Chiaki Nagata spielt Ravel im Gemeindehaus

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Chiaki Nagata spielt im Gemeindehaus mit Elan auf dem Flügel.
Chiaki Nagata spielt im Gemeindehaus mit Elan auf dem Flügel. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Unter dem Motto „Wehmut und Freude“ hat die Pianistin Chiaki Nagata für ihre Zuhörer ein ausgewähltes und anspruchsvolles Programm zusammengestellt.

Der Abend begannmit der sechsteiligen Klaviersuite „Le Tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel. Der Titel der Suite mit ihren barocken und teilweise auch höfischen Tanzformen bezieht sich auf die Werke des französischen Komponisten Francois Couperin, einem Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach.

Da die Stücke sukzessive während des ersten Weltkrieges entstanden, wurden sie bald zu einer Trauermusik ganz besonderer Art. Ravel widmete jeden einzelnen Satz dem Gedenken an einen gefallenen französischen Kriegskameraden.

Insgesamt spielte sie den Ravel mit der ihr dargebotenen Zurückhaltung, mit Ausnahme der „Toccata“ am Schluss.

Bei der tragisch anmutenden Prélude in e-Moll spielte sie die „Wasserfiguren“ einmal fließend bewegend, dann aber wieder stehenbleibend wie bei einem Ostinato. Auch bei der Fuge herrschte die Tonart e-Moll vor. Diesen Satz führte sie sehr konsequent und dennoch sehr ausbalanciert aus. Der dritte Satz, eine Forlane, gefällt durch seinen markanten tänzerischen Rhythmus. Zunächst erklang dieser Satz aber so düster wie ein Totentanz. Im Verlauf des Stückes gewann jedoch die Leichtigkeit wieder mehr und mehr an Bedeutung. Nicht alles im Rigaudon klingt heiter. Im Mittelteil jedoch wird die Musik lyrischer. Das Menuet steht im 3/4 Takt und ist durchgehend leise. Der Schlusssatz, die Toccata, ist das schnellste und temperamentvollste Stück der Suite. Hier hat Chiaki Nagata mit großer Souveränität ihre Kunst sowie die Vielfalt der kompositorischen Elemente gezeigt: schnell repetierende Töne, lamentierende Seufzer, aufdrängende Gesten, einen riesigen Ambitus von Arpeggien, und hat damit diesem Satz zu einer hohe Ausdruckskraft verholfen.

Danach folgte die „Polonaise As-Dur Op. 53“ von Frédéric Chopin, von ihr mit großem Elan, großer Gravität und Majestät auf dem Flügel dargeboten.

Die „Sonate g-Moll Op.22“ von Robert Schumann bildete den Höhepunkt des Abends. Auch hier entfaltete Chiaki Nagata ihr großes künstlerisches Können. Sie verstand es meisterhaft, Sehnsuchtsgefühle neben virtuosen Teilen immer wieder und auf ganz verschiedene Art zum Ausdruck zu bringen.

Mit einem klangvollen „L´Isle Joyeuse“ von Claude Debussy beendete sie ihr Programm und Beifall bedankte sich mit einer Zugabe von Robert Schumann.

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