„Das müssen wir erst verdauen“

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Die Vorsitzende der Diabetiker-Selbsthilfegruppe Kreis Sigmaringen Gudrun Schindler legt bald ihr Amt nieder
Die Vorsitzende der Diabetiker-Selbsthilfegruppe Kreis Sigmaringen Gudrun Schindler legt bald ihr Amt nieder (Foto: Grimm)
Susanne Grimm

Für Bestürzung hat am Donnerstagabend die Vorsitzende des Diabetiker-Kreisverbandes gesorgt: Am Ende der Hauptversammlung des 329 Mitglieder starken Selbsthilfevereins kündigte Gudrun Schindler an, bei der kommenden Hauptversammlung im März 2018 nicht mehr antreten zu wollen. Ihr gleich tat es Schatzmeisterin Esther Benz und die kommissarische Vizevorsitzende Martina Geng, die ebenfalls im kommenden Jahr ihre Ämter abgeben wollen. Die Betroffenheit der knapp 50 Anwesenden war deutlich zu spüren.

Obwohl die Vorsitzende deutlich machte, dass ihr Entschluss nichts mit dem Verein, der Vorstandsschaft oder den Mitgliedern zu tun habe, ließen die Kommentare aus den Reihen der Versammlung im besten Fall Ratlosigkeit erahnen. „Ich glaube, dass dann alles den Bach runtergeht“, „das müssen wir erst verdauen“ bis hin zu „schade“ waren die Reaktionen auf diese Ankündigung. Gudrun Schindler, die den Vorsitz des sieben Ortsgruppen umfassenden Vereins vor rund zehn Jahren – „damals notgedrungen“, wie sie sagte – übernommen hatte, fand, dass es nun Zeit sei, Jüngeren das Steuer zu übergeben und frischen Wind in die Segel blasen zu lassen. Insgesamt sei sie bereits seit 31 Jahren ehrenamtlich tätig, nun würde sie gerne wieder mehr Zeit für sich und die Familie, insbesondere für die vier Enkelkinder haben. Sie appellierte an die Mitglieder, intensiv auf die Suche nach einem neuen Vorstand zu gehen und sich auch selbst zu fragen, inwieweit eine Unterstützung des Vereins durch die eigene Person möglich sei.

Die Vorsitzende und auch Schatzmeisterin Esther Benz machten anhand ihrer Berichte deutlich, dass der Selbsthilfeverein in jeder Beziehung gut aufgestellt ist. „Der neue Vorstand braucht auch keine Angst zu haben, allein gelassen zu werden“, sagte Schindler, „die neue Führung wird von uns so lange begleitet, wie es nötig sein wird“. Außerdem seien die Planungen für das kommende Vereinsjahr schon so gut wie in trockenen Tüchern, sodass niemand fürchten müsse, von der Arbeit erschlagen zu werden.

Die einzelnen Gruppen würden unter den jeweiligen Ortsgruppenleitungen sehr gut laufen, ebenso seien die Gruppenabende sowie die angebotenen Vorträge immer gut besucht. Vor diesem Hintergrund sei sie zuversichtlich, dass ein neuer Vorstand gefunden und die bisherige erfolgreiche Vereinsarbeit weitergeführt werden könne. „Es wird weitergehen, nur vermutlich anders“, sagte Schindler.

Der Einzelne ist nun gefragt

Sie erinnerte aber, dass es im Grunde an jedem Einzelnen liegt, ob etwas weiterentwickelt wird oder verloren geht. Indirekt machte sie deutlich, dass Ehrenamt immer auch Arbeit für die eigenen Belange bedeutet, egal, ob das Interesse einer Sportart oder einem Krankheitsbild gilt. Im Verlauf der Versammlung ehrte die Vorstandschaft Mitglieder, die bereits seit einem Vierteljahrhundert dem Diabetikerverein die Treue halten. Der einzige Anwesende der zu ehrenden sechs Mitglieder war der scheidende Bürgermeister Sigmaringendorfs, Alois Henne. Ihm überreichte Gudrun Schindler eine Urkunde und ein Geschenk. Alfred Rautenberg aus Mengen, Ute Beller und Renée Tausendfreund aus Sigmaringen, sowie Irmgard Müller und Emma Datz aus Hohentengen konnten die Ehrung nicht persönlich entgegen nehmen. Auf der Tagesordnung standen noch die Wahlen der Ausschussmitglieder. Laut Satzung darf der Ausschuss fünf Mitglieder umfassen, drei der Posten konnten jedoch nur besetzt werden. So ließen sich die bisherigen Ausschussmitglieder Dorothea Zachariasiewicz, Oskar Kundrath und Roland Schindler wieder in ihre alten Posten wählen.

Weitere Infos: www.diabetiker-sigmaringen.de

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