreiskulturschwerpunkts „Demokratie und Freiheit“ Werke des russischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch aufgeführt. Die Gesellschaft für Kunst und Kultur ermöglichte zusammen mit dem Kreiskulturforum dieses einmalige Projekt, das mit ideenreicher Interpretation der Stücke, aber auch mit politisch-biographischem Hintergrundwissen glänzte. Die Veranstaltung war bestens besucht. Es mussten noch Stühle in den Saal der Alten Schule hereingetragen werden.

Die Kammermusikformation mit Musikern aus der Region haben sich als Ophelia-Ensemble für diese besondere Darbietung zusammengefunden: Vera Beikricher (Violine), Lisa Livingston (Gesang), Chiaki Nagata (Klavier) und Hans-Hinrich Renner (Violoncello). Sie nannten sich nach den „Ophelia-Liedern“ von Dimitri Schostakowitch, die dieser 1967 nach den Gedichten von Alexandr Blok komponierte. Die Hommage auf Dimitri Schostakowitsch, der 1906 in St. Petersburg geboren wurde und 1975 in Moskau starb, zeigte gleichzeitig die Verwobenheit von Kunst, Künstlerbiografie und Politik. Für die Moderation legte Hans-Hinrich Renner sein Instrument beiseite und erzählte, wie einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, für den es nicht infrage kam, sein Heimatland zu verlassen, die Stalin-Ära überlebte. Angst und Unterdrückung, aber auch Kritik und Spott lassen sich in seinen Werken finden.

Als Auftakt wählte das Ensemble das Klaviertrio Nr. 1, C-moll, opus 8, das der 16-Jährige komponiert hatte. Violine, Violoncello und Klavier verweben spielerische und hochdramatische Sequenzen. 1934, als der Staat ihn noch kaum im Visier hatte, schrieb Schostakowitsch die Cellosonate opus 40. Klassische Elemente werden bei diesem Stück für Violoncello und Klavier verzerrt und mit Dissonanzen verfremdet. Beikircher und Renner interpretierten das Spiel gegen den Strich überaus lebendig. Kurze Zeit später flüchtete Schostakowitsch während der stalinistischen Schreckensherrschaft in die innere Emigration. Konzertpianistin Nagata gesellte sich bei „5 Stücke op. 97“ zu den Violinen: ob Gavotte, Walzer oder Polka, immer hört man die Meisterschaft des Komponisten und der Spieler heraus.

1967 war der Meister krank und las die Gedichte seines Landsmanns Alexandr Blok. Innerhalb von drei Tagen komponierte er dazu Melodien, die die Opernsängerin Lisa Livingston auf Russisch sang. Ihr Sopran füllte den Raum, die drei Instrumente antworteten der Stimme.

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