Das Josefinenstift hat wieder eine Orgel

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 Organist Markus Schnitzer spielt Preludium und Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach.
Organist Markus Schnitzer spielt Preludium und Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach. (Foto: Elisabeth Weiger)
Elisabeth Weiger

Immer wieder mussten weitere Stühle in die Kapelle des Josefinenstiftes transportiert werden, so groß ist der Andrang anlässlich der Orgelweihe am vergangenen Sonntag gewesen. Zahlreiche Bewohner und Mitarbeiter des Stiftes, Bürger der Stadt sowie Vertreter des öffentlichen Lebens wohnten dem Festgottesdienst bei und kamen in den Genuss eines kleinen, aber feinen Orgelkonzertes.

Hermann Brodmann, der Seelsorgebeauftragte der Vinzenz von Paul gGmbH für die Region Sigmaringen, begrüßte die Gäste mit den Worten: „Heute ist ein großer Tag für unsere kleine Kapelle, denn unsere neue Orgel kehrt heim nach Hohenzollern.“ Gebaut wurde sie 1995 von Orgelbauer Harald Rapp für die Pfarrkirche in Bachhaupten bei Ostrach. Dort verrichtete sie einige Jahre lang ihren Dienst. Dank einer großzügigen Spende konnte später eine größere Orgel in Auftrag gegeben werden, sodass Orgelbaumeister Andreas Weber aus Bollschweil im Markgräflerland die Bachhauptener Orgel in Zahlung nahm und einlagerte.

Im Josefinenstift musste indessen über die Anschaffung einer neuen Orgel nachgedacht werden, da die elektronische Orgel aus den 70er Jahren aufgrund irreparabler Schäden ihren Dienst aufgegeben hatte. Der Initiative des Erzbischöflichen Orgelinspektors und Bezirkskantors Georg Koch, der die Bachhauptener Orgel entdeckte, ist es zu verdanken, dass sie ab dem heutigen Tag ihren Dienst in Sigmaringen verrichtet.

Das Projekt, eine neue Orgel für die Kapelle des Josefinenstiftes, initiierten Heimleiterin Barbara Jungwirth und Hermann Brodmann in Kooperation mit der Volksbank Bad Saulgau. Der Spendenbereitschaft vieler Einzelpersonen sowie der Volksbank Bad Saulgau, die jeden gespendeten Euro bis zu 50 Euro verdoppelte, ist es zu verdanken, dass außer der Bachhauptener Orgel auch eine neue Liedanzeige angeschafft werden kann.

Ökumenischer Gottesdienst

Den feierlichen Gottesdienst zelebrierten im ökumenischen Sinne Pfarrer Ekkehard Baumgartner, Pfarrerin Dorothee Sauer und Pastoralreferent Hermann Brodmann. Nach der Orgelweihe begann Pfarrerin Sauer ihre Predigt mit dem Psalm: „Alles was Odem hat, lobe den Herrn!“ Odem oder Atem habe auch das Instrument, eine Pfeifenorgel, dessen Einweihung heute gefeiert werde. Mit Hilfe von Wind, der wie Atem durch die Pfeifen weht und Töne erzeugt, entstehe Musik, die hör- und spürbar ist.

Dass eine Pfeifenorgel die Herzen der Menschen in Schwingung versetzen kann, ist für Hermann Brodmann gerade in einem Senioren- und Pflegeheim der springende Punkt bei der Entscheidungsfindung: Elektronische Orgel oder Pfeifenorgel? Viele der im Stift lebenden Menschen nehmen die Welt weit weniger mit dem Verstand als mit dem Herzen wahr, so Brodmann. Mit Preludium und Fuge aus dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian Bach ließ der Organist der Kapelle, Markus Schnitzer, das Instrument zu Beginn der feierlichen Zeremonie erklingen.

Zur Freude aller Anwesenden spielte anschließend Georg Koch Werke noch von Girolamo und Georg Böhm auf der im italienischen Stil gebauten Pfeifenorgel aus massivem Kirschbaumholz.

Nach dem kleinen Orgelkonzert lud Heimleiterin Jungwirth alle Anwesenden zu einem kleinen Umtrunk in die Cafeteria des Josefinenstiftes ein, wovon diese gerne Gebrauch machten.

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