„Das hat Schärer nicht verdient“

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Konsterniert verfolgt Thomas Schärer mit Frau Antje die Auszählung.
Konsterniert verfolgt Thomas Schärer mit Frau Antje die Auszählung. (Foto: Warnack)

Das Hupen des Autokorsos nach dem Fußballspiel Russland gegen Spanien gestern muss wie Hohn in den Ohren von Noch-Bürgermeister Thomas Schärer geklungen haben. Zeitgleich war bekannt gegeben worden, dass er gegen seinen Herausforderer Marcus Ehm deutlich unterlegen ist.

Dem frenetischen Jubel, den Pfiffen und der Blasmusik auf dem Marktplatz entzog sich Schärer, auch dem Anblick von Ehm mit Frau auf dem Balkon. Für Marcus Ehm sei der Sieg „unvorbereitet gekommen“, sagte dieser in seiner Rede, „überwältigt“ vom Ergebnis. Er dankte jenen, die ihn gewählt hätten, und versprach, sein Möglichstes zu tun, auch seine Kritiker zu überzeugen. Persönliche Worte fand er für Ehefrau Verena: „Wenn du nicht gesagt hättest, wir schaffen das gemeinsam, hätte ich mich nicht beworben.“

„Ich habe Ehms Sieg kommen sehen“, sagte Konditormeister Stefan Huthmacher – und war mit dieser Prognose eher allein. Denn zumindest die Lokalpolitiker, die am Sonntagabend auf dem Marktplatz mitfieberten, waren geradezu verdattert. „Im Café haben die Leute in den letzten Wochen nur von Ehm geredet“, sagt der Chef des Café Seelos. Viele Gemeinderäte hätten eher mit Schärers Sieg gerechnet, so auch Bernhard Schleyer (CDU). „Ich wusste, was ich an Schärer habe. Ehm hat bei der Vorstellungsrunde für mich nicht rübergebracht, welchen Mehrwert er zu bieten hat.“ Klaus Kubenz (Freie Wähler) zeigte sich gar enttäuscht, vor allem von der Wahlbeteiligung. „Ich werde Ehm loyal, aber kritisch begleiten.“ Landrätin Stefanie Bürkle sagte im Hinblick auf Schärers Niederlage: „Bürgermeister zu sein, kann die schönste Aufgabe sein, aber Demokratie zu machen, ist manchmal sehr brutal.“ Auch Gemeinderat Gerhard Stumpp (Grüne) konnte sich in Schärer hineinversetzen: „Für ihn ist es ein bitterer Tag. Wer kandidiert, muss damit rechnen, nicht gewählt zu werden. Ich bin sicher, er ist stark genug, das Ergebnis zu verkraften.“

Ein Bürger sagte: „Viele Wähler haben wohl nur die Schwierigkeit der Situation in Sigmaringen gesehen und sie dem Bürgermeister zugeschrieben und dabei verkannt, dass dessen Gestaltungsmöglichkeiten gering sind.“

Gemeinderat Markus Lehman (CDU) hätte damit gerechnet, dass Schärer vorne liegen würde. „Es tut mir leid für ihn – für sein Engagement ist das bitter, das hat er nicht verdient.“ An Ehms Qualitäten zweifelt aber im Gegenzug keiner der Befragten: „Ehm ist fähig, er kniet sich da rein“, sagt ein Gemeinderat, der sich namentlich nicht äußern möchte. „Schärer hat seine Wähler wohl einfach nicht motivieren können.“

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