Das obere Donautal sucht den internationalen Anschluss

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Von Donaueschingen bis Sigmaringen geht der Landschaftspark Obere Donau, der internationalen Anschluss sucht. (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Sigmaringen

Bei Projekten im europäischen Donauraum überwiegen Konzepte, die aus deutscher Sicht frühestens in Ulm beginnen. So sehen das zumindest die Vertreter der Gemeinden an der oberen Donau. In Sigmaringen hat auf Einladung des baden-württembergischen Ministers für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten, Peter Friedrich, sowie des Landschaftsparks Junge Donau die Kommunalkonferenz „Kommunales Engagement im Donauraum“ stattgefunden.

Der Tuttlinger Oberbürgermeister Michael Beck ist der Sprecher des Landschaftsparks. Zu den Gründen für den Zusammenschluss im Landschaftspark und die Konferenz vor dem Hintergrund der Sigmaringer Gartenschau sagt Beck: „In der europäischen Donaustrategie ist der Bereich von der Quelle bis Ulm im Konzept praktisch nicht berücksichtigt. Das wollen wir ändern.“ Deshalb ist auch Sabine Meigel, die Leiterin des Donaubüros in Ulm, nach Sigmaringen gekommen, um hier gewissermaßen zum internationalen Anschluss beizutragen.

„Eines der Kernthemen ist die Mobilität. Das Projekt ,Trans Danube‘ befasst sich hier mit einer sanften, klimaneutralen Mobilität, aber auch Themen wie Tourismus oder den Anschluss an moderne Kommunikationstechnologien“, erläutert Meigel, deren Donaubüro eine Plattform für alle, die sich mit der Donau auf europäischer Ebene beschäftigen, bilden soll.

Unter dem Aspekt Mobilität steht auch die Donautalbahn im Bereich zwischen Donaueschingen und Sigmaringen. „Hier gibt es große Defizite, da ist jahrelang nichts gemacht worden, dabei könnten wir entlang des Donaubandes ideal zusammenarbeiten“, sagt Beck. Eine Elektrifizierung und die Wiederherstellung eines zweiten Schienenstrangs stehen hier auf der Wunschliste. Als Beispiel gilt die Gäubahn von Stuttgart nach Zürich, wo sich die Schweizer auch beteiligen.

„Die Interessengemeinschaft Landschaftspark ist kein neuer Verband, jeder Beteiligte behält seine Kompetenz, aber wir können unsere Interessen bündeln, uns gegenseitig unterstützen und helfen“, sagt Beck. So habe zum Beispiel Sigmaringen eine touristische Infrastruktur, die es weiter zu entwickeln gelte, Tuttlingen verfüge im Gegenzug über Industrie, was für Sigmaringen bei der bevorstehenden Konversion der Graf-Stauffenberg-Kaserne interessant werden könnte, meint Beck. Auch gelte es im Rahmen der Energiewende die Position von Windkraftstandorten abzustimmen.

„Ein Thema ist ja auch der Fachkräftemangel, die Lösung dieses Problems müssen wir internationalisieren. Da bietet sich eine der wichtigsten Binnenwasserstraßen Europas ebenfalls an“, verdeutlicht Meigel. Schließlich will man die Donau zu einer Art europäischem Markenzeichen, ähnlich den Alpen, machen, ein fast 3000 Kilometer langes Band, das Naturschönheiten und Kultur auf einzigartige Weise vereint.

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